GOTHIC, ROMANTIK, KLASSIZISMUS ODER
AUF DEM WEG IN DEN HELL LICHTEN TAG

 

Nach nunmehr 20 Jahren Gruft und Nacht und Trockeneisnebel, nach einem fast nicht enden wollenden Schwelgen im Rauschzustand der Romantik, im Reiten oder selber geritten werden von Ritter, Tod und Teufel, muß es mir auf dem Wege ins nunmehr 40ste Lebensjahr gestattet sein, den Gothic allmählich in seiner Gruft zu belassen und meinen sehnsuchtsvollen Blick weiter in Richtung der Sonne des Klassizismus zu erheben. Und wie gut das tut, sich im hell lichten Schein Arcadiens bestrahlen zu lassen, glatt weißen Marmor tastend und die Nähe neoantiker Bauten suchend, Säulengänge entlang spazierend.

Nein, ich will meine gothischen Wurzeln nicht leugnen und all die Nachtschattenromantik, die bei mir tiefer reicht als nur in Erinnerungen an NOVALIS, HÖLDERLIN und TIECK. Den gothischen Spitztürmen oder der Gothic-Novelle im Sinne BYRON´s bin ich so sehr noch verbunden, wie der Musik von THE FIELDS OF NEPHILIM, BAUHAUS und anderen Epigonen, deren finstere Nachtsaiten da mitschwingen. Es ist das Streben nach der Sonne, nach der Antike und dem klassischen Vorbild, ein höheres Streben, das wohl im Kampfe steht mit einer etwas trägeren Natur des Romantikers, der mit dem Unterleib zu sehr noch in Sturm und Drang gefangen ist und dem Anspruch des Klassizismus vorerst nur schwärmerisch versucht, gerecht zu werden. Sei es drum. Die Nebel müssen sich dennoch allmählich lichten. Das Räucherwerk meiner seelischen Dunkelkammern muß einer fordernden Klarheit nun weichen, einer gewissen Strenge sogar, die das Alter dann auch mit sich bringen möchte. Wer weiß. SCHILLER, GOETHE und der Klassizismus eröffnen uns hier gangbare Pfade, die sich zu Alleen ausbreiten, hin zu einem Ewigkeitsanspruch, hin zur Geste der Vollendung. Und alle Kunst, die man wirkt, darf nun in Betracht ziehen, auch Erlösungswerk zu sein.

Ich mag keine Erfüllung mehr darin finden, in schlecht belüfteten Zwischenwelten bei Trockeneisnebel und Finsternis meine Hand vor Augen nicht mehr zu sehen, geschweige denn die liebreizenden Gothic-Feen auf den metallenen Tanzflächen. Und die neuesten Modelle, gerade des deutschsprachigen Gothic, entbehren nicht nur der pionierhaften Tiefe und Authentizität ursprünglicher Akteure, sondern sind auf jämmerlich schwülstige Weise auf einem Gefühlsniveau deutscher Vorabend-Seifenopern sehr niedrig angesiedelt. Romantik auf den untersten Nenner gebracht, Weltschmerz als kitschigster Jammer, Skurilität bis zur Pervertiertheit. Und was hier permanent offen steht, wenn zum Tanze gebeten wird, ist die unselige Kindergruft, ohne daß deren junge Vertreter noch wirklichen Biß hätten - von den versprengten Ausnahmen abgesehen.
Das Ganze hat nicht einmal mehr "DER KLEINE VAMPIR"- Charakter, und allmählich verschwimmen die Grenzen so fließend, daß selbst HARRY POTTER Fans sich als im Kielwasser des Gothic fahrend dazu gehörig fühlen dürfen. LONDON AFTER MIDNIGHT, CORPUS DELICTI oder DIE UNTOTEN, das waren oder sind bis heute noch Garanten für etwas durch und durch Echtes im Gothic. Gerade DIE UNTOTEN aus Berlin sind auf weiter Flur die wirklich einzige Gothic-Gruppe, die noch im Vollbesitz eigenständiger Gothicvorzüge ist und über die gothische Schlagersahne in LACRIMOSA und ILLUMINATE - Format hinweg strahlt und staubt und stürmt. Gerade diese beiden Formationen bewegen sich mit unglaublicher Zähigkeit thematisch immer mehr in Richtung NICOLE und Roger WHITACKER. Man muß einfach das Weite Arcadiens suchen, wenn Romantik zur Gefühlsduselei mutiert, als ob sie nicht mehr wäre, als nur Durchgangspforte für Pubertierende. Romantik ist nach neuester Fasson mehr schwindsüchtige Fee als stürmische Geliebte. Ein Fetzen Sehnsucht hängt noch von der Gardinenstange, aber kein Lüftchen mehr, das diese Sehnsucht zu mehr als einem traurigen Seufzer in Stophenform bewegt.
Es kann und muß nur noch Tag werden - ein Sonntag - um gemeinsam mit SCHILLER und GOEHTE aufzustehen und das beste aus seiner Mittagszeit zu machen. CARPE DIEM heißt die Losung.

Oder nehmen wir Vorlieb mit BEETHOVEN, rein zur Stimulans die klassischen Noten, die er zur Niederschrift brachte - zur Niederkunft möchte man sagen - auf ihren Tonleitern entsteigen wir den Gewölbekellern und Grüften, auf seinen Musikwogen reiten wir dahin, erschließen und erobern uns die Welt. BLOOD AXIS, LAIBACH, AUTOPSIA - das ist mehr Klassizismus als Industrial, VNV-NATION ist die elektronisch massenkompatible Variante modernen Klassizismus, sowohl in Ausdruck, Inhalt und Klang. Ihre Musik läßt neue Welten erstehen, was ein Unterschied ist zu den PUNK- Gruppen von damals bis heute, deren Musik sich immer als Soundtrack zum Weltuntergang verstand.
LEBEN und GÖTTLICHKEIT, gegen TOD und TEUFEL. Mehr Licht bei soviel Finsternis.
Als der Punk die NEW WAVE gebar und die NEW ROMANTIK, wandten sich viele Musiker entweder ganz dem Sonnenschein oder der silber glänzenden Mondin zu. THE SISTERS OF MERCY waren ursprünglich sicher dem Mondglanz verhaftet. Eine Gruppe schuf 1986 ein sonnenhaftes Wunderwerk an Musik, immer dem Rufe Arcadiens folgend.
Es waren KILLING JOKE mit ihrem Album "BRIGTHER THAN A THOUSAND SUNS". Vorausgegangen waren ihnen in pionierhaften, aber noch nicht perfekt gereiften Werken THE SKIDS (die späteren BIG COUNTRY) mit ihren 1979er und 80er Alben "DAYS IN EUROPA" und "THE ABSOLUTE GAME", auf welchen faschistisch-klassizistischer WAVE-POP zelebriert wurde. Aber keine Veröffentlichung war durch und durch so transparent-kristallen und sonnenanbetend geraten wie jener Meilenstein KILLING JOKE´s. Und trotzdem muß diese tatsächliche LICHTSCHEIBE ihr Schattendasein im ewig größten KILLING JOKE- Hit "LOVE LIKE BLOOD" fristen, welcher zwar in der gleichen klassizistischen Popästhetik schwingt, aber von einer LP stammte, die in ihrer inhaltlichen Strahlkraft nicht mehr auf 12 Uhr mittags stand.
Von den Massen, für welche die LP mitgeschaffen wurde, relativ unbeachtet, nahm sich der südliche Himmel ihrer Klangfarben an, ihrer sonnendurchfluteten Klarheit, ihrer riefenstählernen Filmassoziationen im goldenen Braun der 30er und 40er Jahre, mit olympischem Pathos und einem Schub an Sonnenenergie, die jeden Ton in die Vertikale schickt. Diese Musik ist keine Nachtmusik. Es ist die triumphale Populärmusik des bei Tage einziehenden siegreichen Heeres, eine Siegeshymne des südlichen Himmels. "UNDER A SOUTHERN SKY".

"(...) With the breeze, the waves, the sea, as we start to move as one. Down from the hills, into the forest, walking on sands, into the water, I´ve been dreaming - island on my mind (...) I´ve been dreaming - under a southern sky."

Ein PANTEON, ganz in weiß, um siegreich mitten hindurch zu reiten, mit Millionen von Soldaten, von Alters her bis ´45, und die Toten und Gefallenen mitten unter ihnen durchs Tor zu neuen Ufern trabend. Ewigkeitserbe - Weltkultur. Die einzige wirklich beschreitbar-visionäre Welt ist klassizistischer Prägung, es gibt keinen Weg, keinen andern, als unter dieser Sonne marschierend zur Ewigkeit aufzusteigen.

Man will nichts anderes mehr sehen als Standarten, Reiter und Legionäre, unterm südlichen Himmel sich vorwärts bewegend in Massen. Es fließt kein Blut, im Vergleich mit dem Licht, das die Sonne über die Heimkehrenden in breiten Strömen reichlich ergießt. Es ist das fließende Sonnenlicht, das sich auf blau-weißes Eisen wirft, um von blanken Waffen und glänzenden Panzern reflektiert zu werden, es ist der kühle, gehorsame Stahl, der das Tageslicht zum Fließen bringt. Es gibt keine Toten, es gibt nur Heimgekehrte.

T.E. LAWRENCE würde sich eine Schellack-Ausgabe von "BRIGTHER THAN A THOUSAND SUNS" oder "DAYS IN EUROPA" und "THE ABSOLUTE GAME" auf sein Grammophon legen und wissen, was da wirklich läuft - "STRAHLENDER ALS TAUSEND SONNEN".

Getragen von solcher Pop Musik, über die großen Revolutionen der letzten Jahrhunderte hinweg, überqueren wir den Rubikon - "And all the bells shall toll, as holy banners fly".
Und wenn auch so manche Textzeile uns zur trübenden Annahme verleiten mag, humanistische Ansprüche zu erheben, im faszinierend-gleißenden Licht der siegreichen Sonne ist niemand mehr als Mensch erkennbar, fließt das Leben in mitreißenden Strömen von Wasser und Geist, von Sonnenlicht und Lebensenergie dem Göttlichen nur zu. Der Mensch - was mehr ist der Mensch, als all die leblosen Körper unter den Hufen einer Heerschar von Pferden? Ich weiß, was Jaz COLEMAN (Allah und die Götter ROMS seien mit ihm) zwischen den Zeilen und jedem Buchstaben, jedem einzelnen, wirklich meint.
"Let rage and hate of races run from Adam down,
the magic of our sience shines brigther than a thousand suns."

"And in the morning promise me great times will come again,
 and the homelands in our heart will never fade away."

Unentwegt sehe ich Reiterheere an mir vorüberziehen - Sarazenen, ihren brennenden Stolz unter schwarzen Gewandungen verhüllend. Araberpferde, weiß scheinend, schwarz glänzende Hengste mit kochendem Blut, das Weiß ihrer Augen ihr Gebendigtsein in Frage stellend und doch gehorsam und treu ergeben das Weite suchend. Von Bagdad über den Euphrat nach Damaskus, Cairo, Alexandria und unter der Mittagssonne, der streng allväterlichen, ein Ausblick auf das Mittelmeer, das mütterlich-weibliche, das Morgen- und Abendland nicht trennt, sondern verbindet, als ein Kelch und fruchtbares Becken reichlichen Lebens.

Und über den Horizont hinaus - Sizilien, Palermo: "Under a southern sky, I´ve been dreaming". FRIEDRICH DER II., MARKUS ANTONIUS, HANNIBAL, LAWRENCE VON ARABIEN, MONTGOMERIE, der FELDMARSCHAL ROMMEL und unser Cesar NAPOLEON, sie wissen was ich meine. Nicht Island, nicht der tiefe, schaurige Norden rühren an unserer tieferen Sehnsucht, kein Zurück in den finsteren Schoß, nicht Waldestiefe, nicht Gruft noch Stollen - alles Streben eines Kriegers will doch in Ewigkeit seinen Blick nur dem südlichen Himmel öffnen. Warum nicht hier verrecken und sich begraben lassen? Ob ich ein wenig besessen bin von Sonne, Licht und Strahlenzauber? Vielleicht ja, vielleicht nein - ich bin wohl einfach nur angewidert und abgestoßen von zuviel Finsternis in allen Bereichen des Seins, bis hinab in die seelischen Abgründe der Menschen, die keine Götter mehr sind - nur noch Humanisten. Angewidert und abgestoßen von den Celebranten jeglicher Finsternis bis hinab in die DARK-WAVE Keller. "MEHR LICHT" waren GOETHES berühmte letzten Worte - "MEHR LICHT". Und heute halten ILLUMINANTEN ARCADIEN besetzt, und unser Kriegsminister läßt verlauten, daß wir die Armee nicht zusammen bekommen, um des Feldzuges wegen, einem Feldzug mitten ins Licht. Man will gegen Windmühlen reiten, um auf unmögliche Weise noch etwas Sinnvolles zu tun.

Nehme irgendein Begnadeter sich ein paar lichte Gestalten und schaffe mit ihnen eine neue Variante hell lichter, siegreicher Populärmusik, um Europa und den Mittelmeerraum damit zu erobern. RAMMSTEIN haben Europa und Amerika erobert - ja, sie taten dies mit festem Schritt und kämpften sich, von unter Tage kommend, zur Sonne empor.
Niemand wird es ihnen mehr gleich tun. Sie haben die Kraft und die schweren deutschen Maschinen, die Welt zu erobern - was aber nicht Sinn der Sache ist. Sie schlugen sich tapfer und eisern von tiefster Sole zur Sonne durch, jedes ihrer Worte gab ihnen recht, sie redeten und sangen in der Sprache des Krieges, mit Preßlufthämmern, schweren Kalibern und im präzis gehorsamen Geiste eines über hundertjährigen Industriezeitalters. Ihre Großväter hatten ihnen diese Sonne einst verheißen, die Groß- und Urgroßväter, die, von Moskau kommend, auf der Strecke blieben. Es sind ihre Karabiner, ihre eisern bellenden Gitarren, mit denen RAMMSTEIN sich den Weg an die Sonne bahnten.
RAMMSTEIN ebneten den Weg, sie wollten nie mehr, als Arbeiter, Soldaten und Eroberer sein. Die Brutalität und Härte, die zur Eroberung befähigt, kann einer Herrschaft wohl dienlich sein, sie aber nicht ausüben. RAMMSTEIN sind die Wegbereiter für eine sonnenhaft-siegreiche Populärmusik, einer klassizistischen Strenge, die keiner Brutalität mehr bedarf, keiner zerschlagenden Härte, keiner brachialen Gewalt. Diese populärmusikalische Regentschaft bedarf wohl einer strengen Rhythmik, aber ihre Gitarren sind kristallener Natur, ihr Pathos ist nicht mehr der aus FEUER, BLUT und STAHL, es ist der Pathos der WEIHE, des GOTTESDIENSTES. Es darf nicht mehr der Baß sein, der die Stimme des Sängers in Schwingung bringt, es müssen höhere Stimmen die hymnischen Gesänge wieder erheben.

Fort mit den Thematiken des lichtlosen Untergrundes - zu sehr sind sie zum Selbstzweck geworden, zu wenig schenkt man der Tatsache Beachtung, daß es auch die Höhlenbewohner zum hell-lichten Tag drängen müßte, den wir nicht länger den Herren der Welt überlassen sollten. Die Keller haben ihre Schuldigkeit getan - Tag und Welt wollen genommen werden. Wir sind die Überwinder der Grüften, der Finsternisse, wir sind die Damen und Herren der Welt. Ich habe sie gesehen, die Tummelplätze derjenigen Reichen, die die Welt zu bewegen glauben, die so unfehlbar an die bare Münze glauben und die einstürzenden Neubauten ihres immer-höher-Hinaus für unerschütterlich halten. Ich habe mich unter sie begeben, den Anschein erweckend, aus ihrem Geiste, ihrem Blute und morschem Holze zu sein, saß innerlich distanziert von ihnen auf dem Rücken des Tigers, trank ihren Whiskey und ließ ihre Welt auf mich wirken - ihren Zerfall hinter dem Anschein, es zu solcher Höhe gebracht zu haben. Es sind die Räumlichkeiten, die Lokalitäten, die sie sich erobert hatten im Laufe der letzten 200 Jahre, deren Ambiente ich genoß, deren Architekturen ich studierte unter den Gesichtspunkten meiner visionären Vorstellungen. Herrliche Bausubstanzen, aus denen sich etwas schaffen ließe, das selbst im tiefsten Suff noch nach oben weist und zieht. Geriefte Säulen, die den Blick nach oben ziehen, und ein geistiges Umpolungsprogramm für die Schickeria.

Brüder und Schwestern, begreift die Stunde und laßt in den Kellern verrotten, wer dort verweilen möchte, Junkies und lichtscheues Pack, Vampire, Zauberer, Nachtschattenzöglinge und Kellergewächse, Gruftrosen und Psychopathen der Finsternis und alle, die das Licht am Ende des Tunnels nie zu sehen vermochten.
Laß sie liegen. Keine Selbstmordlyriken mehr. Der Selbstmord ist nun Sache der turmhaft stolzen Oberflächenbeherrscher - keine weiteren Themen mehr des Zerfalls, wenn dieser ein schmutziger Schnee von gestern nur noch ist, mit Blutspritzern darauf und grauer Asche darüber. Keinen menschlichen Dreck mehr weiter beschreiben, kein Lesen mehr in Eingeweiden, kein Zerkauen mehr von Fäkalwortgehalten.
Raus aus den Kellern und dann mitten ins Leben, das nach neuem Aufbau verlangt, nach Erbauern ruft, nach Architekten des Lichts.

Keine Lagerhallen mehr, die uns als Tanzboden dienen, deren Dächer Sargdeckel sind. Kein Ambiente mehr von Legebatterien, mit der lieblosen, improvisierten Ausstattung einer Independent-Culture, deren skurrile Stilistik sich längst schon selber überholt und erbrochen hat und auch nur noch aus ihren eigenen Abfällen schöpft. Keine ehemaligen Schlachthäuser mehr, mit eingebauten Bars, einer bunt getünchten Bimsstein-Schnellbaukultur. Keine Kohlenkeller und Luftschutzbehausungen mehr, keinen weiteren Schritt mehr in Richtung einer lieblos- lichtlosen abendländischen Untergrundkultur ohne Ausblick auf Schönheit. Keinen Schritt mehr weiter zwischen poppig bepinseltem Beton und Stahlträgern verblaßter Werktätigkeiten.
Ich will auch das geräucherte Fleisch nicht mehr schmecken, das statt Salz nur noch Nikotin und Trockeneisnebel mit sich trägt. Lockt mich nicht weiter mit schwarzer Gewandung in kontrastloses Finster - will keinen Nebel mehr sehen, niemandes Qualm in meinen Augen brennen fühlen, kein Mehr an Gothic, zuviel Skurrilität, zu wenig Stil und nur selten noch Chic.

Laß uns Ballhäuser entwerfen, in Marmor, in weißem, roten Stoffen und lichtem Kristall. Lichtdurchflutete Tanzpaläste, kein totes Neonlicht - kristallenes Funkeln, gleißendes, klares, strahlendes Licht. Kein Nebel, kein Rauch, kein Nikotin.
Draußen bleiben die Sadomaso-Schweine, in ihren Folterkellern sollen sie sich den Rest geben, in ihren Dunkelkammern dem Irrtum bis zum Erbrechen erliegen, daß Erotik auf niederster, finsterer Stufe etwas erhebend Befreiendes sei.
Der Sex-Appeal unserer Welten ist der des gebrochenen Lichtes im Regenbogenprisma des reinen Kristalls, und das stolze Tragen einer perlenden Haut, die sich nicht vor die Säue wirft und unverfälschtes Salz absondert, in der Hitze einer Tanznacht, die erleuchtet sein möchte - illuminiert von Stern- und Götterglänzen. Ich bin meiner Welt nicht zu weit voraus - ihr seid meinen Vorstellungen zu weit zurück.

Nein, auch kein Zurück in den Barock. Unsere kristallenen Kronleuchter sind streng im Design - müssen in hoher Wattzahl strahlen, ein Ambiente beleuchtend mit den besten Zitaten aus Jugendstil, Klassizismus, Futurismus, Bauhaus und 70er Jahre. Eine Großraumdiskothek, ja. Mit hohen, weißen Wänden, Fahnen und Symboliken an ihren entsprechenden Plätzen. Roter Teppich und Tische aus schwerem Acryl.
Eine Lounge "T.E. LAWRENCE" für Freunde erlesenen Tabaks und schwerer Literatur. Eine andere unter dem Namen des Barons Julius EVOLA - reich an erlesenem Whiskey und seltenen Weinen und von den Wänden blickend, die gerahmten Portraits von BENN, POUND, CODREANU, SPRENGLER. Schwarz lederne Sessel darunter, in welchen Leonard COHEN und junge Männer in schwarzen Stiefeln sitzend, neue Visionen in die Räumlichkeiten malen. Jenseits der gläsern schalldichten Front, auf dem Tanzboden der rauchfreien Zone, tanzen neue junge Menschen zu "CIRCUS GAMES" von SKIDS. Stolze Frauen in Flakhelferinnendreß und klassischer Garderobe glänzen im Bewußtsein ihres Seins, strahlen hell aus sich heraus. Fremdländische Gäste in tiefschwarzer Haut halten, in sauberem Weiß gekleidet, mit ihrer eigenen Rasse stolz dagegen, ohne in einen Konkurrenzkampf zu verfallen. Ihre Gesten, ihr Gang und ihr Erscheinen ist anmutend und grazil.
Was hier den Eindruck erweckt, eine höhere Gesellschaft zu sein, nach altem bis dekadentem Muster, täuscht, ohne diesen Eindruck vortäuschen zu wollen. Die Preise hier sind durchweg völkisch, die stilvollen Menschen sind zum größten Teil Werktätige, Angestellte, Studenten, die sich durch keine Modediktatur der schnellebigen Trends teuer auf dem Laufenden halten müssen. Man versteht es wieder zu improvisieren, zu kombinieren, und was man ist und trägt verstrahlt Ewigkeitswerte, die keiner Beliebigkeit Folge leisten, die das Sein und den eigenen Stil unterstreichen, statt Scheinbarkeiten erwecken zu wollen. Die Werktätigen, die an der Theke der "LAWRENCE OF ARABIA"- Lounge ihren Whiskey oder den Geschmack ihres Tabaks zelebrieren, unterhalten sich gerade mit einem Filialleiter der NEUEN DEUTSCHEN BANK über Ernst JÜNGERS "HELIOPOLIS". Was hier momentan gerade nicht zu sehen, geschweige denn zu finden wäre, sind die dekadenten Vertreter der Schickeria und Champagner-Gesellschaft aus den Tagen und Nächten des Verfalls.
Wo sie hingekommen sind? Äah,... laßt es mich mal so erklären - sie befinden sich momentan in unseren Nach- und Umschulungsstätten, wo sie Unterrichtsfächer in Philosophie und vor allem in Deutscher Geschichte belegen. Auch das Fach Religion wird wieder groß geschrieben, und niemand kommt hier auf die Idee, statt dessen in Ethik unterrichtet zu werden.
Manche unter diesen geistigen Hilfsschülern lernen jetzt erst einmal, daß GHANDI kein indischer Strom und BUDDAH keine bloße Statue ist. Und diese fleischernen Anhängsel jeder High Society, die nichts weiter interessierte als ihre Haut, die sie für wesentlich hielten, an den meistbietenden Mann zu bringen, die lernen jetzt, sich die Schatzkästlein der inneren Schönheit allmählich zu öffnen und blühen das erste Mal in ihrem Leben wirklich auf und scheinen verwundert darüber, daß diese Art von Schönheit nichts kostet und müssen erst begreifen lernen, daß es ja ihr Eigentum ist, das ihnen zu wirklicher Ausstrahlung verhilft.
Es rührten sich Gott weiß wieviel Stimmen von Aufgebrachten, die lange unter den Dynastien des Geldadels darben mußten und über den Umbruch hinaus die Erschießung der oberen Zehntausend forderten. Aber auch hier kann man niemanden über denselben Kamm scheren. Es gab Vertreter der sogenannten oberen Zehntausend, die, ohne sich verstellen zu müssen, hervorragende Gespräche mit uns führten und teilweise auch gar nicht in Berührung mit dem Champagner-Abschaum standen. Andere legten uns ihre Freimaurer- und sonstige Logengrade als stolze Verlierer zu Füßen und stehen uns heute teils beratend zur Seite. Die härteste Schule, die wir zu bieten haben, sind wohl unsere Stein- und Marmorbrüche. Wie man weiß, bevorzugen wir zum Aus- und Umbau unserer Metropolen weißen Travertinstein und reichlich weißen Marmor aus Carraru. Keiner, der hier arbeitet, bleibt hier für immer, 1-2 Jahre in der Regel, dann ist man geerdet und hat darüber hinaus auch die Arbeiter verstehen gelernt.
Wir wollen nicht strafen, nicht brechen, niemanden zerstören. Unsere Erziehung ist auch keine Um-erziehung, keine Rück-erziehung. Was unsere Lehrer und Philosophen hier leisten ist nichts anderes als Geburtshilfe. Es gibt nichts, was wir unseren Neugeburten vorenthalten oder verheimlichen müßten, wir haben keine verborgenen Wahrheiten mehr zu fürchten, und was noch im Dunkeln liegen sollte, wird offenbar, wir arbeiten unermüdlich daran.
Aber kehren wir doch zurück in den Ballsaal der Discothek "VICTORIA". Ich muß Ihnen unbedingt unsere neuste CD-Produktion vorstellen.
Eine Musik, die, das darf man zugeben, ihren Einfluß aus den 80er Jahren bezieht. Gerade die synthetische Musik der 80er Jahre trug einige elementare Ausdrucksstärken mit sich, die ganz in unserem Sinne sich gestalteten und in modifizierter Form sich als NEUE DEUTSCHE LICHT-WELLE aus den Lautsprecherboxen auf die Tanzfläche schlägt. Die Anleihen und Erbschaften sind unverkennbar. Alles Wagnerianische ist streng im Hintergrund, sozusagen im Zaum gehalten. Trevor HORN zu besten "SLAVE TO THE RHYTHM"- Zeiten scheint offen hindurch, das Sequenzing hatte uns Kylie MINOGUE exzellent aus den Achtzigern ins neue Jahrtausend hinüber gestohlen. Der Rhythmik ist einfach zu folgen, für die Gitarren standen frühe U2 und KILLING JOKE in ihrer sonnenhaften Phase Pate. Die Gesänge sind, der treibenden Rhythmik gemäß, hymnisch und hell. Alles in allem elektrisierend.

IN MEMORIAM

Stuart ADAMSON, Sänger und Gitarrist der schottischen Wave-Legende THE SKIDS und Gründer der späteren BIG COUNTRY ist am 16. Dezember 2001 in seinem Hotelzimmer auf Hawaii leblos aufgefunden worden. Damit segnet ein Wave-Urgestein und Gitarrengenie das Zeitliche, dem vielleicht der letzte Schritt in die HALL OF FAME verwehrt blieb, der auf dem Olymp unserer Geschmacklichkeiten aber seinen ewigen Platz inne hat.
Mittlerweile sind auch die Alben "DAYS IN EUROPA" und "THE ABSOLUTE GAME", beide in faschistoidem Original-Artwork, bei WOM und MÜLLER wieder erhältlich.
"HAIL TO THE MIGHTY,THE RITUAL BEGINS,
 HAIL TO APOLLO, THE CLEANSER OF SINS,
 HAIL TO EUROPA; SHE ALWAYS WINS"

THE SKIDS "A DAY IN EUROPA" 1979