ZUM 20.JULI 2004
(plus Nachtrag)
 

Sie, die ihr Leben weder für ein "Geheimes"- noch für ein offizielles Deutschland geben würden, - werden zum 60sten Jahrestag mit noch angestrengt ernsterer Miene den Bendlerblock betreten, - und über dem Redefluß der dort zum Niederschlag kommt, wird eine geheime Unstimmigkeit sich breit machen, welche unüberbrückbare Grenzen und Kluften zieht, - zwischen einem "Geheimen Deutschland" und dem, was Deutschland heute darstellen möchte. Heroismus und Demokratismus schließen sich aus. Das Opferverständnis der Demokratie erschöpft sich kurz hinter dem Steuern Zahlen. Zu wahrem Heldentum und echter Opfergabe zu animieren, besitzt die Demokratie weder die magischen Vokabeln noch ein überweltliches Charisma, noch die dazugehörige Überzeugungskraft. Der schwarzen Magie der Demagogie kann der Demokratismus im Zerfallstadium, statt einer weißen Magie, nur seine materialistische Blässe entgegenhalten, - ohne Strahlkraft, ohne Opferbereitschaft, ohne Unbedingtheit, ohne Schicksal, ohne Berufung, ohne Drang, ohne Bezugnahme auf irdische Kräfte oder himmlische Macht. Der Demokrat ist kein Drachentöter. Die Demokratie erinnert immer wieder an die Themen klassischer Westernfilme, - in welchen die von Tyrannei heimgesuchten Städte nie von den lauen Einwohnern der Stadt befreit wurden, sondern von heldischen Außenseiter-Typen, die ihrer Natur nach durch das Kainsmal einer fremdartigen Andersartigkeit auffallen, - und die Tyrannis nur dadurch zu beenden im Stande sind, weil ein verwandtes Feuer in ihnen glüht. Dieser Typus ist nicht lau, - nicht zufällig, nicht käuflich. Sie stehen als "geheime" Vertreter ihrer seltenen Art zwischen den Welten, - zwischen den Zeiten, - zwischen dem Gegner und den zu Schützenden. Die heldische Tragik ist eigentlich die, - daß er im Spannungsfeld dieser beiden Extreme stehend, nach vorn mit der ihm verwandten Härte des Gegners zu kämpfen hat, und nach hinten mit dem Verrat und der seelischen Verwundung durch die mit rechnen muß, die er schützen möchte, - obgleich ihr freies Leben das Opfer, das er darzubringen bereit ist, seiner Qualität nach nicht wert wäre. Und doch wird das Opfer gebracht. Aber es wird nicht verstanden. STAUFFENBERG bleibt der Bevölkerung ein Fremder. Die Sheriffs, die aus dem Hintergrund hervortretend nun die Grabrede halten - und mit mahnenden Worten wider das "Böse" sprechen, - sind ihrer Natur gemäß weder Löwenbändiger noch Drachentöter. Das begreifen weder eingefleischte Nazis noch blindlinke Antifaschisten, und am wenigsten das laue Bürgertum, welche Metaphysik sich im 20. Juli konzentrierte, und wie wenig oder wie viel und in welchen Dimensionen das alles noch mit Schwarz und Weiß und Gut und Böse zu messen ist. Alle wollen sie ST. GEORG und den Drachen sehn. Sie sprechen von Gut und Böse, - aber der Frieden, den sie ersehnen, wird nur dann real für sie, wenn mit dem Drachen auch ST. GEORG auf der Strecke bleibt. Nur unter der Grabplatte ist ihnen ein solcher Held geheuer. Hinter der offiziellen Gestik zum 20. Juli steht immer auch eine seltsame Befremdung gegenüber STAUFFENBERG, die von reichlich innerbetrieblicher Unsicherheit im System kündet und davon, - daß ein "GEHEIMERES DEUTSCHLAND" im Sinne von Stefan GEORGE und den Brüdern Berthold und Claus von STAUFFENBERG leicht auch als eine Bedrohung des heutigen Parlamentarismus und spaßiger Liberalität begriffen werden könnte, wenn man sich erlauben würde, Stefan GEORGES Vision vom "NEUEN REICH" als berechtigte Prophetie zu verstehen. Die Idee des "GEHEIMEN DEUTSCHLANDS" mag im Abseits allen Tohuwabohus gemächlich weiter reifen. Wir beobachten und proklamieren, - ohne Zeitdruck, ohne Hast, - hier und da eine Randnotiz. - Man kann und muß hier nichts erzwingen.- Wir haben Zeit. Die offiziellen Reden zum Jahrestag werden nur alles Gesagte der vorangegangenen Jahre mit neuer Geschmacksverstärkung wieder aufbacken. Es wird gemahnt und appelliert werden. Aber eines sollte unterm Strich offizieller Gestikulierung doch klar sein, - gerade, weil es nicht zur Aussprache kommt. Für DAIMLER-BENZ, die DEUTSCHE BANK und die ganze Wirtschaftslobby, die dem heutigen Demokratieverständnis ihr insgeheim totalitär-materialistisches Krönchen aufsetzt, ist Stauffenberg garantiert nicht in den Tod gegangen.
"Es lebe das Geheime Deutschland", und es lasse sich die Zeit, die es braucht.
JOSEF K. München 19.Juli 2004

Leserbrief zu: "WIDERSTANDSKÄMPFER STAUFFENBERG" (AZ 24.02.04)
"Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sollte man die Ziele des Putsches des Grafen Stauffenberg auch anführen: Dann hätten wir heute eine konstitutionelle Monarchie mit einer autoritären Diktatur und die NSDAP hätte Parteistatus. Nachzulesen in der Biographie über Graf Stauffenberg. Aber es ist halt einfacher, sich einen Helden hinzubasteln wie man ihn braucht."
Thomas Lorenz, München.

Anmerkung JK: Also auf eine NSDAP würde ich von vorn herein mal verzichten können, - aber der Rest klingt doch mal gar nicht so verkehrt, - eine Art freiheitlicher Totalitarismus passend zur von uns gepflegten "Konservativen Avantgarde", das könnte zusammengenommen angenehm verführerisch wirken.
 

Vertreter des "GEHEIMEN DEUTSCHLANDS"
Stefan George, Claus u. Berthold von Stauffenberg

Plutokratische Selbstbediener:
Ackermann (Deutsche Bank) & Esser (Mannesmann)

 
20.Juli NACHTRAG
 

Meine Ausführung zum Jahrestag des 20. Juli 1944 hat im Bekanntenkreis nun doch für einige Kontroversen gesorgt. Was dem einen in Bezug auf Graf von STAUFFENBERGS Attentatsversuch "Heldentum" bedeutet, ist dem andern "Hochverrat". Ich versuche, den 20 Juli stets aus den damaligen Verhältnissen heraus zu deuten, - sowohl aus dem Hintergrund der Stauffenberg'schen Nähe zum geistigen Mentor Stefan GEORGE und seiner Dichtung, als auch aus der Zeit und Situation heraus. Die Stauffenberg-Gegner begründen ihre Antipathie mit dem Argument, daß es feige gewesen sei, dem Führer eine Aktentasche mit Sprengstoff unter den Tisch zu stellen und sich dann aus dem Staube zu machen, - und auf die unschuldig dabei zu Tode Gekommenen und, daß es mannhafter gewesen wäre, dem Führer mit einer Pistole gezielt gegenüber zu treten. Damit aber macht man es sich, meiner Meinung nach, zu einfach. Hätte STAUFFENBERG sich nur als Täter empfunden - und wäre der Täter seine einzige für ihn vorgesehene Rolle im Plan gewesen, - dann hätte er für diese Rolle schon vor Ort sein Leben gegeben. Weil er sich seiner tragenden Doppelrolle, sowohl als Täter wie als Organisator, aber bewußt war, - durfte er sein Leben in der Wolfsschanze eben nicht aufs Spiel setzen, - obgleich hart an der Grenze. Wohl wissend, daß er sich im Grunde nur auf sich verlassen kann, und im klaren Bewußtsein darüber, daß er das stärkste Glied in der Kette der Verschwörer verkörperte, und daß hier die Stunde schlug, auf die sein Leben hinzielte, durfte nichts dem Zufall überlassen bleiben. Er war das herrschende und ausführende Organ in einem. Rad und Achse, Täter und Denker. Geist und Tat. Daß neben einigen hervorragenden Menschen sich auch Kleingläubige, Halbherzige und Opportunisten um Stauffenberg scharten, die in Anbetracht der späten Stunde einfach nur hofften, einen glücklichen Umschwung mit vollziehn zu können, ist offenbar, - auch und gerade im sogenannten Widerstand war nicht jeder Beweggrund so golden, wie er heute glänzen möchte. Claus von Stauffenberg jedenfalls wußte, daß ER, und niemand anders als Er, der Mann der Stunde war - und, daß er die Zeit danach den Bürokraten, Sachverwaltern und Theoretikern überlassen würde. Seine Motivation entstammte keinem Ehrgeiz, sondern einer Opferbereitschaft, die bis ans Äußerste und darüber hinaus zu gehen bereit war. Er wollte das Attentat nicht um seiner Selbst willen überleben, sondern der Idee des Reiches wegen, - die ihm höher gelegen erschien, als die Schweinereien, die im Namen des Reiches im eroberten Feindesland von statten gingen und in keinem gesunden Kontext mehr standen mit einem soldatischen Ehrenkodex. Ich möchte mich in keiner Weise auf die verfluchenswerte J.P.REEMTSMA-Schiene begeben und vertrete nach wie vor die Meinung, daß sich unsere Geschichte weder durch Pauschalisierung noch durch einseitige Betrachtungsweisen bewältigen läßt, aber neben einigen gezielten geheimdienstlichen Desinformationen, welche Claus von STAUFFENBERG aus zwielichtigen Kanälen heraus zugetragen wurden (und seine Pläne mit motivierten), waren auch Kriegsgreuel in unmittelbarer Nähe mit ausschlaggebend bei der Herbeiführung des inneren Bruchs mit HITLER und dem Generalstab. STAUFFENBERGS Attentat und dem Englandflug von Rudolf HEß liegen verwandte Schemata zugrunde, - zum einen die grobe Fehleinschätzung gegenüber dem Gegner, dessen Spiel mit den führenden Kriegsgewinnlern schon längst so abgekartet war, daß jeglicher ritterliche Gestus deutscherseits niemandem mehr in den Plan paßte, der gemäß der gesteckten Ziele auf unsere Vernichtung hinarbeitete, und zum andern die gutgläubige Hoffnung, welche beide mit ihrer Eigenregie verbanden, und die sich mit keinem Vorwurf von Profilneurosis relativieren läßt. Die mit Sprengstoff versehene Aktentasche in der Wolfsschanze zu Rastenburg, deren tödliche Wirkung auch den Tod der HITLER umgebenden Gefolgschaft billigend in Kauf nahm, mag nicht der feinste Zug gewesen sein, - aber der einzig gangbare Weg aus STAUFFENBERGS Erwägungen heraus. Wer von "feigem Mord" sprechen möchte und von "Hinterhältigkeit" in Bezug auf das Attentat, sollte beispielsweise die 6. Armee in Stalingrad nicht vergessen, deren Untergang auch aus HITLERS beratendem Umfeld heraus über den Kartentisch hinweg genauso billigend in Kauf genommen oder mit herbeigeführt wurde, nur eben auf einem Niveau wirklicher Feigheit gegenüber HITLER und der Ignoranz gegenüber der frontalen Realität in Stalingrad selbst, und in unbeschreiblich höherem Ausmaß massenhaft elenden Verreckens. Wie gesagt, - das Zusammenspiel verschiedener gewichtiger Faktoren hat die Tat mit herbei geführt. Und Stalingrad bedeutete nicht nur einfach die Verabschiedung einer restlichen Armee in russische Gefangenschaft. Die Tragödie, die dort vonstatten ging, beruhte mit auf der Feigheit jener beratenden Generalschaft, die, um sich dem verbalen Donnerwetter des Führers nicht aussetzen zu müssen, die Sachverhalte an den Fronten entsprechend harmloser darstellte. Der Landser hingegen verfügte gegenüber dem andauernden Donnerwetter der russischen Geschütze über keinerlei Möglichkeiten, die Wirklichkeit anders als offenen Auges zu betrachten, und diese Wirklichkeit war tagein tagaus der hunderttausendfache Tod, dem das ungute Gefühl vorauseilte, vergessen, verraten und verkauft worden zu sein. Und deshalb darf man die Detonation in der Wolfsschanze als einen symbolischen Widerhall jenes Schlachtendonners aus Stalingrad auch betrachten, der ja nicht zu hören ist, wenn die eigenen Truppen auf der Landkarte verschoben und verschaukelt werden. Ungeachtet dessen denke ich aber auch, daß eine geschichtliche Erscheinung wie HITLER sie darstellte von keinem Zufall und auch nicht in erster Linie von Geldgebern und Drähteziehern zum Führer des deutschen Volkes aufstieg, - sondern, wie er selber es auszudrücken beliebte, durch die "Vorsehung", welche in ihrer göttlichen Verankerung bisweilen schwer zu durchschauen ist für den Intellekt des Menschen. Für einen indischen Mystiker hingegen gibt es keine moralische Schranke, die ihn hindern würde, Adolf HITLER als einen AVATAR zu betrachten, - als einen von Gott gesandten Vollstrecker jenes göttlichen Willens, der in erster Linie die Entwicklung der Menschheit zu beschleunigen hat, - und zwar nicht durch Frieden und Freude, sondern durch den brennenden Schmerz der Läuterung, der über den Erdball gegossen den alchimischen Prozeß vorantreibt.

"Hitler wird in Berlin sterben, und niemand wird seine Leiche finden. In zehn - oder auch hundert Jahren werden die Deutschen, die so gerne Sagen erfinden, erzählen, daß der Führer inmitten eines Flammenmeeres in den Himmel gefahren ist. ..." Benito MUSSOLINI zu General Renzo MONTAGNA nach einem Telefonat mit HITLER, in welchem dieser erklärte, daß er das Hauptquartier in Rastenburg nach Berlin verlegen würde.

In der deutschen Realität von 2004 gehören die Programmpunkte zum 20.Juli schon wieder der Vergangenheit an, und HITLER persönlich steht wieder im Rampenlicht, prangt auf den Titelseiten der Exorzisten-Presse und blickt, in erdiges Braun gehalten, von den Plakaten. Und der STERN läßt sich aus über den "LANGEN SCHATTEN" HITLERS. Und vom Nachbartisch aus erzählt mir eine knapp 40jährige Rheinländerin, daß sie Bernd EICHINGERS "DER UNTERGANG" im Kino gesehen habe und so fertig mit den Nerven sei, daß es noch vieler Tage und vieler Gespräche bedürfe, um die Eindrücke, die der Film auf sie machte, richtig zu verarbeiten. Und dann beginnt sie zu erzählen, von dem Monster HITLER, und seiner menschlichen Darstellung durch Bruno GANZ, - und daß er ja ein ganz mieser Künstler nur gewesen sei, dessen Bilder auf einem Niveau naivster Kindermalerei gehalten seien, und daß es nicht ungefährlich sei, HITLER mit ansatzweisen menschlichen Zügen auch darzustellen. Und während ich ihr zu erklären suche, daß die Aquarelle und Zeichnungen HITLERS, die mir bekannt sind, keineswegs Kindergekritzel seien, frage ich mich, welche Bilder die Frau eigentlich gesehn haben möchte und vermute in ihr eine Abonnentin der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, - denn so viel Schwachsinn kann eine Frau doch nur reden, wenn Sie neben Müsli und Beruhigungstabletten morgens auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG mit verdaut. Und dann gibt sie ja selber auch noch zu, aufgrund der Filmbesprechung in der SZ ins Kino gegangen zu sein. Und jetzt habe ich sie am Ohr und gewinne ihrem Wiedergekäuten wenigstens die Gewißheit ab, von ihr auf 100.000 ähnlich geartete Exemplare schließen zu dürfen. Ich fand ja schon die tiefe Betroffenheit der verschiedenen Schauspieler nach der Premiere erschreckend rührend und so langweilig uninteressant, wie einen Filmabspann in XXL. Von den Auslassungen weiterer Unzuständiger über HITLERS Charakter und Unmenschsein habe ich im vorbeigehn sowieso immer nur das Fettgedruckte gelesen. Ich bin kein Freund und kein Bewunderer HITLERS, aber ich gestehe ihm seinen Platz in der Geschichte zu und nehme einfach immer wieder zur Kenntnis, daß seit 1945 viele Regierungsoberhäupter kamen und gingen und daß er, obgleich vor 60 Jahren abgetreten, gegenwärtiger wirkt als alles, was nach ihm kam. Wenn sie könnten wie sie gerne täten, dann würden sie ihn totschweigen und ignorieren, - und er wäre trotzdem gegenwärtig. Weil er aber tot ist, tritt er um so massiver in Erscheinung, da ja jede gottverlassene Gesellschaft wenigstens eines Dämons bedarf, den sie unablässig zu bannen sucht. Das mutet seltsam bis befremdlich an, wenn die Eintagsfliegen aus den Schaustellerbereichen der Politik und der Unterhaltung ihr wertendes Urteil über Adolf HITLER in eine Diskussion einbringen, die es morgen schon nie gegeben hat. Heute ist Sonntag der 19. September, ein geradezu herrlich sonniger Herbsttag. Parallel zu "DER UNTERGANG", der nun angelaufen ist, beschert uns dieser Sonntag Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg - und sollte die NPD so gut abschneiden, wie die Systempresse es befürchtet, dann hoffe ich, daß Horst MAHLER der Partei wieder beitritt und den weiteren Kurs mitbestimmt, auf welchem sich Deutschland zwar vorerst nicht retten läßt, aber zur Freisetzung weiteren revolutionären Potentials Entscheidendes beiträgt. Ich mußte schmunzeln, als ich mir in der Wochenendausgabe der SZ die "couragierten" Artikel von Heribert PRANTL und Kurt KISTER zu Gemüte führte, in welchen sie behaupten, daß man sich vor DVU und NPD nicht fürchten muß, weil sie immer wieder zu dumm fürs Parlament seien, oder daß man Neonazis nicht durch Exorzismus bekämpft, sondern auf der Straße. Und irgendwie scheinen sie den Anschluß an die Wirklichkeit verpaßt zu haben, denn der NPD-Wahlerfolg, der sich gerade abzeichnet, hat kaum noch etwas mit altbackenem Neonazismus gemein, und es geht hier auch gar nicht um parlamentarische Qualität, sondern um eben die von Heribert PRANTL zitierte Straße, - auf welcher keinem Neonazismus mehr begegnet wird, sondern den zulaufenden Massen, die nicht mehr gewillt sind, sich von Lobbyisten, Plutokraten und Selbstbedienern noch weiter ausnehmen und verarschen zu lassen. PRANTL und KISTER sind in ihren Vorstellungen nicht minder gestrig als die hohlbirnigen Hooligans, die ja über gar kein politisches Bewußtsein verfügen und mit Sicherheit so destruktiv sind wie die DVU überflüssig ist. Ja, in Anbetracht des aufkochenden Volkszorns und des archaischen Tenors, der sich auf der Straße Luft zu machen sucht, je mehr der Beschiß von oben zunimmt, kann dem Typus, den KISTER und PRANTL vertreten, nur noch die wenig überzeugende Rolle von Mutmachern zugestanden werden, - die dem von der SZ vertretenen bürgerlich linken Mainstream zum Frühstück, zum gemütlich üppigen auch das Gefühl geben sollen, daß ihre heile linke Wohlstandswelt durch nichts erschüttert werden kann. Ganz nebenbei bemerkt tobt in München heuer das Oktoberfest, und bei aller bierschäumenden Abschäumigkeit, die diese Unternehmung auf unterstem Niveau auch bedeutet, eines fällt hier ungeheuer angenehm ins Gewicht, die Tatsache nämlich, daß bayrische Trachtenmode aus herkömmlichen Jeans- und Turnschuhschlampen plötzlich stattliche, ansehnliche und bezaubernde Damen macht, auf eine Weise, die mich natürlich noch viel glücklicher macht, als die dummen Gesichter irgendwelcher Etablierter in Anbetracht des sich abzeichnenden Wahlerfolges der NPD.