MAXIMUM ROCK,N,ROLL EXORZISMUS? (20/21)
Ein kleiner Streifzug durch journalistische Abgründigkeiten in eigener und artverwandter Angelegenheit und ein Betrachten weltlicher Exorzismen in Rock und Pop und Subkultur.


Die Einstiegsfrage möge den geneigten Leser umkreisen, was ihn hierher treibt? Schon in dieser zwielichtigen Gemarkung überhaupt gelandet zu sein, könnte eine dem Besucher zu Grunde liegende Motivations-Schattierung pathologischer Natur implizieren.
Kein normaler Mensch verirrt sich hierher. Was will er hier ,was hofft er hier zu finden? Aus welcher eigenen Abgründigkeit heraus betätigt er sich hier? Für manchen, der hier einsteigt, gibt es einfach nichts besseres zu tun, als im Mikrokosmos dieser Buchstabenmüllhalde nach Nährstoffen, Indizien oder Wikipedia-tauglichen Filet-Fetzen zu suchen - zum weiteren Ausbau meiner künstlichen Außen-Darstellung im digitalen Schädlings-Katalog. Wer außer fragwürdigen Spezialisten, interessierten Sachkundlern, pervertierten Sozialpädagogen und Tagund Nachtschicht schiebenden Nerds macht sich die Mühe, hier hinabzusteigen? Frage an mich selbst: Wie lange noch willst du Selber deine Zeit mit dem Anbereiten von Schweinefutter vergeuden? Mach doch mal wieder was wirklich Schöpferisches! Nun - selbst gegenüber den depperten Trüffelschweinchen der Weltrevolution darf ich mir zu erwähnen erlauben, dass natürlich auch mein Weg von reichlich pathologischen Triebkräften und externen Kompensations-Treibstoffen befeuert, einmal seinen Lauf genommen hat und die Krankheiten der Jugend in ihrer bisweilen spannenden Aufladung an lebensbereichernder Würzung nicht entbehren. Das muss so sein, das hat so zu sein und wird in seiner natürlichen Veranlagung auch von keinen Domestizierungs-Versuchen linksextremer Publizisten in seinem freien Lauf behindert werden, solange ein gestörter Jugendlicher, wie auch ich einer war, zur Stromgitarre greift, um sich mit 220 Volt Unterstützung aus der Steckdose artikulieren zu können. Zwischen die 220 Volt aus der Steckdose und den 400 Volt Starkstrom zur öffentlichen Beschallung eines Publikums aber hat ein befremdlich mutender Antifaschismus seine auf publizistischem Widerstand basierenden Kontrollinstanzen installiert, die auf Basis der eigenen Glaubenslehre eine Cancel-Culture betreibt, gegen welche das kleinbürgerliche Aufbegehren verängstigter CDU-Ortsverbände zur Verhinderung lokaler Punk-Konzerte Anfang der 80er ein gespielter Witz ist. Mit reichlich rot-rot-grüner Rückendeckung und vielerlei institutioneller Beihilfe exorziert man im Biotop der Subkultur, verhindert, unterbindet oder erschwert, was sich dem Selbstverständnis der Gesinnungsgrundlage verweigert, grenzt aus, stößt ab, ghettoisiert, verdammt, verleumdet, was das Zeug hält, um dann in Anbetracht der Völkerwanderungen „ Ihr Kinderlein kommet!“ zu singen, oder der Covid´schen Geißelung wegen darüber lamentiert, dass es „STILL“ würde,“OHNE KULTUR“, womit sie natürlich vornehmlich ihre eigene Establishmentkultur meinen. „OHNE KUNST UND KULTUR WIRD´S STILL„ sagen sie. Und ich genieße deren Stille. Aber mit Gesinnungszensur wird´s halt in den unteren Bereichen der Kultur schon länger viel stiller, im systematischen Abschneiden frischer Triebe, die sich nicht bändigen lassen durch menschelnde Zerrkräfte einer schreibenden Zunft, wie ich sie hier beleuchtend zur Pappnasen-Aufstellung bringe. Weil diese Leute so unfarbig sind hinter ihrer Proklamation der bunten Vielfalt als letzte Rettung unserer Zivilisation, habe ich meinen Leuchtmitteln transparente Farbfolien vorgespannt, oder verleihe dem Scheinwerfer-Licht Farbspektren meines eigenen Facettenreichtums, welchen zu verschleudern ich nicht geizen möchte.

Bisweilen mag ich Selber kaum glauben, dass man fast ein Jahrzehnt nach VON THRONSTAHLs Ende zur Daseinsberechtigung schreibwütiger Nerds und kritischen Szenebeobachtern als immer noch bestehend durch die medialen Korridore politisch motivierten Spezialistentums geistert. Das hat etwas von einem Nicht-loslassen wollen, der das eigene Betätigungsfeld mit abstützenden und rechtfertigenden Feindbildfassaden zu tun und könnte mich vielleicht sogar dazu anregen, Von Thronstahl neu auferstehen zu lassen, tot-oder lebendig. Mal sehen.

Ich krieg das alles ja auch nur noch sporadisch mit, in Zyklen halber Jahrzehnte, beim kurzzeitigen Überblicken der Lage, und habe schon vor meinem Verlassen des kulturkämpferischen Kriegsschauplatzes damit aufgehört, mir als eine Art Ausgleichs-Sport die Buchveröffentlichungen, in welchen wir kritische Erwähnung fanden, als Belegexemplare von Präsentations-Tischen kleiner und größerer Buchmessen wegzustehlen. Gerade fluten wieder neue Publikationen an Fleißarbeiten über rechte Ästhetik und Graswurzel schlagendem Kulturkampf den Nischenmarkt, und mit dem Einsetzen der Buchflut zum Thema in Begleitung des Rundfunks ist dann auch alles schon vorbei und wird Geschichte. Was noch weiter läuft ist Reenactment. Der Zug ist abgefahren ,- alles weitere ist Dampflokomotiven-Museum. Vor einem Jahrzehnt ca. in einem einsamen linken Bücherladen Münchens stehend, brachte ich es in Anbetracht der dort vorherrschenden Absatzflaute in fast schon solidarisch bibliophiler Verbundenheit einfach nicht mehr übers Herz, ein eh nur in Paperback erschienenes hetzerisches Machwerk unbezahlt mitzunehmen und verlor darüber hinaus dann vollends die Lust, daran überhaup­t noch archivieren zu müssen, was da gegen einen so auf- und niedergeschrieben wurde, von Menschen, die ja auch ein bisschen davon zu leben wünschen, was sie sich da zusammenschreiben oder nun vermehrt per Radio über den Äther jagen. Ob nun unter missionarischem oder journalistischem Tiefdruck stehend, das karge Tagesgeschäft um Brisanzen und Schlagzeilchen auch im kritischen Polit- und Musik-Journalismus lässt die Fünfe gerne gerade sein, kämpft weiterhin statt mit Florett lieber per Dolch und arbeitet der Effizienz wegen statt mit der Angel gerne mit dem Schleppnetz, um auch dem an sich untauglichen Informations-Beifang in der Panade eigener Zwangsvorstellungen und frei laufender Phantasie die goldene Interpretations-Kruste zu garantieren, an welcher die Kundschaft bisweilen mehr entsetzten Geschmack findet als an der eigentlichen Substanz der Sachverhalte.

--- Es bedarf keiner Anstrengung, das offensichtlich Brutale, Abartige und Abschäumige an wirklich extremer Menschenfeindlichkeit in seiner primitivistischen Offensichtlichkeit zu benennen und anzuprangern. Der journalistische Kunstgriff, der so selten gelingt, weil er ein feineres Gespür und eine fast schon archäologische Feinarbeit benötigt, sich im kritischen Journalismus-Betrieb jedoch nicht rechnet, fährt mit dem gleichen Bagger, mit welchem er die tonnenschwere Last echter extremistischer Härten bearbeitet, zu gerne auch in den filigraneren Graubereich der konservativen Avantgarde und des Neofolk ein und möchte fest daran glauben, hier die eigentliche Brut-und Schnittstelle allen Übels geortet zu haben. Auch Thorsten Hindrichs, wie viele seiner schreibenden Vorläufer in deren kritischer Tradition er das „braune“ Terrain bearbeitet, kann und möchte vor soviel beschissener Bräune, mit der er sich als sozialpädagogischer Musikwissenschaftler gegen Rechts so intensiv beschäftigt, das Graue nicht mehr vom Braunen unterscheiden.

Vielleicht kaufe ich mir gelegentlich sogar noch dessen „SCHWARZ ROT POP„ Buch, weil sein eigener Redebeitrag in einem WDR 3-Interview nicht ganz so unwirklich und halluzinativ war, wie manche Ausführung des gleichfalls befragten Musikpädagogen Braun und des Beitrags-Autoren Neitzert höchstselbst. Auch letzterer wartet in seiner neu aufgewärmten Ambition gegen mein früheres Treiben mit inhaltlichen Behauptungen auf, die den wissenschaftlichen Anschein der Wirklichkeit zwar erwecken, aber bisweilen einfach nicht halten können, weil er das ein oder andere nicht bis hinab in die Spitzen zu Ende recherchieren konnte, was nicht zwingend an seinem Unvermögen liegen muss, sondern an den Untiefen der Wirklichkeit, die, wenn nicht irgendwo handfest dokumentiert, ja auch nirgends zu sehen sind. Was wie ein musikwissenschaftlicher Dreier auf hohem Kultur-Radio Level rüber kommen möchte, gerät besonders durch den von Musikpädagoge Braun gegen mich angeführten Quatsch auf das Niveau einer sich im Dunkel ihrer eingebildeten Deutungshoheit verirrten Selbsthilfetruppe.

Nun sind es also nicht mehr die lokalen Heftchenschreiber des politischen Untergrundes oder die billigen Paperback-Publizisten des antifaschistischen Widerstandes, sondern die Kultur-Redaktionen des öffentlich rechtlichen Rundfunks, welche den unbedingten Eindruck unseres Fortbestehens erwecken müssen, um sich in liebloser Flickschusterei Sachverhalte zusammen zu lügen, die man als Denkmal journalistischer Mainstream-Schlampigkeit einfach nur unangefochten im Raum stehen lassen muss, um sich am Feuer dieser sich irgendwann selbst verzehrenden Unglaubwürdigkeit etwas zu wärmen, in kühlerer Jahreszeit. Und das sage ich in meiner Eigenschaft als leidenschaftlicher Hörer des an sich vorzüglichen deutschen Kulturradios, deren Audio-Darbietungen der letzten 50 Jahre an Qualität nicht zu überbieten sind in der Weise, wie es mir als Alternative zu meinen selbstgebrannten CDs, die unzähligen Fahrtstunden auf Deutschen Autobahnen bereicherte.

(Alleine die in den Archiven der Rundfunkanstalten verstaubenden Literatur-Sendungen der 60er bis 90er Jahre stellen konzeptual und in stimmlicher Darbietung den ganzen heutigen Hörbuch-Schmodder der immer gleichen Vortragsweise so dermaßen in den kulturellen Schatten, dass ich mich frage, wann endlich jemand auf die geniale Vermarktungsidee kommt, diese literarischen Audio-Schätze aus den Archiven hebend einmal richtig auf den Markt zu bringen, in ihrer meisterlichen Substanz. Es ist heute nicht mehr ganz so leicht, während einer Überlandfahrt noch einen Literaturbeitrag zu erheischen, der redaktionell nicht erst durch den beißenden Mode-Sud von Feminismus, Nachhaltigkeit und plakativem Verantwortungsbewusstsein gezogen wurde. Zu viele öffentliche Figuren, die schon als Schauspieler ihren Beruf nur spielen, geraten über die deutsche Synchronisation von amerikanischen Trickfilmen zu schnell auf die abwegige Idee, der visuellen Dauerpräsenz im Fernsehen gleich mehrere auditiv literarische Hörbuch-Einsprechungen nachschieben zu müssen. Leider! Man darf die Maßstäbe nicht vergessen, welche von echten Sprechkünstlern wie Oskar Werner vor Jahrzehnten einmal gesetzt wurden. Der Flow, in dem sich heute alles bewegt, was als kulturelle Anhaftung so durchgeht im Stream, hat schon auch etwas von Reichsrundfunk in der Selektion dessen, was sich verstrahlen darf und was nicht.)

Irgendeinen Phantomschmerz müssen wir jenen hinterlassen haben, die das Phänomen der KONSERVATIVEN AVANTGARDE in dessen tieferer Bedeutsamkeit zwischen Ursprung und Aufbegehren noch nicht verstanden haben, weil sie alle nur im Stande sind, sich an der Oberfläche offenkundiger Augenscheinlichkeiten zu reiben, statt die Mühen eines Gruben-Abenteuers auf sich nehmend in die philosophische Vertiefung zu gehen, wo Zeitgeist und Psyche aus eigenem Garn ihre Muster in menschliches Sein und künstlerischen Ausdruck weben. Ich erfahre aus diesen Quellen nichts Neues von mir und über mich, vor allem aber erkenne ich mich Selber so wenig wieder, was nicht an der Faktenlage an sich, sondern wie auch schon bei WIKIPEDIA in der tendenziös zielorientierten Zusammenstellung der Fakten beruht. Es ist ähnlich wie mit dem Musikpädagogen Braun, der aus der kurzen Begegnung mit mir vor 25 Jahren nicht mehr auf den Tisch bringt als seine fünfprozentige Aufschnittmenge an für das Radio-Ereignis zurechtgestutzem Stuss.

Natürlich habe ich, wie jüngst von ich weiss nicht mehr welchem meiner aufklärerischen Satelliten geortet, anfänglich jedwedes Blues-Muster gemieden wie der Deutsche Marsch-Teufel die musikalischen Weihwasser amerikanischer Baumwollpflücker Befindlichkeiten, nicht einer grundsätzlichen Aversion wegen, sondern meiner mitteleuropäischen Marsch-Linientreue bezüglich, die ich mir nach zu viel anglo-amerikanischem Rockmusik-Freilauf ab Mitte der 90er Jahre einfach mal genehmigen wollte. Das geht sich leicht an für den kritischen Journalisten,- es sich in liebloser Beschäftigung mit uns beim Klang des Namens und den Assoziationen zu belassen, die auch unser Design mit befeuerte. Wir bleiben aber dennoch die Band des Genres, welche über den okzidentalen Anspruch hinaus reichend die meisten Lieder orientalischer Prägung und sogar ein schwarzafrikanisches Musikstück im Repertoire aufweist und sich auf der letzten CD nicht nur einen weiteren an Hiphop angelehnten Ausbrecher erlaubten, sondern eine treibende neoklassizistische Dampflock-Komposition in unverschämt unlinientreuer Weise mit einem bluesigen Rocknroll-Gesang krönten - einfach weil mir danach war. Und kaum einen Kritiker interessierte bislang die in Textinhalten verarbeiteten Themen menschlichen Gebrochenseins, oder menschlicher Wundheilung. Diese Leute können, von der schwindsüchtigen Muse ihrer Intellektualität geküsst, sehr lange über die Tiefgründigkeiten einer modernen Pinselstrich Farb-Komposition theoretisieren, um dann gegenüber der Selbstetikettierung eines aufmüpfigen Musikanten als“Individualfaschist“ in die 1:1 Rechnung ihrer Bürgerlichkeit zu verfallen. Wenn sie musikalisches Rebellieren der neueren Art, nicht direkt mit „Born to be wild“ und einem mit einer tuckernden Harley Davidson unterlegtem „Easy Rider Feeling“ zusammengebacken bekommen, entstehen im Zuge ihrer Irritationen die großen alten Fluchtbewegungen zu mittelalterlicher Betrachtungsweise. Nicht einmal der seelisch geprägtere Schluss-Stein „CORONA IMPERIALIS“ wurde zur abschließenden Deutung mit herangezogen. Und das ist ja irgendwie auch gut so, wenn sich unterm Strich der journalistischen Handhabe bestätigt, das die Aufladung des Kampfbegriffes „Lügenpresse“ sich nicht zu unrecht vor allem durch gezielte Auslassungen, Informations-Filetierung und manipulative Buchstaben Schiebereien generiert.

Aber selbst im Lager schreibender Neo-Folkloristen mag der Spagat einfach nicht gelingen, VON THRONSTAHL als aus Punk und konservativ-revolutionären Eigenarten gezeugtem Hybrid Phänomen zu verstehen. Wir haben das Uniformierte nie so zur Spitze getrieben wie Albin Julius etwa mit DER BLUTHARSCH, sondern punkig locker zu halten gesucht. Das Strammstehen vieler in ihrer Darbietung eher angestrengt wirkenden Gruppen des Genres hat es bei uns im Sinne einer freiwilligen oder unfreiwilligen „Überzeichnung“ nie gegeben. Unser gefühlter Ernst Jünger Bezug war nicht „In Stahlgewittern“, nur bedingt „Der Arbeiter“, noch nicht „Auf den Marmorklippen, sondern ERNST JÜNGER,s SEX PISTOLS Tauglichkeit in einem subkulturellen Strömungs-Kampf, dessen postmodern ikonographische und stilistische Materialschlacht keine Grenzen kennen durfte. Der „Pour le Merite“ Orden Jüngers muss die Scham einer nackten Frau zieren dürfen, das Ritterkreuz mit Schwertern und Brillanten eines WKII. Offiziers, den nackten Busen eines läufigen Thai-Mädchen schmücken - ohne dass die Pollunder-tragende Jüngerschaft des Meisters oder das Neudeutsche Jungvolk die Krise bekommen.



Meine Inspiration dazu ist nicht einmal die Müllhalde der Geschichte , aus welcher ich mich von Jugend an gern bediene, sondern die Realität in deutschen Wertstoffhöfen, wo das Farbportrait eines Ritterkreuzträgers quer über dem aufgebrochenem Pornoheft liegend aus dem Papiermüll ragt, um lebensechte Verbindungen anzumahnen, zwischen Pizza Karton und Katholischen Pfarrbiefen. Nirgendwo in der Kunst kommt sich der menschliche Wirklichkeits-Verschnitt als sichtbare Spiegelung gesellschaftlicher Gegenwart so unzensiert nahe wie im offenen Papiercontainer der deutschen Wertstoffhöfe. Schon zu Zeiten, als man auf ländlichen Müllhalden noch seine Papierabfälle verbrennen durfte, verstrahlten aus den geologisch mutenden Schichten halbverbrannter Papierstapel die angeschwärzten Bild-Fetzen sowohl der Weltkriegs-Landser als auch der Nacktmodels die Aura ihrer heimlichen Verworfenheit über die ungeweihte Erde dieser Art von bürgerlichem Entsorgungs-Friedhof. Ob nun die verschmutzten Sterbebildchen von fürs Vaterland gefallenen Soldaten oder die fürs lüsterne Wohl herhaltenden Nacktschnecken-Bilder auf verbrannter Erde, die Überschriften zur Panzerschlacht in den Ardennen oder Einblicke in deutsche Schambehaarungs-Pornographie, garniert von Kommunionsbildchen, handgeschriebenen Marmeladenglas-Etiketten auf den Splittern von Rußgeschwärztem Glas, an diesem Stimmungsbilder-Gemisch der Verworfenheit entzündete sich meine jugendliche Lust, umgeben von zärtlichen Rauchschwaden fleißigen Entsorgungs-Willens der Landbevölkerung und heimlicher Gewissensentlastung auf ungeweihtem Grund. Ein Frühjahrs-Ausblick auf ein friedlich ruhendes Idyll von Dorf, mit fernen hochfrequentierten Kreissäge Geräuschen und Gockelgeschrei. Das sind die von meiner expressionistischen Schnittweise zerfahrenen impressionistischen Gemälde meiner Kindheit, die in keiner Galerie abhängend zum moralischen Missbrauch oder zur Selbstgeißelung einladen. Easy-Rider-Phantasien in Deutsch, mit Weltkrieg II. Stahlhelm als Gebrauchs-Reliquie kriegerischen Außenseitertums.

( Schnell mal zwei expressionistische Schmutz-Bilder malen für die deutsch-britische Ahnengalerie einer Freiheit nach 1945. Adolf Hitler und Nancy Spungen nach vollzogenem Selbstmord im Führerbunker vor dem Sofa liegend wie zwei blutende Voodoo-Puppen aus Stoff und Wachs mit aufgenähten Knopfaugen. Sid Vicious und Eva Braun, im Heroin-Tod vereint auf dem Fußboden einer Münchner Wohngemeinschaft von 1968 liegend - wie Einblendungen zweier Zeitreisender, die sich diametral aufeinander zu bewegend in einem von Spitzweg gemaltem Biedermeier-Idyll moderner Versifftheit und 100 jähriger deutscher Dornröschen-Schloß-Verwunschenheit zum gemeinsamen Tod verabredet haben. Was das mit Kulturradio und den perversen Phantasien von Sozial-und Musikpädagogen zu tun hatm weiss ich nicht - muss uns auch nicht interessieren, oder? )

FLÜGEL-FLATTERN
Dass es um das Jahr 2000 zum Bruch mit dem Pockrandtschen Flügel (EIS & LICHT) kam, war in deren gespeist sein, sowohl durch die höhere Schule Ernst Jüngers als auch der musikalischen Subkultur wegen, sehr bedauerlich. Dem subkulturellen Mischungsverhältnis dieser Leute, die mit dem SIGILL-Magazin Vorbildliches leisteten, wohnte eben dieses besondere Potential inne, grenzüberschreitend auch rechte Vertreter härterer Gangart in diesen neuen Bann zu ziehen und in eine entspanntere Haltung gegenüber der Welt und sich Selbst zu bringen - wenn denn die Abschottung nicht zu früh erfolgt wäre. Die akademische Überheblichkeit und intellektuelle Arroganz gegenüber mir und meinen Bodentruppen jedoch hätte besser mal im Hinterzimmer der gegenseitigen Erbauung und geistigen Selbstbefriedigung bleiben müssen, statt vom Schreibtisch aus noch Granaten ins eh schon schwierig zu durchfahrende Minenfeld zu werfen.

Manche dieser erst um 2005 ins Spiel kommenden jungkonservativen Ableger, die eher im Morast standesdünkelndem Junkertum dümpelten, statt appetitlich im Saft Jünger`scher Nachfolge zu schmoren, schienen so gar nicht damit klar zu kommen, dass ein relativ unbelesener Hauptschüler (der zudem noch Wert darauf legt, ein schlechter Hauptschüler gewesen zu sein) sich von Punk und Gothic her kommend auf Stefan George, von Stauffenberg und Ernst Jünger bezog - nicht im Sinne nachbetender Gefolgschaft, sondern auf Basis künstlerischer Inspiration und strategischer Nutzbarmachung.

Wenn der akademische Stolz solcher Leute (statt sich im jugendlichen Ringen um sexuelle Bedürfnisbefriedigung auf echtem privaten Berührungsniveau zärtlich zu brechen) sich nur über die sexuelle Einweihungs-Schiene der Burschenschaftsrituale an billigen Osteuropa-Nutten reibt, mag zwar dem künftigen Doktorengrad nichts im Wege stehen, die Erdung jedoch zum tieferen Verständnis der Welt und des Lebens durch echte weibliche Zuwendung bleibt unvollzogen. Man sollte im Zuge seiner Intellektuellen-Einweihung und zur eigenen Geschlechts-Erdung zuerst unbezahlten Sex gehabt haben, und danach erst Ernst Jünger studieren, um nicht hängen zu bleiben in der stets so jungfräulich mutenden Jüngerschafts-Schleife von zuviel schwergewichtiger Theorie vor der kargen Kulisse von zu wenig erdender Lebenserfahrung.

Ob nun Dominik Tischleder als begabter Musikkritiker oder Thomas Michael aus Halle in seiner hochwürdigen Deutung Ernst Jüngers` - es war und ist für mich nicht hinnehmbar, wenn Sie sich in Ausübung ihres an sich ja gekonnten Handwerks auf polemisch spöttisches Niveau herablassen, um sich mir dahingehend verständlich zu machen, dass wir ein grundsätzlicheres Problem miteinander haben. Meine Art, solche Problematiken zu behandeln, ist auch insofern meiner ländlichen Hauptschul-Grundierung geschuldet, dass der Pausenhof als jugendlicher Kriegsschauplatz handfester Konfliktbereinigung ein prägendes Begegnungsterrain analoger Konfrontationen war. Jeder Gegner hatte ein Profil, war sichtbar, greifbar, und konnte im Nahkampf fühlbar werden. Und wenn nicht gerade ein sesshaft gewordener und allzeit gewaltbereiter Zigeuner in eine Auseinandersetzung involviert war, dann war das Streiten vergleichsweise romantisch und mit Nasenbluten, Hautschürfungen und blauen Flecken auch schnell wieder erledigt. Als ehemaliger Hauptschüler stehe ich in eben dieser Tradition der Körperlichkeit. Digitale Kriegsführung ist die Sache jener intellektuellen Knopfdruck-Krieger, die sich eine körperliche Begegnung nicht leisten können. Die digitale Fortbewegung durch den virtuellen Raum ermöglicht es dem lebensuntauglichen Nerd, dem lebenslänglichen Bürokraten und dem lebensfernen Akademiker, in anonymer Weise auch ohne Sportabzeichen, zwischen morgendlicher Butterbrot Fütterung und abendlichem Fastfood Konsum, risikofrei, mühelos und mit vollen Backen seine Art Fern-Beitrag zum Geschehen an der Front oder dem Sezieren von Sachverhalten leisten zu können. Eine vornehmere Zurückhaltung gewisser Leute, welche einem ihrer Hinterland Verortung gemäß lieber in den Rücken fallen, statt auf dem untersten Nenner einer gewissen Waffenbrüderschaft des Geistes ein wenig mehr die pennälerhafte Schnauze zu halten, das wäre das Gebot der damaligen Stunden gewesen, in welchen ich mit den Guerilla-Methoden der roten Weltverbesserungsfraktion schon zu genüge ausgelastet war. Man möchte da aus dem heimatlichen Hinterland weder Dolchstoß noch Nadelstich im Rücken verspüren müssen.

NEVER MIND THE BOLLOCKS, JETZT WIRD,S ERNST !

http://www.nonpop.de/nonpop/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1501


Würde man aus obiger Non-Pop Ecke heraus auch Michael Moynihan nach dessen Intension seiner „Walked in Line“ Version befragen, von wegen „Johnny join the Clan!“ ? Dieser klugscheissernde Thomas kann doch nicht in grandioser Weise die Höhen-und Tiefen Ernst Jüngers beleuchten, um dann auf unterster Review-Ebene bzgl. unseres „Sacrificare“ Verkaufsschlagers schreibend vor sich hin stümpelnd keinen Zugang mehr zum subkulturellen Schlüsselwort: P A R A D O X I E zu finden. Dem Rest unserer Cover-Intention ist mit der Vermutung von „frech“ und „dreist“ wenigstens einigermaßen Genüge getan. „Unverschämtheit“ wäre ein weiteres Schlüssel-Wort zum höheren Verständnis unserer Arbeitsweise.

Wie sehr das Erkennen des Genius Ernst Jüngers nicht zwangsläufig bedeutet ,durch den Erkenntnisgewinn auch selber schon genial zu sein, und dass man den potentiellen Nährboden zum Wirken eigener Qualitäten nicht zu stark mit der reflektierten Sonnenkraft seines jugendlichen Egos bescheinen soll, davon zeugt die obige Review, die sich liest wie ein auf Pockrandt`scher Aversionsgrundlage gegen mich basierender Genugtuungs-Versuch in schreiberischer Erfüllungsgehilfen-Manier.

PUPLIKUMSFRAGE: „Sie erwähnten in diesem Zusammenhang gerade ein „grundsätzlicheres Problem„ miteinander zu haben. Könnten Sie uns das etwas näher erklären?“

„Glauben Sie mir, das hier auszuführen ist so langweilig - es fällt mir leichter, den ganzen Schrott diesbezüglich in den zweiten Teil meiner Memoiren zu packen.!“

„Also LEICHT ENTFLAMMBARES MATERIAL II. ?“

„Nein,- SCHWER ZU LÖSCHENDES MATERIAL womöglich!“

„Schwerer zu löschen als WIKIPEDIA Einträge von Feindeshand ?“

„Durchaus, ja, aber nicht minder schwierig zu löschen wie unfriendly Fire aus den konservativen Wohlfühlregionen des eigenen Hinterlandes!“

„Was sagt Ihnen der Name : Ghonghadze ?“

„Gong was bitte ?“

„Ghonghadze !“

„Next Question Please!

„ EINE KRITISCHE PUBLIKUMSSTIMME: „Wie gehen Sie heute mit dem Vorwurf um, eine rechte Unterwanderung der Subkultur betrieben zu haben ?“

„Von wieviel tiefer als von „Sub“ soll man die Szene denn bitteschön noch unterwandert haben? In der ganzen Debatte um Vereinnahmungsversuche der Rechten etc. werden phantasierende Szenerien entworfen, die so nicht stimmen. Da musste nicht unterwandert, sondern allenfalls einfach nur überrannt werden, in nicht einmal vereinnahmender Weise. Die Bewegungen nahmen aus den Szenen heraus ihren Lauf auf ebenso freier wie offener Fläche. Wir waren alle Kinder unserer Zeit und es kam irgendwann nichts mehr am Punk, dessen Ausläufern und dem, was Punk verändert hat, vorbei. Werner Symaneks musikalische Wurzeln liegen genau wie die von mir, Stephan Pockrandt, Ellen Kositza, Roland Bubik und vielen Andern in der alternativen Musikkultur. Da wurde nicht Onkelz und Rechtsrock gehört . ( Das einzig hörbare aus der völkischen Richtung war und ist die bis heute noch bei mir rotierende LANDSTURM CD „ Das Leben ist ein Würfelspiel“ aus dem Jahr 2000 ,deren Musik als eigenständiger Pop-Rock bezeichnet werden kann.) Man musste sich nicht verstellen, man musste nicht unterwandern - man musste nur immer öfter aufpassen, was man sagte und das behagte uns nicht, und ab dann allmählich begannen aus der Szene heraus kleine Solidargemeinschaften weltanschaulicher Berührungspunkte zu blühen, die es bislang so nicht gab und man nahm es mit den ideologischen Abweichungen untereinander zunächst nicht so genau, weil diese Art neuerer Nonkonformität damals stärkeren Bindungscharakter hatte als ein Meinungsunterschied Spaltkraft. Erst mit der allgemeinen Aufblühte des Geschäftlichen und den anziehenden Verkaufserfolgen betrieben die Geschäftstüchtigsten des Genres ihren subtilen Konkurrenzkampf nach unterirdischer Fasson.

Vor dem Hintergrund, dass ich mich ab Anfang der 80er noch mit gewalttätigen Nazi-Skinheads auseinanderzusetzen hatte und zur Mitte der 90er Jahre hin plötzlich die extreme Linke gegen mich aufgebracht sah, weil die keinen Unterschied mehr machten zwischen Nazi, Stauffenberg und später auch der Weisen Rose, verwischten sich auch mir Selbst die historischen Grenzkonturen, die einmal zwischen NS-Regime und deren Opposition bis hin zum aktiven Widerstand gezogen waren. Das gilt es bitte zu begreifen !!! Ob nun das Selbstverständnis eines in der Subkulturellen Musikszene verankerten Nationalisten, Konservativen Avantgardisten, Nationalbolschewiken, oder sonst eines weltanschaulichen Grenzgängers - wenn weder Hass noch Gewalt oder Rassismus von uns ausgingen, dann gab es nichts zu unterwandern und der subkulturelle Kampf beruhte einfach nur auf der gefühlten Daseinsberechtigung, unseren Anteil an der Straße zu haben, auf der die Musik und das Leben spielte, Basta, Aus, Fertig und Schnauze!“

„...Das ist unsere verdammte Straße, sie gehört nicht euch Politikern, nicht einem Haufen rechtsgerichteter Irrer, aber auch nicht nur einem Haufen Antifaschisten, sie gehört nicht schwarzen Gang-Leaders, den Mods oder den Rockern, und auch nicht der Mittelschicht - sie gehört uns allen!“ Pete Townsend zu seinem aktuellen: „STREET SONG“ (THE WHO)

„Right wing, left wing, i want something, easy to say, bout what do you think !“ Joe Strummer in: „WE ARE THE CLASH“ 1985 Nein „If the Kids are united“ erfährt hier keine Verwurstung. Es ging mir nicht um Vereinigung, sondern um Diversität auf subkulturellem Terrain jenseits von Gewalt und pathologischer Abschäumigkeit - und um die Spannung der eigenen inneren politischen Zerrkräfte auf eigener, interner Membran.

Als ich mich im Rahmen meiner Aushilfstätigkeiten beim VAWS fasziniert von Konservativer Avantgarde und Neofolk zeigte und in Tuchfühlung mit verschiedenen Leuten des gerade aufblühenden Genres geriet, gab Werner Symanek mir aufgrund seiner bereits gesammelten Erfahrungen mit auf den Weg, nicht der Illusion zu erliegen, mit den zu konservativen jungen Richtungsvertretern mehr als nur den Biertisch, an dem man gemeinsam mal sitzt, bewegen zu können – weil, sobald etwas über den Tisch und die Nacht des kulturpolitischen Dampfplauderns hinaus in den praktischen Ernst ginge, dort sehr schnell das bürgerliche Rollo hinab gelassen würde und das die im Ernstfall von Statten gehende konservativ vornehme Ernüchterung impliziert, lieber jemand Anderen über die Klinge springen zu lassen, als sich Selbst in Gefahr zu begeben. Das Säbelrasseln manch schlagender Verbindung, das ja meistens unter sich und gegeneinander stattfindet, steht symptomatisch dafür, sich einfach nur untereinander aufzuregen und einander wieder abzureagieren. Eine akademische Energieverschwendung, deren tiefere Sinnhaftigkeit sich Werner Symanek und mir nur schwer erschließen wollte, obgleich mir das Gefilde nicht unsympathisch war und ich mit einigen Prachtexemplaren des einen oder anderen Herren-Hauses unbeschreiblich Interessantes, Geistreiches und Unterhaltsames auch erlebte.

Sicher hatte jeder organisierte Richtungsvertreter innerhalb des Genres seine eigene Vorstellung von Kulturkampf und kultureller Selbstbehauptung. Werner machte sein Ding und war weder auf Elitarismus, Militarismus, Limitation oder Lagerfeuerromantik hin ausgerichtet. Meine Vision basierte auf dem Generieren von neuen Mischungsverhältnissen der Richtungen, Kräfte und Strömungen und dem Aufmischen bestehender Luftverhältnisse durch die totale Turbulenz-Erzeugung. Im Gegensatz zu Dresden (Eis & Licht) behielt ich es mir vor, die neue Strömung für die ganze rechte Spannbreite von oben bis tief unten offen zu halten - wiederum nicht aus Gründen zu rekrutierenden männlichen Unterwanderungspotenials, sondern in fester Überzeugung davon, dass dieser neuen Szene die transformative Kraft inne wohnt, auch extremistische Verkrampfungen zu enthärten und in die nationale Entspannung zu bringen, was definitiv auch geschehen ist. Man darf die Spreu vom Weizen aber auch erst nach der Ernte trennen und nicht zu einer Zeit, wo einem der Gegenwind zwar um die Ohren fliegt, aber die Karten sich in Windgeschwindigkeit auch neu zu mischen beginnen. In diese strategisch bedeutsame Übergangszeit (1998-2000) hätte man von Dresden aus keine dieser anfänglich subtilen und dann immer offener werdenden trennenden Dissonanzen wirken müssen.

Mit dem letzten SIGILL Magazin ( für die konservative Kulturavantgarde Europas ) endete für mich in krönender Weise die Ära einer Art Fanzine Subkultur, die am 5. Dezember 1980 in der Wiesbadener Wartburg mit dem Kauf zweier so genannter Fanzines einmal begann. (ABSTELLGLEIS, ZUCHT & ORDNUNG ) Beides, Anfang, Krönung und Ende noch in gefühlter Avantgarde Anbindung. Mit der schreiberischen Erhebung der Generation Einser-Schüler (mit ZINNOBER und NON POP) über den feldgrauen Musikbereich und das Einbrechen sezierender Doktorarbeiten, sozialwissenschaftlich gebleichten Aufklärungsschriften und kulturwissenschaftlichen Buchveröffentlichungen in den offenen Leichnam von Rock und Pop und Subkultur, blieb dann aber auch die Anfangsromantik hinter den internen Richtungsfehden zurück und lassen mich meinen musikalischen Nachtfrieden derzeit bei den TINDERSTICKS, BRYAN FERRY, COUSTEAU, ELEMENT OF CRIME und weiterhin auch DEATH IN JUNE finden.

Die Konservative Avantgarde lebt in kontinuierlichen Langzeit-Projekten wie ALLERSEELEN vorbildlich weiter - der Neofolk jedoch als Ausdruck von etwas, das mehr ist als nur Lagerfeuer-Romantik, ist weitgehend tot, totgeschrieben von Allen, die seine akustischen Signale als den Hitler`schen Herzschlag deuten mussten und tot gespielt von Bands und Interpreten, denen Muse und Kraft fehlte, die innere menschliche Ambivalenz in die nicht für jeden zu bewältigende Grundspannung des Sowohl als Auch zu bringen. Mit der ewigen Entschuldigung, dass man doch eigentlich unpolitisch, gegen rechts und weltoffen ist, verheimlicht diese Entschuldigung nur allzu gerne den fließenden Anschluss in das Ungleichgewicht jener Knechtschaft, die den inneren Frieden, den sie vor allem sich Selbst spendet, aus einer einzigen Zugkraft bezieht. So entsteht auf indirekten Ebenen eine subtilere Mitläuferschaft, die auf keiner Täterschaft hinauslaufend sich die Sogwirkung der Einseitigkeit als die eigene Schubkraft gut schreibt. Wer kann denn wirklich, im Selbstverständnis einer rechten oder linken Einseitigkeit feststeckend, seinen politischen Standpunkt als feststehende Basis seines täglichen Lebens konsequent in den Alltag übersetzen? Ich habe in meiner Jugend sehr viel Beispiele an fester weltanschaulicher Verortung erlebt, die dem Leben auf Alltagsniveau einfach nicht standhalten konnten. Der eingeschworene Gerechtigkeitskämpfer linker Gesinnung mag in seiner Einbildung zwar überall seinen imaginären antifaschistischen Schutzwall aufgeschüttet haben, im toten Winkel privaterer Angelegenheiten jedoch konnte keiner so schnell sich Selbst der Nächste sein wie die Verfechter von Pazifismus, Menschlichkeit und linker politischer Grundeinbildung. Ich habe schon des öfteren irgendwo erwähnt, dass es in Rechts das gleiche ist, mit der zu starken Betonung eigener Aufrichtigkeit, Kameradschaftlichkeit und Vaterlandstreue. Der gemeinsame Nenner unterm Strich jedweder weltanschaulichen Extrem-Verortung schwelgt im Niemandsland des persönlichen Selbstbetruges wie ein künstlich erschaffener Trockeneis-Nebel zur Selbstverheimlichung jedweder tieferen Selbsterkenntnis. Die Sicherheit im Gefühl fester Positionierung und theoretischer Unverrückbarkeit hat durchaus etwas Thronstählernes, sowohl nach links als auch nach rechts oder auch zu einer nur scheinbaren Mitte hin. Es ist das einfachste der Welt, seine Stellung im Eindeutigkeitsbereich zu beziehen und die verleugnete innere Gegenpol-Spannung nach Außen zu entladen. Wir können in Bezug auf das Leben in der dualistischen Erscheinungswelt gemäß Neuem Testament nicht „Diener zweier Herren“ sein,- aber aus seelisch-geistiger Selbstermächtigung heraus Herr zweier Zerrkräfte werden, die wir in uns Selbst, in der Verantwortungskraft des eigenen Ermessens als Plus oder Minus, situationsbedingt ins Weltliche Spiel bringen. Die Unglaubwürdigkeit sowohl der Rock-und Pop-Kultur und auch des Menschlichkeits-Anspruches allgemein basieren auf dem selbst-betrügerischen Sicherheitsgefühl eines festen Verankert-Seins auf der richtigen Seite. Der neue Fanatismus der Menschlichkeit gründet in der gleichen trügerischen Selbstsicherheit wie schon 1791 in Paris. Dort jedoch, wo der innere Zweifel die Herzkammer umschreitet, in dieser inneren Drangsal, werden Kräfte generiert, welche in die Unsicherheits-Bereiche des Lebens spielend die eigenen Standortbestimmungen nicht mehr fest umreißen müssen, um äußere Sicherheit in einer streng definierten Weltanschauung zu finden. Der Vertreter des Sowohl als Auch steht nicht auf einem so statisch mutenden Terrain wie derjenige, der seine strahlende Schein-Selbstsicherheit aus der festen Verankerung seiner Standpunktfestigkeit bezieht.

Dem jugendlichen Leichtsinn, auch und Besonders im Schöpferischen, wünsche ich mehr Spannkraft innerer Ambivalenzen, statt sich zu früh dem allgemeinen Sonnenbad einer Erwachsenen-Selbstgefälligkeit des gesunden Menschenverstandes auszusetzen. Man wird heute zu schnell ansässig in der Vernunft, ohne sich noch den jugendlichen Luxus zu erlauben, auch einem Irrtum zu erliegen oder aus welpenhaftem Übermut in eine Sackgasse zu geraten.

--- Mit dem allmählichen Schwund der Gravitationskräfte des neofolkloristischen Milieus verabschiedeten sich auch viele Erbverwalter der Jünger`schen Betrachtungsweise aus den kulturpolitischen Zusammenhängen, signierten sich selbst die Persilscheine zur freien Überfahrt in die Halbwelt eines Bürgerlichen Anscheins, wähnen sich auf den Marmorklippen und schreiben sich und der Nachwelt das frühere Treiben von DER BLUTHARSCH (nach deren nicht uninteressanter Transformation), dahingehend schön, dass man die einstmalige Martialität der Gruppe zum künstlerischen Ausdruck „maskuliner Überzeichnung“ verklärt, um sich damit selbst auch die eigene Mitläuferschaft als genialen Kunstgriff mit verkaufen zu können, und um nicht doof hinter der Wandlung der Band zurückstehen zu müssen. Und erklärt sich die Berufung des Bandleaders auf den Begriff „Kinky“ im einstmaligen „March Music„ Slogan nicht dahingehend auch, dass hier außer martialischem Ego nichts weiter je gewesen ist ausser „It,s only Rocknroll , but i like it“ ? Aber ist das wirklich noch der Spirit der un-reinen Rocknroll Lehre, den alten Flecktarn-Fans von damals in neuer distanzierender Weise, vor Ort dann die neuen moralischen Leviten lesen zu wollen? Oder gehört das schon wieder in den Abspann eines Rocknroll Schwindels? Wie gesagt – Wir mussten keine Kehrtwende hinlegen, um auch dem kränkelnden Gott des Rock`n`roll seinen Tribut zu zollen. Ich würde aber auch nicht in die Kategorie einer für mich gähnend langweiligen Folklore-Kombo wie JENNERWEIN gehören wollen, die aus sich heraus schon proklamiert, ihrer musizierenden Heimatlichkeit keinen politischen Background untermischen zu wollen. Ja, man hat seine Gemeinsamkeiten, George, Nietzsche, und vielerlei Ansatzpunkte, aber die Langweiligkeit und die Vernunft mit welcher das Grüppchen seine Feingeistigkeit untermauert, ist mir von einer Glut getragen, die sich selber nicht verzehrt, sondern vor Temperamentlosigkeit in sich zu ersticken droht, wenn sie sich an Nietzsches Flamme vergreift. Und ist es nicht schon arg befremdlich seine romantischen Darbietungen vor der Rechts-paranoiden Redaktion des ROLLING STONE Magazins entschuldigen zu müssen, in der irrigen Hoffnung, von diesen etwa verstanden, frei gesprochen oder gar noch gewürdigt zu werden? Der große Unterschied zwischen Gruppen wie Jennerwein und deren musikalischem Vorbild DEATH IN JUNE besteht in einer Haltung gegenüber denen, welchen man weder Rede noch Antwort und schon gar keine Erklärung schuldet. Mich interessieren keine folkloristischen Romantiker, die ihrer dichterischen Heimatlichkeit keine Flanke öffnen für die einbrechenden Gefahrenmomente von öffentlichem Unverständnis und dem Mißverstehen der journalistischen Niederjagd-Gesellschaft. Man muss doch einem der Springer-Presse geschuldeten Musikmagazin mit schwindenden Verkaufszahlen keine Abbitte leisten. Diese Folklore Combo, die sich vor der kritischen Instanz des ROLLINGE STONE so sehr bemühte, sich von den „Vereinahmungen“ Martin Sellners und den Identitären frei zu schreiben, gehören einfach nur zu einer schöngeistigen Neofolk-Klasse, die ihr gekonntes musikalisches Handwerk wie eine Hausmusik betreibt, zu welcher man in Gebirgsbach plätschernder Gefühlsanbindung gemütlich sein Bier trinken kann. Friedrich Nietzsche würde sich bei einem Vortrag von Jennerwein auf ein Blackmetal-Konzert wünschen vor so viel erhabener Langeweile. Keine konservative Avantgarde in solchem Treiben, sondern musikalische Wachtposten-Tätigkeit an den Pforten der eigenen bürgerlichen Existenzen, die es zu verteidigen gibt, um überhaupt etwas verteidigen zu können. Keine Einstiegsdroge, sondern ein Aperitif für das orgiastische Abendmahl, das von anderen exzessiveren Vertretern des tieferen Genres dargeboten wird.

Der ROLLING STONE himself leistet eine vorbildliche Arbeit im Aufarbeiten und weiteren Verwursten der Rocknroll Geschichte, und das war`s. Die deutsche Nachlassverwaltung der internationalen Rock-Historie ist und bleibt Springer-Presse und deren Lohnschreiber gefallen mir am besten in ihrer Rolle als Rocknroll-Archäologen. Man lässt diese Leute für sich arbeiten, aber man erklärt ihnen nicht seine neofolkloristische Unbedarftheit. Der nur vorläufige Gewinner aller Neofolk Schlammschlachten und Stellungskriege ist das stets kampflose, aber ungemein geschäftstüchtige TRISOL Label, dessen oberster Rechnungshof nie eine strategische Gratwanderung hinlegen musste und mir aus der Ferne oder dem, was mir aus seinem Umfeld zugetragen wurde, nur den Eindruck erweckte, seine Neofolk-Handhabe der kulturpolitischen Wetterlage anpassen zu müssen, um erfolgreich mitzumischen. Man musste dort einfach nur schauen, wie stark der politische Stimmungs-Wind gerade für oder gegen DEATH IN JUNE wehte, um seinen Bands entweder zu erlauben oder zu verbieten, mit Death in June oder einer anderen Formation gemeinsam auftreten zu dürfen. In diesen sauberen Folklore Stall ohne allzu völkische Anhaftung würden Jennerwein passen, wenn sie mal wieder aus deutschsprachigem Kulturgut schöpfend ein Comeback in Betracht ziehen sollten. Das Label hat ja auch gute Gruppen am Start und veröffentlicht zweifelsfrei interessante Musik. Abgesehen von den insgeheimen Spitzen einer geistigen Nähe von Richard Leviathan zum Deutschen Widerstand und der Bezugnahme eines begabten Luxemburgers auf Jünger,s „Straßen und Gärten“ will man unauffällig bleiben, ein paar Nischen bedienen, ein paar Mäuse melken, etwas Rahm abschöpfen, vor allem aber Ruhe vor antifaschistischen Windbeuteln haben.

Es bedarf ja als Musikant keiner parteipolitischen Betätigung im beschaulichen Österreich - aber der heimatlichen Verbundenheit einen gewissen politischen Theorie-Background auch zuzugestehen, in welchem sich wurzeln lässt - das betreibt Andreas Gabalier definitiv mutiger. Und ich Selbst muss mir doch im Erdkampf der körperlichen Auseinandersetzungen nicht die Rippen brechen lassen, wenn es mir nicht auch um Politisches gegangen wäre. Und politisch bedeutete mir in meinen Zusammenhängen eben nicht Partei-Politik und nicht einmal ein politischer Machtwechsel, sondern das Stärken oppositioneller politischer Kraftströme und das Einwirken in die Atmosphäre der Popkultur aus meiner angestammten subkulturellen Niederung heraus. Turbulenzen-Erzeugung durch Mit-Anschieben neuer Luftstrom-Verhältnisse, aus welchen sich alles weitere ergibt. Durchmischen politischer Temperatur-Unterschiede, Aufmischen von weltanschaulichem Hoch-und Tiefdruck und Aufwirbeln von geschichtlichem Staub.

VON THRONSTAHL konnten sich ein politisches Anliegen erlauben, weil wir nicht hinter, sondern in unserer faschistoiden Imago mehr Freiheit, mehr Rocknroll und mehr Punk lebten als die ewig gestrigen der heutigen Punkszene oder die Nostalgisten der neuen Rocknroll-Spießerkultur. Wir waren das lebendige Amalgam aus allem. Wir waren rechts, links, hoch,tief, extrem und mittig, deutsch, europäisch, kosmopolitisch und zutiefst galaktisch. Keine Rocknroll-Pharisäer, keine linken Punk-Langeweiler. Wir sagten Deutschland und wir sagten Europa, in Welt- und Kosmos-fühlender Anbindung. Wir waren die konsequente Weiterführung dessen, was für mich Punk und Rocknroll einmal bedeuteten: Freiheitlicher Ausdruck jenseits von Gut und Böse. Und so wie es mit uns über Stock und Stein ging, ist zwischen Stolpern und Verirrung auch alles in diesem Kosmos beinhaltet, was zwangsläufig zum Scheitern führen muss.

Abgesehen von den privaten und menschlichen Kollateralschäden im näheren Umfeld war mir das die Reise inklusive Schiffsbruch schon wert, denn an der Wegkreuzung Anfang der 90er Jahre stehend , wehten die angestaubten Denkverbote der ausgefahrenen linken Spurgeraden bedrohlicher zu mir herüber als ein kurvenreicher Höllentrip durch das so genannte rechte Terrain. Nichts interessierte mich weniger, als in dieser Rockmusik-Betriebsamkeit Dienst nach Vorschrift zu schieben. Ich muss Nichts, was ich tat, als Kunst entschuldigen, sondern erkläre es als meinen eigenartigen Weg zu meinem transpolitischen Verständnis von Politik und zu mir Selbst - einem Gesamt-Selbstverständnis, das sich Summa Summarum aber erst jenseits dessen, was der Name VON THRONSTAHL an Assoziationen dogmatischer Unverrückbarkeit, Trutz und Trotz und geschichtlicher Starrheit in den Raum stellte, mit und nach dem Ende VON THRONSTAHL,s entfalten konnte oder sich nachwirkend noch verstrahlt. Rocknroll alleine kann es nicht sein, worauf sich ein Lifestyle oder ein Leben hin ausrichten lässt. Facettenreichtum tut und macht was Facettenreichtum will, nämlich inneren Reichtum verstrahlen - frei und ungehindert.



Als Punk und alternative Rockmusik in Deutschland aus einer pupertären Staatsfeindlichkeit heraus immer mehr in eine Antifa-Hörigkeit verfiel, hatte ich keine Mühe, von meinen staubigen Cowboy-Boots in gestriegelte Schaftstiefel umzusteigen und mich freier denn je zu fühlen - auch als es eng für mich wurde. Schon 1977 trug ich gerne die auf dem Sperrmüll gefunden Schaftstiefel in glänzendem, eng am Bein anliegendem Schwarz. Meinetwegen um mir Halt zu geben, um die Zerfallserscheinung, als die ich mich innerlich fühlte, von der Basis her bis zur oberen Schienbeingrenze irgendwie zusammenzuhalten, aber auch der Formschönheit wegen, welche den Stiefeln nicht abzusprechen war. Mein stilistisches back to the roots sozusagen. VON THRONSTAHL funktionierte so wie früher einmal Punk-Bands funktionierten und gewährte mir die Bewegungsspielräume und Freiheiten die ich weder mit CIRCLE OF SIG-TIU und am aller wenigsten mit WEISSGLUT hatte . Während VON THRONSTAHL äußerlich apollinisch und innerlich dionysisch betrieben wurde, funktionierten WEISSGLUT abgesehen von meinen dionysischen Ausbrüchen und Ungehörigkeiten nach strikter saturnischer Disziplin und Ordnung. Eine Disziplin, die nicht von mir ausgehend die Band zwar zum Erfolg führen musste, mich aber in eine mir immer unerträglicher werdende Enge manövrierte. VON THRONSTAHL bedeutete die Freiheit des eigenen Tuns in der immer stärker werdenden Unfreiheit von äußerem Druck und öffentlicher Ächtung. Die sich daraus ergebenden Korrosionen zerreiben zwar langfristig auch das Privatleben, bereichern aber das in den Abgrund stürzende Sein mit den Begleiterscheinungen eines Farbenspektrums, das man aus der gemütlichen Rückschau genossen nicht missen möchte in der funkensprühenden Selbstzerstörungs-Lebendigkeit seiner ersten Lebenshälfte.

POPKULTURELLES HALBZEIT INTERMEZZO
Niederschreibend musikalisch unterlegt von „Cherry Lane“ THE DATSUNS“ in Endlosbeschleifung. --- Wer unterwandert den Rocknroll, wer untergräbt und wer mischt einfach nur auf? Uranischer Geist untergräbt nicht - er fährt hinab und bricht auf - oder liegt in seiner zweiten Lebenshälfte gestrandet mit dem Rücken auf einem weichen Bett und liest einmal monatlich als einzig für ihn verbliebene Musikzeitschrift das von der Springer-Presse übernommene ROLLING STONE Magazin, dessen Lektüre mich jedesmal in das Gefühl meines biologischen Alters bringt - nicht der Kontraste wegen von jugendlich mutender Musikkultur und der Zerfalls-Erscheinung, als die man sich jenseits der 50 zu fühlen beginnt, sondern der vertraulichen Altheit wegen, die aus dem Heft heraus atmet wie aus der Totengruft einer Terrakotta-Armee von männlichen Rolling-Stone Abonnenten, die schon mit 30 und 40 Jahren im sicheren Hafen ihrer zweiten Lebenshälfte angekommen wie altersweise 60er wirken. So wie man vor 150 Jahren katholische Hauspostillen gelesen hat, lese ich die Heiligen-Legenden von Musikern, die wie ich in ihren 20er Jahren keine Vorstellung davon hatten, jemals in ein Gefühl eigener Fünfzigjährigkeit zu geraten. Zwar werde ich in den CD-Beilagen immer seltener weder fühlig noch fündig, aber das Heft an sich bleibt lesenswert, mit all den kleinen und großen Ergänzungen aus der Rocknroll Steinzeit, die mir in bereichernder Weise restliche Wissenslücken schließen und musikalische Gefühlsteppiche zu restaurieren versteht. Schlimm jedoch die nun einbrechende Welle großer musikalischer Alterswerke, die im Popradio keine Rolle mehr spielen und auch gar keinen echten Anschluss mehr an die Wirklichkeit des äußeren Lebens finden. Man hält ein Hochglanz Magazin aus dem Springer Verlagshaus in Händen, und kommt in ein alt vertrautes Fanzine Gefühl, weil man zu einer lesenden Minderheit gehört, die noch interessiert, was sich damals in London, zwischen den Yardbirds und Led Zeppelin mit Jimmy Page so abgespielt hat. Man fragt sich, von was diese fleißigen Menschen leben, die dort mit Herzblut und Sachverstand und beeindruckendem schreiberischen Talent der Rock-und Popmusik die letzte Ehre erweisen. Ein Hochglanz Fanzine - vielleicht ein steuerliches Absetzprojekt des Springer Verlagshauses mit kulturförderndem Nebeneffekt, aber eine monatliche Bereicherung, selbst für einen wie mich, der dem politischen Gleichklang der Heft-Journalisten in Pigmenten meiner inneren Farbigkeit soweit auch mit angehört, dass ich jeden meine mikroskopischen Anteile übersteigenden weltanschaulichen Politstuss eines Schreibers sogar genießen kann. Auch die Leserbriefe der Rocknroll-Schriftgelehrten und Musik-Pharisäer enttäuschen die kleinen Erwartungen nicht, welche die Überschriften in mir erwecken. Je mehr das altehrwürdige Spießertum das Zeitliche segnet, desto mehr gefällt mir das von Außen gefühlte Rocknroll-Spießertum. Vielleicht bin ich auch einfach nur glücklich darüber, dass diese Liaison des Rocknroll mit dem Springer Verlagshaus mir angenehmer ist als den Redakteuren, die sich ganz heimlich vielleicht sogar in einer Art Widerstand verortet sehen und sich ungezogen fühlen gegenüber der Springerschen Unternehmens-Großmacht. Was mich traurig berührt am Rocknroll Zirkus, ist nicht mehr die Melancholie, die aus dem Rocknroll Urgrund noch zu mir aufatmet, wenn alte Stücke mich wieder berühren, sondern die befremdlich mutende Tatsache, das die mit höchster Aufmerksamkeit bedachten neuen Alben unserer Altvorderen im Vollzug ihrer Veröffentlichung schon nur noch für die Enzyklopädie und die Gruft der Terrakotta Armee all der lebendigen Toten bestimmt sind, von denen sich jeder Einzelne Zuhause damit abfinden muss, dass die Platte die er gerade auflegt, weitgehend unter Ausschluß der musikalischen Geschichtsschreibung rotiert. Der Zeitgeist versteht das alles nur noch im Sinne von Memoiren. Nichts, was die alten Helden von damals noch veröffentlichen, hat mehr Erweckungs-Charakter, nichts an deren neuerer hervorragender Musik fließt mehr ins Dasein des alternden Hörers ein, weil wir im Grunde schon abgeschlossen sind. Wohin aber mit dem berechtigten Weltruhm, dem Status der Unsterblichkeit und den Tatsachen, das Bruce Springsteen, Paul Mc Cartney, The Who oder Jeff Lynn ein vielleicht vorletztes grandioses Alterswerk veröffentlicht haben, wenn das Pop Radio für die zum Supermarkt fahrenden Rentner in zig jähriger Verlässlichkeit nur noch „ I was made vor Loving you “ in den Äther stößt, weil man im Radio glaubt, nur noch spielen zu müssen, was wir aus unseren besseren Tagen und Nächten noch kennen. Aber was sagt uns der ewige KISS Schlager über die Qualitäten jener Tage und Nächte aus, in welchen „I was made vor Loving you“ das jugendliche Lebensgefühl umspülte?

Das neueste von Bob Dylan, Nick Cave, Robert Forster etc. spielt sich alles nur noch Zuhause und auf der eigenen Zusammenstellung im Auto ab. Aber nichts mehr davon bewegt mehr den Lauf der Welt, wie es früher einmal der Fall war, als die Erde sich durch das hören frischer Musik im Radio in ihrer Drehung beschleunigte oder still stand vor dem innerem angesprungen sein durch eine meist anspruchslos daher kommenden Pop und Rock Komposition, wie in einer Hochspannungs-Entladung. Es ist vorbei. Rockmusik ist zu Ende - so wie unser altes Leben mit 50 plötzlich zu Ende war. Joe Strummer starb pünktlich zu seinem und zu unseren noch ausstehenden oder schon vollzogenen 50sten Geburts-und Sterbetagen. Der Gott des Rocknroll höchstselbst musste verhindern, das Strummer und Jones nach 5 prägenden Ewigkeits Jahren mit THE CLASH sich noch einmal gemeinsam an eine Spätanknüpfung wagen, weil der Backkatalog von THE CLASH inklusive „CUT THE CRAP“ einfach nicht mehr zu überbieten ist, weil der Prägefaktor nicht mehr gegeben war, weil es nur noch gute Musik geworden wäre, bestes Handwerk. Aber genau darum geht es nicht. Musik alleine für sich ist es nicht!

Was ich außer meiner liebgewonnenen Musik an aktuellen Veröffentlichungen noch hören möchte, sind moderne Totenmessen so wie David Bowie sie mit Blackstar pünktlich zum eigenen Ableben vorgelegt hatte. Nach Mozart,s Requiem auf sich Selbst, der vermutlich leuchtenste schwarze Toten-Stern der Popmusik am Firmament einer sterbenden Rocknroll-Kultur, die nur deswegen stirbt, damit wir nicht alleine sterben. Wir wurden mit ihr geboren und wir gehen mit ihr unter. Im Rampenlicht der Gegenwart stehen bleibt nur noch die Erbengemeinschaft all dessen, was Punk und Rock und Beat einmal war und nicht mehr ist. Langfristig überleben werden die Handwerker des Hardrock und die Virtuosen der Heavy Metal-Gesamtschule, die rechtzeitig vom dunklen Weg abkommend ihren musikalischen Wehr-Ersatzdienst als Backing Band für deutsche Schlagerinterpreten ableisten - mit unter der Gürtellinie hängenden Gitarren und Rockstar-Posen aus der Dinosaurierzeit des Rocknroll. Großartig war es im Fernsehen von Entertainern unterhalten zu werden, die das Gegenteil von Allem waren, was Rocknroll bedeutete. Peter Alexander der Große strahlte in seiner deutlichen Abgrenzung zu allem was Rock war. Vor dem Rocknroll jedoch starb die Rebellion. Jede Ära gebiert ihr eigenes Stigma. Homosexuell zu sein oder eine dunkle Hautfarbe zu haben, sexuelle Freizügigkeit oder geschlechtliche Orientierungslosigkeit, Gleichberechtigungskampf und Drogenkonsum - das hat doch die Phase von Ausgrenzung und Diskriminierung längst hinter sich gelassen und ist doch alles zu Mainstream-Stärke geschmolzener gelber Schnee von Gestern. Selbst der unterirdischste Black Metal, im Spiel seiner extremen Zentrifugalkraft wäscht und schleudert auch die schwärzesten Schafe irgendwann in die Verdauungstrakte einer Mainstream-Wohlgefälligkeit hinab. Rebellion und Außenseitertum wird durchlaufen, durchlebt und durchfahren. Wer dort hängen bleibt und still steht, verendet noch vor seinem körperlichen Tod. Transformation ist der Weg. Es sind nicht mehr die Revolutionen, die ihre ungezogenen Kinder fressen, es ist der Mainstream, der alles in sich einsaugt, was irgendwie verköstigt werden kann in seiner peripheren Absonderlichkeit. Und es sind die Haifischmäuler der Werbung, die das zeitliche Ende jeder Avantgarde einläuten. Nur noch Rentner reden davon, das Haus zu rocken, während junge Menschen ihrem Wunsch, Rockmusiker zu werden, erst einmal die abgeschlossene Berufsausbildung voran setzen. Wer bis in die 80er Jahre hinein vom Punk kommend eine elektrische Gitarre zum Proberaum getragen hat, für den gab es (zumindest in meinem Umfeld) erst mal keinen Plan B, und auch keinen Gedanken an einen Bausparvertrag - aber auch nur selten diesen stringenten Ehrgeiz, wirklich erfolgreich werden zu müssen.

Befremdlicher als die Tatsache, sich einfach nur Ausdruck zu verschaffen, ob nun aus künstlerischem oder dilettantischem Antrieb heraus, erscheint mir die Tatsache, dass eine junge Band der Gegenwart mit den heutigen Infrastrukturen gar nicht mehr anders kann, als erfolgreich zu werden. Es ist kaum mehr möglich, nicht erfolgreich zu sein, weil alles im Fluss ist, und nicht einmal mehr beim komponieren etwas schief laufen kann. Die Problematik ist nicht mehr, welche von den unzähligen Spermien das Ei befruchtet, sondern wieviel musizierende Masse durch den Geburtskanal in die Charts gepresst werden kann. Die Zeugungsfähigkeit war nie höher als Jetzt. Und die Sterberaten sind so niedrig. Zwei Beatles sind noch übrig, zwei von The Who. Wo jetzt noch Bandmitglieder sterben, ist dann bitte Schluss. Auch Queen Konzerte ohne Freddie Mercury bitte nicht mehr, auch kein sonstiges Reeanactment. Reunions sind ab sofort verboten. Wer seine Band noch zusammen hat und über 50 ist , bitte auf Abschiedstournee mit Orchesterbegleitung - als Reminiszenz an die heimlich winkende Bürgerlichkeit. Das ist dann die Endzeit Besetzung, wenn einem nicht mehr einfällt, als es dem ganzen Material, welches über Jahrzehnte hinweg für Stromgitarren komponiert wurde, nochmal von hinten zu besorgen, in heuschreckenartig bestuhlter Streichinstrumentierung. Wo 60jährige in der Leugnung ihrer Disco-Vergangenheit den Eindruck erwecken müssen, nie anders als ACDC gewesen zu sein, und der Antichrist, der selbst lieber von Helene Fischer besessen wäre, sich im Körper von Marylin Manson gefangen wähnt, da ist mit dem Pfefferminz Experiment von Marius Müller-Westernhagen alles zu Ende, was uns in der Echtzeit unserer verschwendeten Jugend als nicht fühlbares Ewigkeitsgefühl mahnend zu umschleichen suchte wie ein verschwiegenes Menetekel an den gefliesten Wänden unserer goldenen Resonanzkörperlichkeit.

„ All this bullshit about rebels and all that crap-they,re all establishment and complying all the time. All these so-called rebels,rock & roll bullshit-they,r all conformists...“
(Van Morrison , RS Interview 2016)

Weiter im Text -mit alternativem Musikjournalismus der löblichen Art. Die rettenden Kavallerien, die im ambivalenten Musik-und Kultursektor nach Deutschland durchbrechen, können uns nur aus Österreich oder der ehemaligen DDR kommend bisweilen den Arsch retten. Clemens Marschall wertet den durch Moralinsäure so schändlich herunter gekommenen kritischen Journalismus durch eine ungewohnt ehrliche Herangehensweise derart auf, dass ich in einem einzigen Schwalbenflug schon wieder geneigt bin, den Sommer einer journalistischen Renaissance echter Wirklichkeits-Suche zu fühlen.

www.musicaustria.at/nazi-symbolik-in-der-popularmusik/


Eine hingegen geradezu grauenhaft harmonische Liaison ist die Rocknroll-Springer-Presse mit dem möglicherweise von Faschismus-Paranoia getriebenen Musik-Journalisten Jens Balzer für das Rolling Stone Magazin eingegangen. Balzer, der sich zuvor schon im alten Kielwasser sich seit Ewigkeiten wiederholender Rammstein-Kritik seinen Freischwimmer für anklagenden Musikjournalismus erschrieben hatte, wartete nun in einer Rolling Stone Ausgabe (Nr. 295, Mai 2019) mit einem Artikel auf, der zwischen vorsätzlich mutender Verlogenheit und journalistischer Beschneidung der Wirklichkeit pendelnd dem Nazismus und Faschismus im Londoner Punkrock der ersten Stunden auf die Spur gekommen sein wollte und außer seiner zum Teil falsch abgeschriebenen Flickschusterei nicht nur nichts Neues, sondern auch reichlich Verkehrtes zu Tage förderte. Auslassungen und Bruchstückhaftes zitieren als Stilmittel antifaschistischen Aufbegehrens für eine bessere Welt und mehr Verantwortungsbewusstsein in der zu begradigenden Musikkultur. Nicht mal über die Faschismus Faszination David Bowies aus seinen Koks befeuerten Tagen und Nächten als Thin white Duke erfahren wir mehr, als das Internet hergibt. Richtiggehend hirnrissig wird es dann aber durch Balzer,s Eintauchen in den Punk der zu Ende gehenden 70er Jahre. Statt sowohl die Geschichte von „LOVE IN A VOID“ von SIOUXSIE & THE BANSHEES als auch die des „BELSEN“ Songs von den SEX PISTOLS so zu Ende zu erzählen, wie es der Wirklichkeit entspricht, konstruiert Balzer - ob nun auf Basis gezielter Weglassung oder Ignoranz - ein reißerisches Nazi-Punk Zerrbild, wie es der damaligen Wirklichkeit in England trotz der Provokationen von Sid Vicious so nicht entsprach. Das Balzer „Love in a Void“ der Debüt LP „THE SCREAM“ unterschiebt, ist wohl dem Umstand geschuldet, das er das Genre einfach nicht kennt. Der Song wurde auch nie mit der von Balzer beanstandenden antisemitischen Textzeile „ Too many jews for my liking“ veröffentlicht, sondern stattdessen mit „Too many bigots for my liking“ und zwar als B-Seite der Single „Mittageisen“, dessen Coverartwork von John Heartfield ( jüdisch: Helmut Herzfeld ) in Zusammenhang mit dem gleichfalls antifaschistischen Text der A. Seite über jeden nazistischen Vorwurf erhaben ist. Balzer scheint auch in Bezug auf das „Belsen“ Lied der Pistols kein Interesse an der unmissverständlichen textlichen Auflösung des Titels gehabt zu haben, welche Johnny Rotten dem Song sowohl live als auch auf Tonträger einst verpasste.

Außer das hier jemand in einer Art journalistischem Freistil die perfekte antifaschistische Mainstreamwelle reitet, erfahren wir nichts, was den Rockbetrieb noch verstören könnte. Es ist einfach nur sicher, und auch ein wenig lukrativ, den Teufel, der man selber nicht sein möchte, denen, die es auch nicht sein wollen, in ein Buch zu projizieren, welches der Autor ja auch verkauft sehen möchte.

„...Aber es gibt eine direkte historische Linie, die vom Thin White Duke über die Sex Pistols bis zu Beate Zschäpe führt .“ (Jens Balzer)

Was für ein Stuss! Als ließe sich solch eine „direkte historische Linie“ nicht auch von Drafi Deutschers „Marmorstein und Eisen bricht!“ zu Gudrun Ensslin nach Stammheim zurechtschustern?“ Es mag Balzers später Geburt geschuldet sein, das er dem Punk in England nur in archäologischer Detektivarbeit nachspüren kann, ohne den Zeitgeist der entscheidenden Jahre bewusst geatmet zu haben. Aussehen wie zu einer Neuverfilmung von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ bestellt und dann über „Verantwortung in der Rockmusik“ schreiben müssen, um solidarischen Anklang und anerkennenden Applaus in der Theater-und Medienschickeria zu ernten, und dann seiner Feuilleton Gefälligkeit auch noch eine Independent-Aura verleihen wollen, das hat sowohl etwas Fremd-als auch etwas Selbstbetrügerisches. Wenn man sein für Rowohlt verwurstetes „wildes Jahrzehnt“ selbst wohl eher am Hotspot der eigenen Playmobil-Ritterburg verbracht hat, statt in den Locations, in welchen damals der Bär tanzte, dann wirkt sich die zeitliche Distanz zum Geschehen von Damals in etwa so unstimmig aus wie 1977 der geistige Abstand eines SPIEGEL Journalisten am Puls von Punk in London. Es reicht nicht den Puls nachzuspüren - man muss ihm auch zeitlich verbunden sein. Die Balzersche Musik-Archäologie ist auf schnelle Oberflächentauglichkeit gebürstet. Wie schwummerand würde es dem von Nazi-Punk Paranoia getriebenen Reporter Jahrgang 69 etwa im journalistischen Umgang mit Mensi Mensforth und den ANGELIC UPSTARTS werden, vor deren schillerndem Gesamtpaket von Haltung, Musik und politischem Selbstverständnis in deren Frühzeit von 1977-1982. Man muss den allgemeinen Punk-Gebrauch von NS Insignien oder Bandnamen mit NS-Anleihen besonders in England aus seinem provokanten Abgrenzungs-Begehren zur Hippi Kultur und zum Establishment heraus verstehen. Mensi Mensforth als hochintelligenter Vertreter der linken Arbeiterklasse verpasste dem anfänglich faschistoiden Dresscode der ANGELIC UPSTARTS zwar tatsächlich Armbinden der Hitlerjugend, verstand sich als Fan von THE CLASH aber gleichzeitig links, betonte aber auch sehr stark seinen englischen Patriotismus und ließ es sich als überzeugter Anti-Rassist auch nicht nehmen Schwarze (und Weisse) textlich und in seiner Umgangssprache als „Black Nigger, White Nigger“ zu bezeichnen. Auf den modernen Rock-und Punk Archäologen muss das alles verstörend wirken vor der unumstrittenen Tatsache, dass Mensforth als sozialistischer Linker und Anti-Nazist eine hohe Achtung genießt. Dennoch dürfte der ein oder andere linksextreme Jungspund beim systematischen Durchhören des Back-Kataloges seinen Lauschohren und Spähaugen nicht trauen in der Auseinandersetzung mit „LONLEY MEN OF SPANDAU“ - einem solidarisch musikalischen Begnadigungswunsch für Rudolf Hess von der 1980 erschienenen LP „We Gotta get out of this Place“. Reichlich aus dem Häuschen geraten dürften heranwachsende Hardcore Linke oder zur Mitte des Lebens sich neigende Journalisten aber auch bzgl. eines der interessantesten und mutigsten Interviews, welches ich je von einem zur marxistisch-leninistischen Weltsicht neigenden Musiker gelesen habe.

https://www.punk77.co.uk/groups/angelicupstartshistory2.htm


Mensi, damals noch in der vollen Kraft seiner die scharfen schwarz-weiss Kontraste des Lebens leugnenden Authentizität und auf Basis gleicher politischer Anliegen, weder an Kritik zu SOCIALIST WORKERS PARTY noch an ROCK AGAINST RACISM sparend, und, statt in Antifa- und Terroristen Manier das Sterben junger Soldaten verhöhnend, diesen ein Lied widmend. „Last Night another Soldier“. Sehr beachtenswert auch das folkloristisch patriotische „England“ mit alternativem Nationalhymnen-Charakter. Nichts von England muss sterben, nichts von nationalem Selbsthass, sondern getragen von heimatliebendem unchauvinistischem Nationalstolz einer Nation, die zwar zu den offiziellen Gewinnern des zweiten Weltkriegs zählte, bis heute aber wie die heimlichen Verlierer nicht nur ihres einstigen Seemachts Status wirken. Man beachte im obigem Interview Mensis freie realistische Rede bzgl. Nationalstolz, Rassismusvorwürfen, schwarzem Rassismus und dem Verständnis für Enoch Powell, dessen prophetisch intelligente Rede vom 20. April 1968, von kritischen Journalisten seit über 50 Jahren als „Rivers of Blood Speech“ tituliert, weder Untragbares oder gar Bösartiges beinhaltet. Das muss ich Mensforth persönlich hoch anrechnen, diesen vorausschauenden Ausnahme-Konservativen richtig verstanden und ihn bezüglich der üblichen Rassismus Vorwürfe mutig verteidigt zu haben. Das alles muss den spät Geborenen und dem Typus des journalistischen Aufklärers irritierend, chaotisch und schwer nachvollziehbar muten, wäre im Grunde aber leicht zu verstehen, wenn denn der Mut gegeben wäre, den Primitivismus des schwarz/weiss Denkens zu überwinden. Man predigt die Überwindung der Hautfarben-Unterschiede, feiert das plakative Bunt als den Erlösungsweg der Menschheit und verkennt die Gefahr der farbenfrohen Oberflächenverhaftung, wenn dem Menschen nicht zugestanden wird, auch die gerne verleugneten Graubereiche seiner Natur lebendig werden zu lassen. Hinter jeder sozialutopistischen Farbenfreudigkeits-Propaganda läuft das Kontrastprogramm eines öden schwarzweiss-Filmstreifens ohne Tiefe, ohne Grau ohne Leben. Weshalb ich im Sinne Powell,s und frei nach Vergil wie folgt befinde:
I seem to see the river tiber foaming with too much colour!
Wie allgemein bekannt ist , geriet Powells River of Blood-Rede ja erst im Aufpeitschen der Stimmung durch Eric Clapton zu rassistisch mutender Berühmtheit, als dieser in seiner Konzert-Ansprache in Birmingham 1976 in angetrunkener Weise zum Support von Enoch Powell aufrief, dazu aber den Rauswurf aller Fremden forderte und den „Keep Britain White „Slogan der National Front ins Publikum posaunte. Somit wurde die eigentliche Unvereinbarkeit des politischen Selbstverständnisses von Enoch Powell mit der National Front durch Clapton zur willkommenen Steilvorlage der politischen Linken, welche Clapton, die National Front und Powell fortan so erfolgreich über den gleichen rassistischen Kamm scheren konnten, dass selbst eine popkulturelle Spätgeburt wie die grausige Phoebe Bridgers unsere verehrte Yardbirds Legende, trotz seines dunkel pigmentierten Umfeldes und einer den damaligen Umständen entsprechend vor zwei Jahren noch glaubhaft geäußerten Teilreue, unbedingt als Rassisten betrachten möchte. Die Wahrnehmung solcher jungen Musikantinnen, die ja ihresgleichen im Weltanschaulichen nicht suchen müssen, weil sie Legion sind, ändert sich mitunter erst dann, wenn ihnen, wie im Falle von Claptons Freundin 1976 in Birmingham, ein triebiger Migrant an die hauseigene Wäsche geht. Als von Alkohol und Kokain befeuerter Musiker mit Herz und Leidenschaft für die eigene Lebensgefährtin, liegt es doch schon in der Natur der in mir wirkenden Treibstoffe, das ich mir in Anbetracht solch eines sexuellen Übergriffes mit Migrationshintergrund dann auch Luft mache. Und nichts Anderes tat er. Die Geschmacklosigkeit von Phopie Bridgers basiert auf einer derzeit grassierenden zeitgeistigen Unart, die eigene spätpubertäre Sichtweise zum Maßstab der rückwirkenden Geschichtsbetrachtung zu erheben. Oben auf in der Antifa-Spielzeug Kiste liegt neben der Nazi-Keule immer die Rassismus-Rassel, die jeder spätpubertäre Schauspieler, Künstler und Musiker eine Zeit lang gerüttelt haben muss, um auf der Erfolgsleiter stehend auf sich aufmerksam zu machen. Vor Eric Clapton aber erhebt sich in schützender Weise eine afroamerikanische Flagschiff-Armada musikalischer Vorbilder und Blues Veteranen, welchen die spastischen Anschuldigungen solcher Jungtiere das gleiche erhabene Lächeln abringt wie die unterirdischen Beleidigungen einer in waschechtem rassistischem Fruchtwasser gebadeten Mississippi Jugendvertretung weissester Abstammung.

EINE RHEIN-ROMANTISCHE BLUTFLUß-PHANTASIE
Nicht ganz nach dem Vorbild der Powellschen „Rivers of Blood“ Deutung verlief Mitte der 80er Jahre eine kleine Lügen-Presse Erfahrung in eigener Angelegenheit. Im Zuge einer punkigen Chaos-Tage Veranstaltung in Bingen am Rhein, welche auf ein Winzerfest Wochenende fallen sollte, legte ich mich damals mit einem unter rotem Mützen-Stern operierendem Polit-Agitator linker Zugehörigkeit dahingehend an, dass ich ihm garantierte, ihn persönlich zur handfesten Rechenschaft zu ziehen, falls es in meiner Stadt zu der für das Wochenende angekündigten Punk Invasion zu den von ihm erhofften Zerstörungen und Tumulten kommen würde. Zwischen den Organisatoren des Chaos und städtischen Behörden stehend, versuchte ich der Stadt einen deeskalierenden Plan schmackhaft zu machen, indem ich den Vorschlag machte, den nicht mehr aufzuhaltenden Truppenbewegungen der Punker in die Innenstadt ein alternatives Auffanggebiet mit Bühne, PA-Anlage und günstigen Verköstigungsmöglichkeiten außerhalb der Winzerfest-Örtlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Um die Geschäftsleute in Bingen als Druckverstärker auf die Entscheidungsträger im Rathaus für meine Idee zu mobilisieren,verteilte ich Flugblätter an jene im Brennpunkt liegenden Geschäfte, welche um ihre Schaufensterscheiben fürchten könnten und erklärte darin meine Idee, die zu Vollsuff und Randale neigenden Punker Horden in eine Art Konzentrations-Ferien-Lager umzuleiten. Ich klärte darüber auf, dass zur weiteren Verschärfung der zu erwartenden Situation vor Ort nicht nur externe Polizeikräfte mit anrücken würden, sondern sich zur Rettung der Stadt auch Rockergruppen angekündigt hätten, und sich ungünstigstenfalls somit vier Gruppierungen gegenüberstehen würden: Punker, Rocker, Polizei und wehrfreudige Weinfreunde. Ich schloss meinen Aufruf zur Unterstützung meines Alternativplans mit der schriftlichen Hoffnung, dass doch Wein statt Blut fließen möge. Die örtliche Presse jedoch verkehrte die schriftliche Darlegung meiner Idee zu einer Drohung mit der Schlagzeile : „BLUT STATT WEIN SOLL FLIEßEN !“

Ich kann die Entstehung des rechten Kampfbegriffes „Lügenpresse“ sehr gut nachvollziehen. Die nuttenhafte Aura, welche die freie Presse sich nur unweit nach 1848 hierzulande hat angedeihen lassen in ihrer immer schräger werdenden Freiheitlichkeit, hat die Hässlichkeit ihres opportunistischen Wesens ja schon im nachrevolutionären Frankreich als Stilblüten-Bouquet der Erbärmlichkeit zum Besten gegeben, als Napoleon sich aus dem Exil von Elba kommend auf Paris und seine Hundert Tage Herrschaft zubewegte. Das Netz gibt als ersten Rezitator der dem Pariser LE MONITEUR zugeschriebenen Stilblüte den Historiker Jewgeni Wiktorowitsch Tarle aus einem 1930 erschienen Werk über Napoleon an. Ich selbst meine mich zu erinnern, darüber bei Chateaubriand gelesen zu haben, was ich aber nicht beschwören würde.

28.Februar: Der Menschenfresser ist aus seinem Versteck gekommen.
7.März: Der korsische Unhold ist gerade am Golf von Juan gelandet.
9.März: Der Tiger kam bis nach Gap.
11.März: Das Monster hat in Grenoble geschlafen.
16.März: Der Tyrann durchquerte Lyon.
17.März: Der Usurpator befindet sich 60 Meilen vor der Hauptstadt.
18. März: Bonaparte macht große Fortschritte,wird aber niemals bis Paris kommen.
19.März: Napoleon wird morgen vor unseren Stadtmauern sein.
20. März: Der Kaiser kam in Fontainebleu an.
21. März: Seine kaiserliche Majestät traf gestern im Chateau des Tuileries inmitten seiner treuen Untertanen an.

Eine journalistische Stilblüte zur Untermalung der Tatsache, wie sehr die vierte Gewalt im Selbstverständnis des Westens im Kielwasser bestehender Machtverhältnisse textet und schwimmt. Noch immer finden die rituellen Beschneidungen der Wirklichkeit am „stärksten“ im Mainstream statt - das Beschneidungsbesteck ist in einer mutierten Art Freiwilliger Selbstkontrolle entweder schon im Selbstverständnis des Journalisten verankert oder von oben herab zur operativen „Begradigung“ komplexerer Angelegenheiten in ungeschriebener Gesetzmäßigkeit verordnet. Was naturgemäß nicht passt, wird passend gemacht. Die journalistischen Abstriche, welche um der besseren Nachrichten Aufnahme und Verdaulichkeit der zu bedienenden Klientel in einer Art moralischer Zwangshandlung dabei gemacht werden müssen, sind Programm und fallen als Wirklichkeits-Verschnitt unter den Tisch bzw. in den Papierkorb jener Pressefreiheit, die sich nebenher auch noch das klerikal mutende Recht nimmt, ihren Journalismus wie einen das Menschheitsniveau hebenden Exorzismus zu betreiben. Industrieller Hochseefischerei-Journalismus - aus den vergleichsweisen Kabeljau Fangmassen der Wirklichkeit - wie aus einem Fliegenden Holländer-Unfrieden des Seins heraus, Fischstäbchen Realitäten produzierend und dem Dahintreiben der Welt in der Spukhaftigkeit der eigenen gespenstischen Wahrnehmung beikommen wollend.



Viele überlebende Punk-Veteranen der Erlebnis-Spanne 1977-1983 werden mir aus eigener Erfahrung beipflichten, wie verzerrend und die Wirklichkeit verfremdend die Journalisten dem Phänomen Punk damals beizukommen versuchten. Nicht das, was wir sagten, interessierte die Presse, sondern wie das, was gesagt wurde, sich am Ende so darstellen lässt, wie es in das Bild dessen passt, was der Journalist für sich selbst und zur Fütterung der Leserschaft transportieren wollte. Und diese Vertreter der bis in die Lügenhaftigkeit reichenden Wirklichkeitsverzerrungen waren selten nur die alten Hasen der Nachkriegsberichterstattung, sondern die im geistigen Kielwasser der Weltrevolution nachziehenden Presse Volontäre rötlicher Gesinnung, von welchen man eine gewisse Zeit lang noch hätte annehmen können, dass deren eigene Erfahrung mit der hetzerischen Springerpresse von damals sie später einmal ganz selbstverständlich zu einer realistischeren Wirklichkeits-Darstellung verpflichten würde. Als Lohnschreiberlinge des Mainstream jedoch gerieten sie in die Verlegenheit ihre Darstellungen der Wirklichkeit, im Abgleich mit eben den ungeschriebenen Gesetzmäßigkeiten vorherrschender Notwendigkeiten betreiben zu müssen. Die Krankheiten der Journalistik sind nicht degenerativer Natur, nicht ihrem fortschreitenden Alter geschuldet, sondern verschleppte Kinderkrankheiten einer Freiheit nach 1848, begleitet von den bakteriellen Anhaftungen moralischen Aufbegehrens zur Verbesserung der Welt. Das selbst anspruchsvollere Feuilletonisten sich bisweilen zu journalistischen Trickbetrügereien herab lassen müssen, durch eben die von der Windrichtung verordneten Verzerrungen, Auslassungen und vorzunehmenden Begradigungen, steht mehr in der Tradition journalistischer Planwirtschaft und verweht die Spuren zu einem verantwortungsvolleren Gebrauch jener Pressefreiheit, von welcher man nicht mehr den Eindruck hat, das sie einmal hart erkämpft werden musste.

Journalistische Stricherszene
Ein neuer Offenbarungs-Journalismus nach uralter innerer Steinzeit Gesetzgebung. Ein sich immer wieder neu erfindener Menschentyp, mit der Ambition, Andere gegebenenfalls auch um Kopf und Kragen zu schreiben,im Unfehlbarkeits-Selbstgefühl ihrer vierten Machthaftigkeit. Schreibtischtäter nach den charakterlichen Vorbildern schwindsüchtiger Bahnhofs-Stricher im rauschhaften Vollzug ihrer verbalen Beschaffungskriminalismen, sich durch das in den Laptop zu bringende Tagespensum mogelnd und sich das mediale Übermachts-Gefilde als Widerstandsnest und Bastion innerer Aufrichtigkeit schön fühlend, in der eigenen sich selbst gegenüber verheimlichten Schrecklichkeit der expressiven Vergewaltigungen an Sachverhalten und im weiteren Mißbrauch einer zwangsprostituierten Pressefreiheit nach 1945. Von einer Nazi-Propaganda Nuttenhaftigkeit sofort ins demokratische wechselnd, die immer noch gespreizten Beine in einer Art Kinderlähmung der informativen Beckenpartie offen für die neuen Kunden der freien Marktwirtschaft. Heimliches journalistisches Madentum, sich in die Fragwürdigkeits-Bögen der Gegenwart einfühlend wie Fleischgewürm. Die inneren Messwerte der eigenen verleugneten Verkommenheit anderen in den Befundbogen notierend, wie Beobachtungsresultate einer äußersten Wirklichkeit von welchen der Leser sich erschreckt fühlen soll wie in einem Nervenkitzel spannenden Unterhalten Seins bei gleichzeitiger Betroffenheit gegenüber dem aufziehenden Grauen all der Schatten die sich in künstlich angeschobenen Umwälzprozessen vorauswerfen wie der zähe graue Teig einer teuflischen Rezeptur aus den Hexenküchen weltpolitischer Niedertrachten. Wie eine medial betriebene Sensations-Pädophilie zwischen Kinderkreuzzug, Thunberg,scher Selbtverbrennung und einer Weltverbesserungspornographie freakiger Menschlichkeitsvarianten nach freier Wahl. In diese Finsternis einbrechend das taghelle Sonnenlichtmassaker in der reflektierten Augenspiegelung von Julien Assange, auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London,- einen Sonnensturm ausgießend über die Menschlichkeits Hemnisphäre westlicher Verlogenheit. Öffentlich rechtliche Magengrubendrehung,- das Kamera Brennglas lieber in Richtung schauspielerischer Gewissenhaftigkeit deutscher TV-Prominenz schwenkend. Wie ein modern inszeniertes Selbsterschießungs-Kommando, oder nur das verzerrte Selbstgerechtigkeits-Tribunal einer gleichgeschalteten Betroffenheits Jury in solidarischen Einheits-Klageton beim Verlesen empfangener Hass Mails zum generieren künstlicher Gefühle inneren Exilantentums. Sich selbst in geistige Tuchfühlung zu Thomas Mann spielend, in einer Klagemauer Mimik kunstgeschichtlicher Bedeutsamkeit. So etwas wie ein Kniefall Willy Brandt,s in Warschau, auf Podiumshöhe mit heimlicher Aussicht auf einen Grimmepreis. Und nach der Darbietung hinter den Kulissen all der Bedrohlichkeit die an das tiefe Betroffensein gläubiger Abnehmer appelliert,-ein ungezwungenes Beisammensein unter Freunden und Gleichgesinnten,-wie zu einer heimlichen TÜV-Abnahme in gegenseitiger Beweihräucherung schauspielernder Vorbildlichkeiten im künstlichen Abziehbildersturm einer Zeit in der die inneren Sicherheitsdienste das Menschenmöglichste leisten zur Aufrechterhaltung der bedrohten Fassadenstabilität. Mehr ist es nicht,- als dieser nach dem Endsieg schielende Kampf um den Erhalt der Kulissen,- in welchen das trügerische Hohelied der Menschlichkeit nach 1945 unentwegt zur Aufführung kommen muss, wie in einem pausenlosen Passionsspiel des guten Gewissens auf den Calvarienhügeln unserer mißglückten Selbsterlösung von allen Übeln.


WIKI UND DIE „STARKEN“ MÄNNER ?

Wenden wir uns nun jenen digitalen Gefilden zu, in deren von enzyklopädischer Wissenschaftlichkeit getragenem Anspruch, sich ein Haufen verdammt armer Seelen „im Sinne der guten Sache“, ein Betätigungsfeld erschlichen hat, von welchem der intellektuelle Stubenhocker des Analogzeitalters bei Fingerkribbeln im Absitzen seiner Lebenszeit nur hätte träumen können. Über einen Zeitraum von knapp 15 Jahren hat sich aus menschlicher Ursubstanz heraus eine schreibwütig neue Spezies entwickelt, der man noch mal gut 5 Jahre geben muss, bis sie sich selber auch enzyklopädisch zu definieren und akribisch zu beschreiben beginnt in der Insektenhaftigkeit ihres digitalen Strebertums und im freiwilligen Drang zu ewiger Homeoffice-Einzelwesen-Betriebsamkeit in unbezahlt ehrenamtlicher Freizeitbetätigung. Wie ein kleines Ameisenvölkchen in digitalem Vernetzungsaustausch - unsichtbar füreinander, aber „im Sinne der guten Sache“ etwas Gemeinsames bildend, das größer ist als die stechfliegenhafte Nervtöter-Substanz jedes Einzelnen. Ein Schwarm von Gleichgesinnten im Informations- und datenverarbeitenden Dienst an der Menschheit und dem eigenen Ego. Hirnkapazität, angereichertes Sitzfleisch und ein Ameisenkribbeln in den an zurückgebildeten Tyrannosaurus-Rex-Ärmchen hängenden Fingern, das Tages-und Nachtpensum in die Tastatur tupfend, beim nebenher-Verzehr von Fastfood und koffeinhaltigen Säften. Das ist eine andere Spezies als der hirnlose Spielkonsolen-Zombie in Massenmenschhaltung.

WIKIPEDIA hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung die beinahe schon göttlich mutende Aura einer wissenschaftlich fundierten Glaubwürdigkeit so großen Ausmaßes erschaffen, das ein hinter der gigantischen Wikipedia-Kulisse ehrenamtlich tätiges Menschlein, die fortschreitende Ausdehnung dieses von fleißigen Geistern gewirkten enzyklopädischen Wunders im Handumdrehen auch im Empfinden des eigenen Bedeutsamkeitswachstums betreiben kann. Bedenklich im psychopathologischen Sinne wird der dahinter wirkende Ehrgeiz aber erst dann,wenn das Ganze in kompensatorischer oder gar überkompensatorischer Weise über den Ehrgeiz hinaus noch mit sinnstiftend missionarischem Über-Eifer betrieben wird.

Wir müssen hier aber zu unterscheiden lernen, zwischen jenen Tätigen, welche Familie und Beruf unter einen zeitlichen Hut bringend gelegentlich noch einen Wiki-Beitrag leisten, der eine wirklich wissenschaftliche Bereicherung des lexikalen Weltwissens bedeutet und jenen, denen nichts und niemand mehr näher sein kann als ihre Tastatur. Dass ich keinen Brockhaus wälzen muss, um Näheres über Das kleine Nachtpfauenauge (Saturnia Pavonia) zu erfahren, das ist Wikipedia0s Leistung im Dienst an der Menschheit. Aber was erfahre ich über Josef Maria Klumb, wenn ich mehr über mich erfahren möchte und in meiner Fremddarstellung den Eindruck gewinnen muss, das mein Eintrag vor allem im Sinne einer subtilen Strafmaßnahme gegen mich inszeniert wurde. Und natürlich nicht nur gegen mich, sondern gegen viele, die als praktizierende Protagonisten subkultureller Strömungen, sich dem immer unfreier und linker werdenden neuen Selbstverständnis der Szene verweigerten. Die spürbare Repression, die man seinem freieren Selbstverständnis nach zu fühlen begann, generierte sich gegen Ende der 80er Jahre spätestens, aus keinem Spießer-Affront oder polizeistaatlicher Härte gegen die Subkultur, sondern im immer enger werdenden Spielraum zwischen den Fronten einer ebenso dümmlichen wie versoffenen „Nazi“ Jugend und dem neuen Diktat politischer Kinder-und Jugendkomissare maoistisch mutender Prägung.

Wie eingangs erwähnt, spreche ich mich nicht frei von pathologischen Verhaltensmustern. Rock-und Popmusik wären in ihrer schillernden Vielfältigkeit nicht möglich gewesen ohne die Geltungsbedürftigkeiten der Protagonisten oder deren frühkindliche Verletztheiten, aus welchen in Kombination mit Phantasie und Begabung im besten Falle Kunst, Kultur oder Subkultur entsteht. Wer aber in seiner Verhaltensauffälligkeit nicht selbst musiziert oder sich sonst wie künstlerisch abreagiert, wen die Muse nicht küsst und der phantasierende Teufel nicht reitet, der kann heute auch als relativer Nichtsnutz aus einer miefigen Mietparzelle heraus in der akribischen Weise eines Verwaltungsbeamten als eine Art richterlicher Instanz seinem schreibenden Expansionstrieb neuen Raum schaffen.

Ich würde ja mit meiner Wikipedia Präsenz durchaus leben können, wenn man dort so wissenschaftlich neutral über mich schreiben würde, wie eben über den Saturnia Pavonia Schmetterling. Es ist nicht akzeptabel für mich, zum operativen Betrachtungsgegenstand von Existenzen zu werden, die in ihrer Autorenschaft oder der Informationsaufarbeitung tunlichst bemüht sind, ihre eigenen Namen und Identitäten anonym zu halten und aus dieser Anonymität heraus keinen wissenschaftlichen Beitrag, sondern ihren dissen-schaftlichen Beitrag für die rote Weltrevolution zu leisten. WIKIPEDIA hat sich eine Aurastärke erarbeitet, unter welcher auch unterirdische Missionarstätigkeiten von der bodenständigen Seriosität echter Wissenschaftlichkeit gedeckt werden. Ich bin nicht der Einzige gegenwärtige Gedankenverbrecher und Kulturterrorist, der im Verlauf seiner Sturm & Drang Zeit als jugendlicher Protagonist und Vertreter eines subkulturellen Spektrums aus einem eigenen Gemisch linker, rechter und mittiger Weltbetrachtung heraus irgendwann genug hatte von der weiteren Indoktrination der Szenen durch linksextremistische Politkommissare. Ich hatte meinen jugendlichen Konfrontations-Beitrag in der körperlichen Auseinandersetzung mit Skinheads, Prols, Rockern und der Staatsgewalt schon zu genüge geleistet und das letzte, was ich dulden würde, war die geistige Zwingherrschaft von Leuten, die sich in ihrem einseitig linksradikalen Selbstverständnis als die Befreier der Menschheit fühlend, die Szene für sich zu regulieren und zu hegemonisieren begannen.

Das Prinzip, nach welchem anonyme Menschen auf Wikipedia gegen öffentliche Profilträger agieren, ist recht simpel. Entweder der meist unter Pseudonym wirkende Autor eines Quellentextes in Heft- oder Buchform, betätigt sich unter einem anderen Pseudonym selbst als der Faktenverwerter seiner Schreibe, oder er lässt dienstbare Geister verwandter Gesinnung die weitere Textverarbeitung betreiben. Der Rest ist ein Kunststück, das so geschmiedet sein muss, das den neutralen Beobachter im ersten Absatz über die Person, soviel negative Schlagworte anspringen, das der von den Autoren gewünschte Negativ-Effekt seine Früchte trägt. Hier beginnt es aber nun all zu oft auch so eng für einen Unberührbaren zu werden, das die öffentlichen Wege, die man ihm abschneidet, eine Radikalisierung und Vertiefung seines Außenseiter Status noch verstärken. Wer als Gedankenverbrecher das Pech hat, abhängig zu sein von der Gunst eines Arbeitgebers, Vermieters oder Menschen einer leichteren Weltanschauung, der ist verloren oder wird in eine so deprimierende Enge und Ausweglosigkeit getrieben, das er nur noch die Wahl hat zwischen trotziger Vertiefung oder einem Totalrückzug. Sich im eigenen Vertiefungsgefühl Gedanken darüber machen zu müssen, gegenüber welcher Niedertracht man sich zu ergeben gezwungen ist, und welcher Qualität die Kräfte sind, die im Schutze ihrer Anonymität triumphieren - das sind Angelegenheiten, die nur selten einen wirklichen Unmenschen zur Verzweiflung bringen. Unabhängigkeit auf allen Ebenen ist hier geboten. Und der Weg dorthin kann ein härterer sein als der Aufenthalt in der Ausweglosigkeit - aber er lohnt.

Betrachten wir uns in seiner exemplarischen Beispielhaftigkeit doch einmal einen von den unter meinem Eintrag gegen mich tätigen Wikipedia-Nerds herangezogenen Quellentext-Urheber etwas genauer. Ingo Taler nennt sich der Quelltext-Gestalter, den ich als aller Ersten im Bunde der anonym und unter Pseudonym tätigen Arbeiter eine fundamentales Wirken an meiner Wikipedia-Baustelle bescheinige. Schwerstens vernetzt im rotgrünen Politspektrum, ist Taler ein Getriebener, ein roter Missionar, wie er im Buche steht, ein unermüdlicher, ein fleißiger Mensch, dessen Verzweiflung darüber, das die Weltrevolution ihre Hegemonie über die Sub-und Popkultur weitgehend verloren hat, seinem Schrifttum soviel Wirklichkeits-verzerrenden Bitterstoff beisetzt, das selbst aus unmilitant linkem Grund-Selbstverständnis schreibende Punk-Autoren wie Joachim Hiller vom ebenso legendären wie auflagenstarken OX- Magazin ihm gegenüber schwerste Bedenken äußert: „Einer der schlimmsten und dümmsten Schwätzer in Sachen „Antifa gegen Hardcore“ ist ein Herr, der sich hinter dem Pseudonym Ingo Taler versteckt und der immer dann gerne zitiert wird, wenn gewisse Menschen aus der linken Szene versuchen, Hardcore und Hardcore-Bands als latent rechts zu diskreditieren!“

Und weiter in Bezug auf einen Wikipedia Eintrag zur US amerikanischen Band AGNOSTIC FRONT, in welchem der Band unter Anderem angedichtet wird, „Wegbereiter für den rechtsextremen Hatecore„ gewesen zu sein. „...So was ist eindeutig keine „neutrale Aussage, sondern interessensgeleitete Verleumndung, einmal mehr Bezug nehmend auf den aus der Anonymität schießenden Ingo Taler, der es immer wieder geschickt versteht, durch wissenschaftlich anmutende Artikel seine persönliche Meinung als „objektive Wahrheit“ darzustellen!“

Diese von Joachim Hiller 2010 getätigte Kernaussage steht wie eine Eins und erklärt mir selber nochmal die frühen Bemühungen Talers, meinem Wikipedia Eintrag jene Würze zu verleihen, die mir eine öffentliche Unapetitlichkeit generiert, von der man als tendenziöser Autor erwarten möchte, das sie einem zur gesellschaftlichen Ächtung auch wirtschaftlich den Garaus macht.

Mit Befremden erinnere ich mich an die krankhaften Versuche Talers, manchen meiner mythischen Textzeilen aus den 80er Jahren eine antisemitische Bedeutung zu verleihen, und dabei bemüht zu sein, die Verdachtserhebungen von sich selbst in die nebulöse Autorenschaft kritischer Stimmansammlungen zu verschieben, so als habe der Volksmund seinen Verdacht geäußert. Mit der Veröffentlichung seines von vielen Wikipedia Rotameisen als neues Quellenmaterial herbeigesehnten Buch „OUT OF STEP“ ( 2012 ) glaubte Taler, seiner Mission endgültig zum Durchbruch verholfen zu haben. Jahrzehntelang rackert der Mann sich ab, malt sich die Puzzleteile für seine Schreibarbeit selber schön, puzzelt, schreibt, erhebt Vorwürfe, klagt an, läutet Veranstaltungen ein und verbessert die Welt. Und dann tut sich der Boden unter ihm auf und statt das Böse, das Ingo Taler und seine Wikipedianer-Männchen vom Guten zu scheiden suchten, in der Versenkung verschwinden zu sehen, spaltet sich nur die Szenekultur und der Rumms, den man vernommen hatte, war nur das Brechen der eigenen Hegemonie. Wie schade, wie vergeblich. So viel Mühe. So viel Herzblut? Nein, so viel Galle, so viel Geifer, soviel Gelbstich in seiner roten Gesinnung. Sein Buch gehört in die kleine Riege derer, die ich mir entweder selber noch stehlen werde, stehlen lasse, und mir vielleicht noch von ihm selber mit persönlicher Widmung beschriftet sehen möchte, bei einer sich bietenden Gelegenheit.

Seit beinahe nun 20 Jahren beliefert dieser falsche Fuffziger mit Decknamen Taler antifaschistische Textbaustellen mit dem Selbstproduzierten Guss-Beton seiner befremdlichen Mischungsverhältnisse. Und seine institutionellen Verstrickungen ins Baugeschäft der roten Weltrevolution wirken dem politischen Webteppich, auf welchem er nachtwandelt, die illusionäre Tragkraft eines fliegenden Teppichs, auf welchem er sich in seiner Mission so sicher getragen fühlt, das die Deutungshoheit über das subkulturelle Terrain ihn bisweilen so hoch hinauf in die Wolkenregion seiner romantischen Rosa-Luxemburg-Anbindung trägt, ihn den Bezug zur Wirklichkeit sogar mit Absicht verlieren lässt. Denn alles, was er will, ist Rache für Rosa - womit ich Rosa Luxemburg nicht in Misskredit bringen möchte, denn auch ich bin ihr im Facettenschliff meiner inneren Vielfalt über mein Regenbogenspektrum der natürlichen Farbenlehre verbunden, so wie ich auch Menschen linker Prägung in höherer Linierung verbunden sein kann und auch keine Probleme damit habe, mich mit linksfühligen Historikern auszutauschen, wenn Ich es bin, der in historischer Angelegenheit meiner Austausch-Bereitschaft ein Gegenüber sucht und nicht umgekehrt.

Faktensammler für Wikipedia sein und groß darin werden, das Gesammelte nach den Prinzipien von Anziehung und Abstoßung und den Kriterien von Gefallen und Nicht Gefallen in Baukasten-Manier zur öffentlichen Darstellung zu bringen, das ist auch die freiwillige Fleißarbeit eines unter dem Pseudonym Gripweed tätigen Enzyklopädisten, der mit goldener Schreibfeder und Administratoren-Posten gewürdigt wie folgt von sich schreibt: „Meine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich (Underground-) Musik, Saarland, der Rockerszene und dem Rechtsextremismus, aber eigentlich Allem, was mich in irgendeiner Form fasziniert, abstößt oder anspricht.“

In irgend einer Weise muss ich Herrn Gripweed jedenfalls so sehr abgestoßen haben, das er mir auf WIKIPEDIA nicht mehr von der Seite weicht. Der Mann hängt an mir, und wir werden schauen, ob ich zu gegebener Zeit nicht mal im Stumm´chen Brauhaus in Neunkirchen zeitgleich zum Wikipedia Stammtisch eine doppelte Portion Pommes mit Zigeunersauce zum Verzehr bringen kann, um auch mal so etwas wie einer Anziehungskraft nach zu kommen, im Abgestoßen sein von der Weise wie das Kerlchen sich an meiner Wikipedia Wand zu schaffen macht. Zunächst aber mal könnte man Hannibal Lecter und Clarice Starling wie folgt miteinander in Szene setzen:

„Was tut dieser Mann Clarice?“

„Er schreibt aus der Anonymität heraus öffentlich über Andere!“

„Durchaus ja, aber was ist das Vordringliche bei all seinem Schreiben? Die Frage ist, welche Bedürfnisse er durch diese Art von Schreibtätigkeit befriedigt!“

„Abreaktion von Wut,Versuch gesellschaftlicher Anerkennung?“

„Die gesellschaftliche Anerkennung seiner Leistung ist sekundärer Natur, eine Wut nur hintergründig. Bedenken Sie, dass er anonym bleiben möchte. Beachten Sie seine Selbstauskunft, dass er über das schreibt, was ihn „fasziniert, abstößt oder anspricht“. Beachten Sie ferner, das er nicht schöpferisch oder von Phantasie beflügelt schreibt, sondern sich enzyklopädisch nüchtern, aber nicht wirklich neutral betätigt - verstehen Sie?“

„Ein ordnen von Gut und Böse...?“

„Noch nicht ganz, Clarice, Sie dürfen die Simplifikation nicht mit Abstrichen auf der Wirklichkeitsebene betreiben. Wir haben es mit Anziehung, Abstoßung und dem, was ihn auf neutraler Ebene anspricht, zu tun. In welcher Weise schreibt er über das, was ihn abstößt, anzieht oder anspricht ?“

„Er kategorisiert und ordnet!“

„Auf welcher Ermessensgrundlage, nach welchen Kriterien?“

„Vermutlich den Eigenen. Möglicherweise unterliegt er dem Ordnungszwang, die Welt für sich in Gut, Böse und Neutral zu fragmentieren und dadurch eben für sich zu ordnen!“

„Oh - man könnte zu glauben geneigt sein, dass hier jemand das latente Unwohlsein gegenüber der eigenen heimlichen Menschenverachtung und vielleicht sogar von Selbsthass, subtiler Welt- und Lebensverneinung auf äußeren Projektionsflächen wenn nicht zu bekämpfen, so doch für sich Selbst zu ordnen sucht, nach insgeheimer Stellvertreter-Manier. Aber welches innere Bedürfnis steht wiederum hinter dieser Ambition, die Unklarheiten in sich Selbst durch akribische Fleißarbeiten im enzyklopädischen Äußeren zu ordnen? Ist es das innere Bedürfnis, sich groß zu schreiben, sich frei zu sprechen, oder nur Recht zu haben, Recht zu sprechen, zu urteilen, zu be-urteilen oder zu ver-urteilen, als Ausgleich dafür selber einmal in herabsetzender Weise von Anderen kategorisiert, bewertet oder verurteilt worden zu sein?

„Freispruch oder Verurteilung ?“

„Wann, Clarice ,werden die fleckfreien Lämmer der Menschlichkeit aufhören gegen die verleugneten wölfischen Aspekte ihrer eigenen Natur zu schreiben,in ihrer hündischen Hingabe an den Common Sense und im Aufstand gegen die Spiegelbilder von Naturgemälden die uns die ganze Schrecklichkeit und Schönheit menschlichen Seins offenbaren ?“

„Rockerszene und Rechtsextremismus“ als bösartige Steckenpferdchen der eigenen schreibwütigen Selbstgerechtigkeit. Ich will die in den peripheren Abgründigkeits-Spitzen beider Szenen vorherrschenden Brutalitäten weder bestreiten noch relativieren, aber es mutet so befremdlich, wenn rechthaberische Querulanten in ihrer schreibenden Verschrobenheit aus der sicheren Deckung ihrer Anonymität heraus die feige Niedertracht, in der sie sich verfangen, vor sich selbst als ihren Schutz vor der feindlichen Übermacht rechtfertigen. Es gab und gibt in Mittel- und Süditalien todesmutige Journalisten und echte Gerechtigkeitskämpfer, die in ihrem aufrechten Engagement gegen die Verbrechersyndikate Italiens mit ihrer ganzen Persönlichkeit, Name, Profil, Adresse und Privatleben einstehen und dafür eben auch ihren Tod in Kauf nehmen. Im Vergleich dazu muss man unsere anonym operierenden Schreibtischtäter „im Dienste der guten Sache“ einfach nur als billig empfinden in ihrem Anspruch, Besseres zu leisten als die Menschen, die man sich per Mausklick zum Betätigungsfeld erwählt hat.

Was in meiner Angelegenheit per WIKIPEDIA betrieben wird, hat weder mit mutigem Engagement noch mit Wissenschaftlichkeit zu tun, und kein gesunder Mensch kommt von sich aus soweit von der digitalen Datenautobahn ab, um sich in die Gefilde der den Einträgen anhängenden Diskussions-Stränge zu verirren. Wer sich einmal die abgründige Mühe machen möchte, seine Zeit damit zu verschwenden, in eines dieser Diskussions- und Grammar-Operations-Nester zu leuchten, der bekommt dort vor allem den Eindruck einer besserwisserischen Streitkultur von kleinkariertem Ermahnungseifer, subtiler Komplex-Verfechtung und einer rechthaberischen Erbsenzähler-Manier, welche mir den Eindruck erweckt, das man es hier vornehmlich mit einer Stubenhocker-Zunft ohne soziale Anbindungen zu tun hat.

Schon bei meinem schriftlichen Ersuchen um schreibende Zurückhaltung während meiner Besuchszeit auf dem unter meinem Namen prangenden Wikipedia Eintrag vor fast einem Jahrzehnt, erklärte mir Doktor Gripweed in seiner Eigenschaft als mit Administrator-Ehren gesegneter Blockwart sinngemäß, dass alle, die hier an meinem Eintrag arbeiten, sich untereinander duzen, und ob das okay für mich wäre, wenn auch wir uns duzen. Und das muss man sich erst einmal setzen lassen. Ein Menschlein also, dessen anonyme Schreibtätigkeit an dem Eintrag über mich auf seinem persönlichen abgestoßen Sein von mir beruht und seinen Wiki-Brüdern im Diskussions-Strang immer wieder seinen Unglauben an meinen öffentlichen Darlegungen kund tut, fragt ob, es „okay“ für mich wäre, wenn wir uns hier miteinander duzen. Ein Mensch, den ich selber persönlich nicht kenne, der mir aus seinem abgestoßen sein von mir aber auch gleichzeitig nah sein möchte, als eine Art administrativer Wikipedia Begleitservice in Ehrenamt, bietet mir das „Du“ an. Solcherlei Höflichkeit macht mich erst einmal sprachlos. Natürlich erfolgte eine unhöfliche Absage meinerseits, der ich gerne einen physischen Arschtritt hinterher geschickt hätte. Aber sie sind ja nie erreichbar, diese Leute. Seit zig Jahren nicht, und schon gar nicht auf der Ebene einer Einzelgegenüberstellung. Jahre später, dem befremdlichen Tiefdruck folgend mich mal wieder herab in die Niederung meiner Wiki-Fremd-Darstellung zu begeben, überbrachte ich der Höhlenforscher-Gemeinschaft die sinngemäße Grund-Botschaft, das ich gerade daran arbeite, Herrn Gripweed unter Verwendung seines Echtnamens bald duzen zu können. Was in rasender Geschwindigkeit folgte, war meine Sperrung unter der administrativen Begründung von „indiskutablem Verhalten im Hinblick auf Anon „. Und das ist ihnen wichtig, in ihrer „wissenschaftlichen“ Tätigkeit gegen Personen des öffentlichen Lebens ihre eigene Anonymität zu wahren. Die Wahrung dieser Anonymität würde ja auch funktionieren, wenn da nicht diese geltungsbedürftige Nebenschiene gefahren würde, auf welcher man mit seiner Fleißarbeit ja auch ein wenig zu glänzen wünscht in der Öffentlichkeit. Und diese Nebenschiene, wenn man sie denn unbedingt befahren muss, generiert im Schatten der Eitelkeit ebenso schnell wie verlässlich Nachlässigkeiten, die einer anhaltenden Anonymität nicht zuträglich sind. Ich will einfach nur wissen, mit wem ich es zu tun habe und wer jemand wirklich ist - so einfach ist das. Aber es generiert mir kein Machtgefühl und nicht einmal ein Rachegelüst, mit gewonnenen Einblicken und persönlichen Daten befremdlicher Menschen, zu deren Nachteil in noch unliebsameren Gefilden etwa hausieren zu gehen. Und trotzdem sehe ich hier nichts sportlich. Ich beschäftige mich in Intervallen halber Jahrzehnte in detektivischer oder schreibender Tätigkeit ein paar Stunden damit und lass den ganzen Irrsinn dann wieder in die Versenkung absacken, betreibe die Forschung nach Klarnamen nur sporadisch oder gebe die Suche aus der Hand, weil es schöneres und wichtigeres für mich zu tun gibt.

Zu Lebensfern ist das alles, zu unecht, zu abstrakt. Zu wissen, mit wem man es eigentlich zu tun hat, wer jemand hinter den Kulissen seines Pseudonyms wirklich ist - das hat sich in Vergangenheit schon öfters als ent-spannend und beruhigend herausgestellt und nur das interessiert mich an den schrägen Vögeln der virtuellen Selbstbefriedungs-Fraktion. Mit dem Einblick hinter die Maske des Anonymus verfliegt mit der Aura einer gewissen Gespenstigkeit auch viel eigenes Kerosin, das sich über die Zeit hinweg in einem zusammengebraut hat zum Zwecke theoretischer Feindflüge. In gegnerischer Angelegenheit ruhig über den Dingen stehen? Gerne in einer zwischen innerem Auftrieb und äußerer Schwerkraft spielenden Raubvogel Leichtigkeit des Seins.

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Was ist eigentlich aus dem Anarchismus affinen Holger Thölking geworden, der ja vor Ewigkeiten einmal so heftig mitmischte in seiner administrativen Arbeit an meiner Namens-Baustelle, die, wie man mir Wikipedianerseits höflichst mitteilte, nicht meine Seite wäre, sondern eine Seite über mich - was ich zwar textlich verstehe aber so nicht hinnehmen werde. Warum kann der Einzige, der sich mit seinem Echt-Namen tröpfchenweise oder in Anfällen von Schreibambitiönchen in Szene setzt, nicht in eine echtere Nachfolge des hochinteressanten Max Stirner treten und irgendetwas ordentliches auf die Beine stellen, statt nur Anfänge und Abbrüche oder ein wenig Einmischung in kranke Diskussionsverläufe auf irgendwelchen Schwermetall Bereichen zu betreiben. Schlimmer noch sein Wissenschaftler-Kollege ROTTEN BASTARD, der nach dem Abladen der von Ingo Taler beschafften Baustoffe schon bald keine Lust mehr hatte und sich nicht nur von meiner Baustelle entfernte, sondern auch von seinem Wissenschaftler-Umfeld verabschiedete mit den Schlussworten: „Meine Arbeit ist hier getan!“ Seine Mühe, sich an mir abzuarbeiten, zeugte von keiner großen Dauer. Was macht so jemand im richtigen Leben? Wie sieht das antikapitalistische Ambiente von so jemand aus der im Siff seiner Straßenpunk Tradition tagsüber vielleicht wieder in einer Fußgängerzone abhängend Kleingelder sammelt ? Wie gehen menschliche Naturen wie Holger Thörling neben ihrer Anarcho Attitüde mit ihrer vermutlichen Staatsknete um? Haben diese Figürchen jenseits ihrer Tastatur Betätigungsfelder auch ein Privatleben ? Allgemein aber kann das Eigen-Leben solcher Leute so spektakulär nicht sein. Sie schreiben ja selber keine Geschichte, sondern leben förmlich von den hinterlassenen Spuren-Elementen Anderer. So wie das Ruhrgebiets-Urgeistein FRAOCH, der wohl auch zu den Leuten gehört, die ihre Finger nicht mehr von dem Tastaturfeld bekommen und irgendwann im Sitzen sterben. Das Gegenteil also von „Männern, die in Stiefeln sterben“ oder Männern, die einer bezahlten Beschäftigung oder einer Selbstständigkeit nachgehen. Die Unermüdlichkeit FRAOCH,s will sich in keinem andern Betätigungsfeld als in dem der Virtualität beweisen. „Portal: Schwarze Szene“ ist seine Welt. Wo nimmt so jemand die Zeit her, permanent im Dienst an der Szene zu sein? Ein virtueller Papst, seit Jahren bei jeder sich bietenden Internet Diskussion um Worte gegen mich ringend, zur ständigen Unterstreichung seiner Antipathie. Schafft dieser vermutlich ältere Herr es denn noch, die etwaigen Lieferando-Pizza-Kartonagen und den ausgedruckten Papiermüll einmal die Woche wenigstens pünktlich in den Altpapiercontainer seiner Mietbehausung zu bringen? Spült so jemand noch sein Geschirr? Das sind die Fragen, die mich mehr interessieren als die politische Verortung von Menschen, die weder mit Namen noch Gesicht für ihren Unmut einstehen, den sie unentwegt äußern, falls sie nicht doch gerade im Trockeneisnebel einer Underground-Disco im Ruhrgebiet vor sich hin welken, nächtens in ihrer Eigenschaft als subkulturelles Urgestein. Was ist das für eine kranke Vertreterschaft von linksradikalen Bettelstudenten, schreibwütigen Genrespezialisten, digitalen Diskussionskriegern und subkulturellen Freaknaturen, die sich da mit einem Aufwand von theoretischem Abrieb an mir hoch und runter arbeiten wie an einer öffentlichen Betriebsamkeits-Nutte? Ich kann in so eine Niederung wirklich nur alle 5-10 Jahre heruntersteigen und auch das nur bis knapp an die obere Gummistiefelgrenze, und im Gefühl nicht vornehmlich in meinem eigenen Mist, sondern der Interpretationsjauche von Leuten zu stehen, die zu ihrer abgeleisteten Jugend auch ihre Restgegenwart im Miefbereich rot be-sternter alternativer Jugendzentren verbringen müssen. Und was ich hier gnädiger Weise auch noch tue - ich liefere den Gestalten ihr digitales Schweinefutter ins Haus. Ein Lieferheld bin ich, in jeder Beziehung. Keiner soll hungern. Und keiner soll am Ende zu kurz gekommen sein.

Ich verlange ja gar keine gläserne Wiki-Autorenschaft,-sondern das Einstehen der Autoren mit ihren Echt-Namen. Ich will als das Objekt ihrer befremdlichen Begierde und in meiner Eigenschaft als verworfene Person des öffentlichen Lebens, dass Menschen, die sich aus eigener politischer Tendenziösität oder aus ihrer privaten Langeweile heraus an meiner Vita vergreifen, als unmaskierte Persönlichkeitsreste für mich erkennbar werden.
Mit Stand von 2020 fällt mir an nachrückenden Streitkräften der schreibenden Alltags-Verlierer gerade mal nur ein in Augsburg studierendes Fantasy-affines Schreibtantchen auf, welche ihrem phantasielosen Eigenleben unter dem Decknamen Vindolicus eine sinnvolle Freizeit-Gewichtung zu verleihen sucht, im Einspeisen bescheidener Neu-Information über mich.
Es ist nicht immer alles Antifa was ätzt - immer stärker zeichnet sich ein Truppenabzug von freakigen Rollenspielern ab, welche in der spätpupertären Phase ihrer 30er Jahre von ihren Spielbretter-Gemeinschaften ins virtuelle Erwachsenen-Dasein der permanenten Tastatur-Betätigung in Solo-Betrieb wechseln und sich digitale Bedeutung verschaffen in ehrenamtlicher Wikipedia-Mitsprache und dem sich einbringendem Spezialistentum detailierter Sachverhalte in Fragen zu Wikingerkultur, Hexenwesen, Satanismus und Neuigkeiten aus dem Todesblei-Sektor. Die Lebenswirklichkeit dahinter? Dringend bei Lidl Katzenstreu kaufen, gebrauchte Fantasy-Schmöker bei Amazon bestellen, und der Nachbarin aus dem sezierten Kot ihrer verwahrlosten Meerschweinchen die Zukunft weissagen. Auch das sind die menschlichen Stoff-Reste, aus welchen Wikipedia seine Wissenschaftler und Administratoren fertigt. Kleiner Mann - was nun? fragte Hans Fallada 1932 in in ebenso berechtigter wie literarisch bereichernder Weise das deutsche Lesepublikum. „Kleiner Mann - was tun ?“ fragten sich viele, die dann, gesegnet vom technischen Aufschwung, ihre Passage ins virtuelle Nirvana der Selbsterhöhung fanden - beflügelt vom Ehrgeiz, sich einen Administrator-Posten zu erschreiben. Aus dieser gehobenen Position heraus, die unbedeutsame Kleinheit von früher verächtlich belächelnd, in feindlicher Geringschätzung der öffentlichen Betriebsamkeit des wirklichen Lebens, dem man aus sicherer Distanz heraus nur noch enzyklopädisch zu Leibe rückt, mit dem Gefühl, es im Griff zu haben. Aber ist dem so ? Oder ist es nur ein in An-Griff nehmen zur Überspielung tiefer liegender Sachverhalte?

In diesen Zusammenhängen möchte ich die Empfehlung aussprechen, sich mit den wirklich hervorragenden Ausführungen von Volkmar Weiss zu befassen, welcher aus eigenem Erleben heraus eine fundamentale Schreibarbeit zum downloaden verfasst hat.

„WIKIPEDIA ALS TUMMELPLATZ DES GEISTIGEN LUMPENPROLETARIATS „ (März 2020)

Natürlich interessierte mich nach dem Lesen seiner wirklich empfehlenswerten Ausführungen auch seine Wikipedia-Präsenz, von welcher ich schon ahnte, wie sie aufgezogen sein müsste. Auch in seinem Fall müssen die Kürzel „NS“ und „Rechtsextrem“ hervorstechend blau innerhalb der ersten 8 Zeilen sichtbar werden, um dem Darstellungs-Anspruch der Autoren genüge zu leisten. „Was für ein feiner Kerl“ ,dachte ich mir beim lesen seiner eigenen Ausführung, beim lesen der über ihn gefertigten WIKI-Darstellung und beim betrachten der Physiognomie eines Menschen, der als echter Wissenschaftler von hoch-interessantem Range mit Klarnamen, Gesicht, Profil, Lebenslauf und einer positiven Ausstrahlung zu überzeugen weiss. Schnell spricht mir Weiss aus dem Herzen, wenn er die Frage in den Raum stellt, ob „vor allem Randexistenzen und Arbeitslose die deutsche Wikipedia“ schreiben ? Auch die von Weiss angeführten Zitate des Benutzers “Sonnenblumen“ sind Balsam auf der geschundenen Benutzoberfläche meiner WIKIPEDIA Fremdpräsenz. Mit göttlicher Schärfe schneidet die Sonnenblumsche Kritik in die stinkenden Psychopathie-Gefilde eines Autoren-und Administratoren-Zirkels, welche Weiss mit gutem Grund als einen „geschlossenen Jakobiner Klub der deutschen Wikipedia“ bezeichnet.

Freunde wirklicher Nonkonformität, ruft Euch das Essay auf, ladet es runter und erfreut euch an den erfrischenden Darlegungen von Wissenschaftlern, die keines Nachtlebens am PC und auch keiner Nachtschattentarnung bei Tag bedürfen.

KEIN SANKT MARTIN UND KEIN BRENNENDER DORNBUSCH
Seine heimliche Schreibtätigkeit betrieb bis zum Auffliegen seiner wahren Identität auch lange Zeit Christian Dornbusch. Auch wenn Stephan Pockrandt und sein ihm nachhängendes redaktionelles Handpuppen-Panoptikum der akademischen Zunft es sich durch das damalige Stören meiner revoltierenden Kreise komplett bei mir verscherzt haben, muss man ihm seinen sachlich ent-tarnenden Umgang mit Christian Dornbusch alias Martin Langebach zugute halten. „Warum es den Linken“ immer nur möglich ist „link“ zu handeln. Ob es nicht auch ehrlich geht, und ob man nicht mit seinem Namen dafür einstehen kann, was man macht ? fragte Pocke den nur verschämt antwortenden Aufflieger. Aber Sie wollen und können nicht anders als link operieren,- weil Sie in jeder Bewegung jenseits ihrer Geschützstellungen in strikter Unbedingtheit die feindliche Übermacht wittern müssen, um bei Alarm direkt in die Notwehr-Kiste besonderer Maßnahmen greifen zu können. Sie bedienen sich in imaginärer Weise jener, der deutschen Geschichtsschreibung geschuldeten, Leichenberge an Opfern, welche sie jedem, der nicht ihres Glaubens ist, gefühltermaßen persönlich in Rechnung stellen, um die geballte Wucht aus dem Hinterhalt oder die schreiberische Heimtücke zu rechtfertigen wie in einem verspäteten geschichtlichen Racheakt.

Anders als bei den im Hinterland ihren Dienst tuenden rein akribischen Sammlern und Verwertern Wikipedia-tauglicher Fakten weist die Langebach`sche Operationsweise einige schizophren mutende Besonderheiten auf. Wie muss es um die psychische Gesundheit eines Menschen bestellt sein, der im Zuge seines Auffliegens kleinlaut verlauten lässt, von der Musik, den Konzerten, dem Publikum und vom Sammeln limitierter Tonträger unserer Zunft wirklich fasziniert zu sein, um dann nach jedem miterlebten Event vom völkischen Mr. Hyde zurück auf den biederen Sozialpädagogen Dr. Jekyll-Dornbusch switchend in akademisch exorzistischer Weise gegen die Szenekultur anzuschreiben? Persönlichkeits-Spaltung, Doppelspiel? Die Ambivalenzen der Szene selbst rühren ja noch nicht an die Grenzen der Schizophrenie, sondern spielen entlang der Klaviatur eines Spannungsfeldes der Kontroversitäten. Echt zwiespältig mit offenem Einspielraum ins Pathologische wird es für meinen Geschmack aber auch dann wieder, wenn ein Non-Pop-Schreiberling sich auf der halluzinierten Basis gegnerischer Feldherren-Augenhöhe ausgerechnet mit dem entlarvten Martin Langebach zum wichtigtuerischen Plausch verabredet.

Sich mit solch einem notorischen Schwindler überhaupt noch unterhalten zu wollen, aus einer sich ins krüpplige verkehrenden Ernst Jünger-Vorbildlichkeit gegnerischen Respekts - auch das kann plötzlich Neofolk bedeuten. Mit Langebach in möglicherweise zähem weltanschaulichem Ringen dann zum Schluss des Gipfeltreffens der beiderseitigen Niedertracht darin einig zu sein, was für eine „Arme Sau“ der 2006 verstorbene „Alfred Schobert“ gewesen sei, solcherlei pietätslose Übereinstimmung berührt mich, der mir Schobert und seine heimliche Nachtjägertruppe näher an den Fersen war, mit fremdschämendem Unbehagen.

Der selige Pockrandt und sein konservativ revoltierendes Umfeld mögen ihren Schutzwall damals gegen zu viel einbrechendes Volk aus den härteren Gefilden des rechten Spektrums zwar verteidigt haben, ohne wie gesagt dem Umstand Respekt zu zollen, dass der Zustrom aus dem rechten Extrem von sehr viel Willen zu politischer Entspannung beflügelt war. Gegen das Eindringen von Martin Langebach über die ihm offene Wohnstubengemütlichkeit hinaus in noch wärmere Freundschaftsgefilde der Neofolk-Intelligenzia jedoch war die Hochburg in Dresden nicht gefeit.

Viele junge Menschen, welche damals bei Werner Symanek und mir landen wollten, und über deren wirkliche Ambition wir uns noch im Unklaren waren, schickten wir im Gefühl, bei uns landen zu können, erst einmal durch unser selbst gebasteltes Alarmstufensystem, aus welchem heraus wir Agenten und Tarnkappenspezialisten in Umlaufbahnen bei Laune haltend so lange zum Kreisen brachten, bis man irgendwann nichts mehr von ihnen hörte. Der Gedankenaustausch in diesen Bahnen war unsererseits genauso fingiert wie kontrolliert und die damit verbunden hohen Unterhaltungswerte müssten uns im Nachhinein auch die in der Telefonüberwachung von Berufs wegen tätig gewesenen Mithörer schmunzelnd und kopfnickend bestätigen können. Kein Undercover Agent linkerseits und kein Verbindungsmann staatlicherseits hätte bei uns landen können. Was schief bei uns lief, war immer nur unserer eigenen Überforderung geschuldet, oder einer brüchigen Hilfe von Rechts. Aber wir hatten die Roadmovie Besatzung an Bord - die Authentizität des Momentes, die Mädchen, die Frauen, die Sexualität und die Unverschämtheit unseren Stilmix in einer Weise zu betreiben, der den Staub aufwirbelt, in welchem wir uns selber auch verlieren mussten. Und es braucht seine 10 Jahre, bis man sich erholt hat von den daraus resultierenden Kollisionen. Aber man ist 10 Jahre später auch nicht mehr der Alte und sieht manches anders.

„IM LAND WO DIE EISERNEN KREUZE WACHSEN“

Entspannter geht die Auseinandersetzung mit der faschistischen Ästhetik in der Popkultur Dr. phil. Marcus Stiglegger an, den ich aus seiner innovativen DJ Zeit Anfang der 90er Jahre in subkulturellen Gefilden aus meinem Wirkungsbereich in Ingelheim und Mainz noch in positiver DJ-Erinnerung habe. Seine langen gepflegten Dreadlocks in Kombination mit schneidigen Schaftstiefeln, und Breeches Hosen,das war für mich damals Avantgarde.





Man wünscht seinem im A6 Kleinformat erschienen Taschenbuch (Reihe: Kultur&Kritik 5. BERTZ +FISCHER ,2011) ein größeres Format und mehr Seiten, weil das komprimierte Essay mir in der anspruchsvoll wissenschaftlich betriebenen Herangehensweise den Eindruck erweckt, eine ausführlichere Vertiefung der Thematik wert zu sein. Der subkulturelle Baum, an welchem die Eisernen Kreuze und die silbernen Totenköpfe wuchsen, ist jedoch weitaus verzweigter als hier dargestellt. Mit der Deutung Stigleggers, die Ästhetik der slowenischen Band LAIBACH geschehe in „kritischer Überaffirmation“, begann sich dieser Affirmations-Mythos jedoch bald schon als eine künstlerisch kaschierte Entschuldigungsform überall dort etablieren zu wollen, wo man nicht zugeben mochte, das fasci-niertere Beweggründe einst das ikonographische Zepter führten. Man kann aber diese Ästhetik nicht kritisch auf die Spitze oder über diese hinaus treiben wollen, ohne ihr in fetischistischer oder rein ästhetischer Weise auch erlegen zu sein. Dieser Schattenbereich wird in vielen Erklärungsversuchen gerne ausgespart. Ian Curtis und Bernard Sumner (JOY DIVISION / NEW ORDER) , der erste LAIBACH Sänger:Thomas Hostnik, David Bowie und überhaupt viele zwischen Mitte der 40er bis Mitte der 60er Jahre geborene Musiker inklusive ich Selbst, waren alle mehr oder weniger faszinierte Sammler originaler NS-Abzeichen. Richard Jobson (SKIDS) war in gehobener Ingebrauchnahme seltenerer Stücke nicht zimperlich, obgleich er heute beteuert, kein Sammler gewesen zu sein. Wer sich von uns Jugendlichen das Eiserne Kreuz an den Hals hing, tat dies aus ästhetischen und provokanten und identitären Erwägungen heraus, und nicht im Sinne einer kritischen Überaffirmation. Die kritische Antigravitation zum geschichtlichen Völkermord-Kontext und das positive Zugeständnis an die Ästhetik schließen einander nicht zwingend aus. In einem verschollenen, sehr interessantem Interview welches Andrew Eldritch 1994 mit Leonard Cohen führte, unterschied Eldritch zwischen der Zerstörungskraft einer Bombe und deren Form-Ästhetik.

Wir geraten auf den Holzweg moralischen Selbstbetruges, wenn wir einer formschönen Waffe, einer Parabellum 08, einer historischen Mauser C-96 oder einem Stuka die Formschönheit absprechen. Künstlerisches Schaffen ist von keinem schöpferischen Wert, wenn es sich aus der Geiselhaft der Moral heraus zu verwirklichen sucht. Was dabei herum kommt, ist so überflüssig und unwertig wie eine Kunstmalerei nach 1945, in welcher plötzlich Jeder zur neuen Freiheit berufene Pinselstrich-Führer all jenes vormals „Entartete“ bildnerisch für sich aufzugreifen suchte, zu was er ab 1933 weder den Mut noch den persönlichen Zugang fand. Plötzlich entdeckten Heerscharen stereotyper Kunstmaler den bis dahin verleugneten Picasso in sich und mischten sich auf der Leinwand der moralischen Wiedergutmachung in künstlerischer Verantwortung ihre verspäteten Halluzination expressionistischen Aufbegehrens zusammen. Vor diesem verlogenen Kunsthintergrund der 50er und 60er Jahre wirkten die auf die Müllhalden gekippten NS-Zeitschriften mit den Darstellungen ihrer Blut & Boden Sachlichkeit wie geheime Tapetentüren zu einer Wirklichkeit, die uns vertrauter schien als der gerahmte blasse Billigfarbdruck einer für mich damals noch nicht nachvollziehbaren Picasso Schmiererei an der heimischen Wohnzimmerwand. Die überlebenden Kriegsteilnehmer hingegen versuchten, mit dem röhrenden Hirsch als Ölgemälde-Ikone dem Zeitgeist trotzend, ihr natürliches Deutschtum wenigstens noch symbolisch zu bewahren. Das schrecklichste an der in unseren Wohnzimmern abhängenden modernen Malerei in der Zeit, in welcher ich mich auf dem Weg vom Kind zum Jugendlichen befand, war nicht die Kunst an sich, sondern die grauenvolle Billigdruck-Wiedergabe, die dem Werk jedwede Tiefe und die Leuchtkraft der ursprünglichen Farbexplosionen entzog. Erst in der Konfrontation mit hochaufgelösten Farbfotos oder den Originalen entdeckte ich Jahrzehnte später die strahlende Lebendigkeit und Tiefe all dessen, was ich als Billigdruck in meiner Kindheit und Jugend aus mir Selbst heraus nur als hässlichste Entartung empfand.

Zurück zum Buch. Es mag seiner in akademischer Bürgerlichkeit verankerten Professur geschuldet sein, dass Dr. Stiglegger die handliche Lektüre mit einer zu kritischen Pauschal-Abwertung des Neofolk Publikums beschließt, welche dieser schillernden Szene so nicht gerecht wird. Da möchte der Eindruck entstehen, dass es zu dem mit faschistoiden Stilmitteln betriebenen Überzeichnungs-Hokuspokus des intellektuellen Künstlerkollektivs LAIBACH halt noch die rückwärtsgewandte nostalgische Front eines in sich geschlossenen von Met und Konservativismus besoffenen völkischen Neofolk gäbe - ungeachtet der Tatsache, dass nirgendwo so viel schillernde von individueller Artung und Nonkonformität geförderte Stilblüten gedeihen wie in den verschiedenen Strömungen dieser konservativen Avantgarde.

Und nicht jeder Neofolker ist etwa den Frühwerken Ernst Jüngers hörig ergeben. Für einige beginnt die Faszination für Jünger erst mit „Straßen und Gärten“ oder „ Auf den Marmorklippen“ und es dürfen auch die Bezüge zur SCHWARZEN FRONT und dem Nationalbolschewismus nicht außer Acht gelassen werden, und erst recht nicht die Tatsache, dass zu Jüngers engerem Umfeld auch menschlich integre Persönlichkeiten wie Karl Otto Paetel zählten, dessen Antifaschismus noch in einer humanistischen Bildung wurzelte und auf einem festen Charakter basierte - wohingegen der Antifaschismus von heute weder irgendwo wurzelt noch basiert, sondern fanatisch im Windstrom eines sozialistischen Nihilismus flattert, von welchem ich mir nicht sicher bin, ob er der Natur und dem Leben, welche er zu wahren verspricht, mehr als den nackten Tatsachen Bezug zugesteht.

Man darf auch die heidnischen Bezüge der Szene nicht über einen völkischen Kamm scheren. Weltanschaulich und philosophisch greift die Szene viel durch den Nationalsozialismus gekapptes oder verhindertes Gedankengut wieder auf oder belebt Strömungen wieder, welche von den 20er Jahren an nicht mehr die Zeit und Möglichkeit, hatten sich den verdienten Raum zu schaffen. Es war in Bezug auf Neuheidentum, Okkultismus und Runen nicht alles SS oder Karl Maria Wiligut, was in den 30er Jahren zum Tragen kam. Ich erinnere an Runenforscher wie Friedrich Bernhard Marby, dessen Verdienst es ist (ähnlich wie der Skalde Emil Rüdiger), Runenmystik und Altgermanische Überlieferungen wissenschaftlich erforscht und mathematisch untermauert zu haben. Das Marby, dessen Antisemitismus vielleicht eher ein Antijudaismus war, nicht dagegen gefeit war, selber Jahre lang in Konzentrationslagern einsitzen zu müssen, beweist einmal mehr das Ringen verschiedenster okkulter Strömungen um Aufmerksamkeit und die Unmöglichkeit, das Bad der allgemeinen Verdachtsmomente gemeinsam mit dem Kinde ausschütten zu können.

Peryth Shou und Karl Spießberger im Okkulten, Ernst Niekisch im Politischen, Stefan George im Dichterischen, und der 1934 von der Gestapo ermordete Vertreter des christlichen Reichsgedanken: Edgar J.Jung sind nur einige wenige herausragende Namen von einer Vielzahl sich auch einem völkischen Massenverständnis verweigernder Persönlichkeiten eigener Ausrichtung. In keiner anderen Szenekultur erfahren derlei Persönlichkeiten eine so intensive Aufmerksamkeit und Würdigung. Ich kann es nur als eine Auszeichnung des Neofolk und der Konservativen Avantgarde erachten, wenn das Rolling Stone Magazin dem Genre seine musikalische Unrelevanz bescheinigt.

Der Schwerpunkt dieser Szene verlagerte sich aber auch immer stärker aus dem Bereich des plakativen Tabubruchs zu schöpferischem Aufbegehren. Das von Stiglegger in die Schlussbetrachtung projezierte Bild vom in Flecktarn zelebrierten Gruppenbesäufnis unterm Questenbaum verleiht der bis dorthin recht vorbildlich aufgezogenen Veröffentlichung die bittere Schlussnote einer rituell mutenden und von subtiler Zwanghaftigkeit mit angeschobenen kritischen Distanz. Eine programmatische Distanz, die sich in einer Art freiwilliger Selbstkontrolle überall dort installieren muss, wo sich nichts mehr durch eine Berufung auf den Nihilismus entschuldigen möchte, sondern Sinnstiftung und Sinnsuche das Zepter oder den Kompass führen. Und darin liegt eben der höher als die Provokation rangierende Tabubruch - seiner unzeitgemäßen rebellischen Haltung eine irrationale Ausrichtung und einen metaphysischen Treibstoff zu generieren, der auch den eigenen Irrtum und die Möglichkeiten des Scheiterns in Kauf nimmt. Da sind wir besser beraten, den Theaterintendanten Claus Peymann wie folgt zu zitieren. „Die jungen Leute suchen einen Irrationalismus, nicht weil sie böse sind, sondern weil sie der Rationalismus einfach nicht mehr überzeugt. Sie sind dabei, aus der Demokratie zu fliehen, mit Recht: Weil die Demokratie am Ende ist, eine in sich käufliche, vollständig korrupte Gesellschaft“ Und noch einmal im Zusammenhang mit den Tumulten „rechter Einflussnahme“ in der alternativen Subkultur. Wir dürfen hier nicht außer Acht lassen, das der Spuk nicht mit dem „Auftauchen der Gothics“ (meiner Art) begann, sondern mit der anmaßenden Intervention des gothischen Keyboarders Bruno Kramm (DAS ICH) gegen DEATH IN JUNE, die sich 1992 im Rahmen des DARK X-MAS Festivals einer vereinnahmenden Politisierung durch Bruno Kramm verweigerten, der es angesichts der rassistischen Ausschreitungen in Hoyerswerda für wichtig befand, dass alle auf dem Festival vertretenen Künstler den von ihm ausgearbeiteten Distanzierungstext unterschreiben sollten.

Dass Neofolk aber auch eine eigene Haltung impliziert, demonstrierte Douglas Pearce mit DEATH IN JUNE zum einen mit seiner Unterschriftsverweigerung und zum anderen mit der Ausarbeitung und dem Unterschreiben eines eigenen Statements.

„ ...abhorring all forms of violence directed at anyone regardless of race, religion or sexuality!“

Mit keiner rechten Unterwanderung, sondern mit einer von Bruno Kramm zum Ausdruck seiner persönlichen „Menschlichkeit“ diktierten Anmaßung und dem Ausschluss von DEATH IN JUNE aus der Veranstaltung, hob die große exorzistische Spaltung an. DAS ICH haben mit ihren inhaltlichen Bezügen zu den Dichtungen Gottfried Benns wirklich herausragende deutsche Tonkunst geschaffen - aber auf eine Diskussion mit Bruno Kramm über meine aufkochende Rechtslastigkeit im Rahmen eines gemeinsamen Weihnachts-Konzertes in Leipzig hatte ich damals auch meinen Bandkollegen gegenüber geäußert, keinen Erklärungsbedarf zu verspüren. Selbstverständlich ging das Konzert ohne Diskussion von Statten, in der gleichen diskussionslosen Selbstverständlichkeit, mit welcher ich auf unserer vorangegangenen Tour mit ATROCITY und DAS ICH und finanzieller Unterstützung Jan van Helsing,s dessen Buch (Geheimgesellschaften) bewarb, welches sich dann binnen kurzer Zeit zum Bestseller entwickelte. Ich könnte mir vorstellen, dass Bruno Kramm nach seinem Rückzug aus der Piratenpartei heute manches anders sieht.

Weiter nun in Sachen Eiserne-Kreuze-Gebrauch. Abgesehen davon, dass dieses im Befreiungskrieg gegen Napoleon 1813 das erste mal gestiftet wurde, bleibt es für mich immer auch eine Bekenntnis-Insignie heimatlicher Selbstverteidigung. Den Erklärungen Stigleggers über den EK-Gebrauch durch californische Surf-Nazis und die Hells Angels in Underground-und Popkultur möchte ich über den WKII. Bezug noch ein WKI. Bindeglied hinzufügen, nämlich den des Baron Freiherrn Manfred von Richthofen in seiner Weltbekanntheit als DER ROTE BARON. Die Popularität Richthofens in seinem signalroten Doppeldecker und der Eisernen Kreuze-Bemalung erreichte ihren popkulturellen Höhepunkt Mitte der 50er und 60er Jahre zuerst im Zeichentrickfilm durch Snoopy (THE PEANUTS) und dann 1966 durch THE ROYAL GUARDSMEN und deren Hits: „ Snoopy versus the Red Baron „ und „ The Return of the Red Baron“ zweier radiotauglicher Nonsens-Ohrwürmer. Erster mit akustischem MG-Feuer und Flugzeugmotoren Untermalung. Für den Amerikaner verbanden sich unser kulinarisches Sauerkraut, der leibhaftige Hitler, das Hakenkreuz, der Rote Baron und das Eiserne Kreuz zu einem ikonographischen Synonym für das Landestypische, das Wagemutige und das tödlich Deutsche. Hier nun eine Verlinkung zu meinem eigenen visuellen Umgang mit dem Eisernen Kreuz:

https://www.youtube.com/watch?v=a6v2wJgs2rg


Neben dem EK wurzelt aber auch der Totenkopf tiefer als das Dritte Reich vermuten lässt. August von Mackensen in seiner Eigenschaft als alter Totenkopfhusar darf seine Totenkopf-Tradition auf Mitte des 18 Jahrhunderts datieren. Kaum jemand Anders im gehobenen Gothic und Rocknroll Bereich nutzten Husaren Totenkopf und Eisernes Kreuz so exzessiv stilsicher und sexy wie Ian Astbury und Billy Duffy mit THE CULT.




Wirkte das übergroße EK auf der unbehaarten Glamrock Brust von Brian Connoly ( THE SWEET) noch wie eine Mid-70er Jahre Reminszenz an ein motorisiertes Easy Rider Gefühl, trug Darby Crash als Sänger der californischen Punk Band GERMS sein EK im Selbstverständnis des eigenen Himmelfahrtkommandos und im textlichen Deutungs-Zusammenhang wohl auch als stellvertretend spiegelverkehrte Kainsmal-Insignie für die humanitäre Unglaubwürdigkeit der Nazi-Besieger Weltmacht USA.



Süße Helden meiner jugendlichen Vorzeit


Darby Crash auf dem Cover der legendären Compilation LP : THE DECLINE OF THE WESTERN CIVILISATION


90er Jahre Rapper mit EK Gebrauch

Es will mir in diesen Zusammemhängen nicht gelingen, KISS ihrer anfänglichen SS-Runen-Ähnlichkeit wegen eine rebellische Grundhaltung zu unterstellen, die über ein Zirkus-Niveau herausreichen könnte. Als meine Mutter mich als 14 jährigen in der Schallplattenabteilung eines Kaufhauses auf die DESTROYER LP von KISS aufmerksam machte, weil sie glaubte, das mich das interessieren könnte, wirkte die Truppe auf mich einfach nur befremdlich und abstoßend, ähnlich wie BLACK SABBATH auf dem Cover ihrer 1975er SABOTAGE-LP, die ich auf optischer Grundlage späterhin, ohne ihre Musik kennen zu wollen, nur als Perverse einstufen konnte. Gegen die rechte Band-Hälfte auf der LP-Hülle von „Sabotage“ sahen Paul Stanley und Ace Frehley als besser gestylte Hälfte von KISS im frühen Nachhinein wieder erträglich aus. Aber mit einem zur Katze geschminktem Schlagzeuger und einem von zu hohen Plateausohlen getragenen Trampeltier mit Fledermaus Anspruch und unbezähmbarer Kräuselfrisur erweckten KISS in mir auch späterhin nur Begleitband-Assoziationen zu Musicals wie Starligth-Express und Cats. KISS waren eine Band für eine jugendliche Großstadtkäuferschicht,- und nicht für die junge Landbevölkerung geeignet, die wie ich auf Beatles, Creedence, Rollers, The Who und Sweet standen. Als der Wirbel um die vermeintlichen SS-Runen im Schriftzug wie so üblich auch renommierte deutschsprachige Zeitungen veranlassten, die Band in reißerischer Manier als „SS Schergen des Rocknroll“ zu brandmarken und ihr einen „faschistischen Gestus“ unterstellten, hatten weder Fans noch die Mainstream-Autoren eine Ahnung von den tragischen Hintergründen der nach Deutschland zurück reichenden jüdischen Abstammung von Stanley und Simmons. Der Mainstream-Journalismus kann den wirklichen Sachverhalten subkultureller Ausschläge in den kommerziellen Musikbereich immer nur posthum oder mit großem zeitlichen Abstand einer Dekade hinterher schreiben - und das auch wiederum meist nur stümperhaft oder basierend auf den musikwissenschaftlichen Arbeiten von echten Zeitzeugen, die nicht am Puls der Zeit messend ihre Eindrücke notierten, sondern aus dem Pulsieren des unmittelbaren Erlebens berichteten.

Der Schockeffekt auf die Feuilletonisten war in der Rock-Musik lange Zeit ein solider Garant, die halbe Miete schon mal einfahren zu können, und dabei markierte die Wegstrecke der Anstoßerregung durch den Lolita affinen Jerry Lew Lewis zum Schockrock von Alice Cooper und KISS noch nicht mal die erste Hälfte des Rocknroll-Feldzuges. Aber war es wirklich je das Establishment,0 das erschüttert wurde durch Punk, NS Bezug, Sexismus und Rock Maskeraden oder doch nur der Establishment-Journalismus, der in entarteter Feinfühlung nicht nach eigenem Empfinden, sondern dem vermuteten Empfinden seiner Leserschaft nach das neueste Schreckgespenst schreiberisch zu bannen oder teuflisch an die Wand zu malen suchte? Auch DER SPIEGEL oder ein anspruchsvolles Kunstmagazin sind aus der Laufperspektive von Zeitungsstand und Kiosk nur Boulevardpresse und dem Straßenstrich nicht unverwandt. Das Nächste, was nach der Abschiedstournee von KISS passieren wird, ist deren Musicalisierung. Am Ende frisst nicht die Revolution ihre Kinder, sondern das tyrannosaurische Musical Monster die Zauneidechse des Rocknroll.
An unserer Hauptschule kursierten Gerüchte, das es irgendwo in der Gemarkung einen ebenso einsamen wie beinharten Kiss-Fan geben sollte, der zudem eingetragenes Mitglied der KISS ARMY war und über einen entsprechenden Ausweis verfügte, was uns absonderlich mutete. Niemand im Dorf hätte sich offen dazu bekannt, KISS zu hören und nirgendwo in den Kinder-und Jugendzimmern habe ich damals je ein Poster von KISS hängen sehen. Eine KISS-ARMY konnte ich mir beim besten Willen nur als ästhetische Katastrophe vorstellen.


Ungelenker Cancan Tanz-Versuch auf stilisiertem Pflasterstein-Haufen


Und schon wieder ein entartetes Sig-Rünchen ?
(oder von oben nach unten betrachtet ,sogar ein Doppel?)

Mit dem Cover von Black Sabbaths Sabotage-LP, ging meine Verweigerung einher, mich jemals mit der Musik der Gruppe beschäftigen zu müssen. Während Tony Iommi und Geezer Butler mir ihrer Erscheinung nach noch den Eindruck erweckten, nach dem sonntäglichen Gottesdienst mit der hintersten stehenden Reihe unserer männlichen Kirchgänger in die gegenüber der Dorfkirche gelegenen Kneipe wechseln zu können, fixierte meine kranke Phantasie Ozzy Osborne in wehender Damengwandung mit Bill Ward in roter Rumpelstilzchen Strumpfhose zwischen Kirche und Kneipe auf das offene Spielfeld der Dorftraße - umringt von skeptisch interessierten Kirchgängern eines an sich liberalen Menschenschlages, dem der extravagante Aufzug der beiden Musikanten jedoch wie ein biblischer Gräuel der Verwüstung zu muten schien. Zwei Perverse, über deren musikalischen Background man nichts wusste und deren Erscheinungsbild sich an die Erzählungen und Phantasien von Rauschgiftsüchtigen Kinderfängern koppelte um Ekel, Unbehagen oder auch heimliche Sexualphantasien in der Gemeinschaft der Kirchgänger zu generieren. Widerliche Typen. Hätte man nur einen der Beiden in eine Verbindung zur Rote Armee Fraktion bringen können, unsere wehrhaften Katholiken hätten sich zu härteren Maßnahmen greifend ins Mittelalter zurück gewünscht. Während Tony Iommi und Geezer Butler ihrer optischen Zugehörigkeit zu den Edelprols des ehrbaren Handwerks wegen mit den Wochenendsäufern der dörflichen Ü-30 Vertreter in der Dorfkneipe zum Zwangs-Bruderschaft trinken verpflichtet wurden, trieben die von ihren Eltern und Großeltern aufgestachelten Dorfjugendlichen den verstörten Sänger und Schlagzeuger unter Hieben und Tritten auf den Dorfplatz hinaus, wo die Kirmesbuden gerade öffneten und das Autoscooter sich noch gedulden musste, weil es gerade wichtigeres für die aufgeheizten Jugendlichen zu tun gab. Die Dorfjungfern und Ältesten indes suchten das Wehklagen der fremdartigen Musikanten per apostolischem Glaubensbekenntnis in Sprechchorhafter Monotonie soweit zu übertönen, dass der christliche Charakter des Sonntags zumindest dem akustischen Anschein nach gewahrt blieb.

Mit der anlaufenden Zuckerwatten Produktion, suchte auch der Geruch von gebrannten Mandeln den Furor der Dörfler mit Lust auf Süßes zu unterwandern. „ Hey, hey hey, what a beautiful day„ und „hi hi hi, beautiful sunday“ tönte es aus den Lautsprecherboxen des in die Gänge kommenden Autoscooterbetriebs. Kinder lutschten an Zuckerstangen, während der hellbeige Schotterboden den britischen Nasenblut-Klecksen schon langsam wieder die Feuchtigkeit entzog. Lädiert und verstört durften Osborne und Butler schließlich das Weite suchen - der eine auf seinen Plateausohlen stacksend, das Rumpelstilzchen in seiner zerriebenen Strumpfhose, ohne Schuhwerk ungelenk über die spitzen Steinchen des Dorfplatzes davon schaukelnd, von einer Staub wirbelnden spöttischen Mofa-Eskorte flankiert. Man kann nicht sagen, das es Iommi und Butler ihrer körperlichen Unversehrtheit wegen besser erwischt hätten. Die männlichen Stammtischler schienen die beiden Engländer wie eine Art menschliches Treibgut zu betrachten, auf dessen Besitz sie Anspruch hätten. Alles jedoch in einer Art säuferisch fremdelndem Wohlwollen zwischen Neugier und grundsätzlicheren Vorbehalten gegen das Fremde pendelnd. Noch generierte sich die von den Eingeborenen erzwungene Saufkameradschaft aus einer Art dörflicher Ehrenhaftigkeit wie gegenüber einer abgeschossenen englischen Fliegerbesatzung. Ein bäuerlicher Kriegsveteran von geheimer homosexueller Prägung hätte wenigstens einen der Musikanten unter dem Vorwand einer Fremdarbeiter-Verwendung gerne mit heim genommen, fürchtete aber zu sehr um das Auffliegen seiner unchristlichen Neigung und hegte keinen Einwand dagegen, als die Beiden vom Fleischermeister zum baldigen Mittagessen im Familienkreis eingeladen wurden, weil dessen Sohn mit Aussicht auf Realschulabschluss sich als Übersetzungshilfe unentbehrlich gemacht hatte. Sauerbraten würde es geben und Klöße. „ähh ,...Angry Roastmeat with..ähh... Potato Balls!“

BLAUMUSCHEL-KULTIGE ANSTÖSSIGKEITEN
Als hoch interessant empfand ich das erst in den 80er Jahren von mir wahr genommene Coverartwork von BLUE ÖYSTER CULT,s „ Secret Treaties“ von 1974. Eine Deutsche Messerschmitt ME 262 nicht nur zum optischen Brennpunkt der Cover Vor-und Rückseite zu machen, sondern in einem eigenen Stück auch noch den Luftkampf aus Sicht eines deutschen Piloten zu thematisieren - das war schon ungewöhnlich.




In keinster Weise Westcoast-Rock-affin war es für mich interessanter, die okkulten Bezügen der Band und inhaltlichen Aussagen der Texte zu studieren. Der Okkultismus Blue Öyster Cult,s generierte sich im Gegensatz zu dem von Black Sabbath aus einem tieferen Verständnis für Spiritualität, Esoterik und dem Thematisieren von Übersinnlichem, Außerirdischem und Science Fiction- Themen, sowie dem Nachspüren menschlicher Seinsfragen. Scheinbar kryptofaschistische Anleihen symbolischer und inhaltlicher Natur verstand die Band vermutlich als künstlerische Opposition zur auslaufenden LOVE & PEACE Plakativität ihrer hängengebliebenen Hippi-Zeitgenossen. Sandy Pearlman als Texter, Inspirator und Produzent der Band zeichnete sich 1978 für den für seine Zeit bisweilen gewaltig harten Sound der zweiten CLASH LP „ Givem enough Rope“ aus.

Über die konzeptuelle Wucht der ersten drei Alben schrieb Tim Sommer (Observer Music) wie folgt: „The startling sleeves of those first three albums, with their strange,(largely) black-and white designs that hinted at a cold psychedelia and steely fascism, totally lived up to their promise, the tracks sound like a bad but just manageable LSD trip (assuming the trip took place at the Reichs Chancellery on the Wilhelmstraße, and assuming the Wilhelmstraße was a long, wide road taking you away from Woodstock as fast as possible)!“


Öystercult Kreuz /Kronos Sichel

EINE VERSTÖRENDE KLEINE EXKURSION ZUM ERSCHRECKLICHEN INSIGNIEN-GEBRAUCH IN ROCK UND POP UND SUBKULTUR.

Ich muss nicht nochmal erwähnen, was von Markus Stiglegger schon ausführlich beschrieben wurde. Auch den Todesblei-Sektor lasse ich aus und alles, was im Eindeutigkeitsbereich der totalen Wiederbetätigung seine inflationäre Ikonographie auf unterstem Niveau betreibt. Mich interessiert besonders, was meinem eigenen
Geburtsnebel noch anhaftet, aus den planetarischen Einflussregionen der protagonistischen Jahrgangsvertreter der 40er,50er und 60er Jahre, in all der Nebulösität dessen, was aus den 20er, 30er und 40er Jahren noch zu uns rüber wehte als Leichentuchfühligkeit dessen, was unsere Eltern in ihren Überlebensstrategien noch verneinen, verdrängen oder ignorieren mussten.
Man kann das alles in journalistischer Weise nicht so ungelenk und primitivistisch betreiben, wie es die antifaschistische Schreibschule in ihren Bemühungen zu handhaben versucht. Auch der Umgang jüdischer Exorzisten mit ihren eigenen Problemkindern im Punk- und Protopunk-Geschehen von New York um Mitte der 70er Jahre wirkt in seiner Anklage brüchig und die tiefere Wirklichkeit vieler Verdächtiger im Seelischen nicht miteinbeziehend. Das fehlen jedweden Gegenpol- Verständnisses generiert den Kritikern die schreiberische Aura extremer Unzuständigkeit. Um den kritischen Beobachtern gegenüber in unangenehmer Weise auffällig zu werden, muss man nicht einmal mehr einen Insignien-Zauber veranstalten, es reichen schon das Wählen der Konservativen in England, ein wenig Patriotismus hier und woanders ein paar Vorbehalte gegen zu viel Einwanderung, um etwa den grandiosen Morrissey vor dessen schöpferischer Hochwertigkeit, als einen primitiven nationalistischen Rassisten anzuprangern, was auf Dauer nicht funktionieren kann. Das ausgerechnet das Urbild des Schock-Rockers Alice Cooper einen christlichen Gegenpol und einen gewissen Grad an Konservativismus pflegt, ist seiner uranischen inneren Spannbreite geschuldet, die das Gegensätzliche pflegt, statt eine innere Zerrissenheit zu betreiben. Rod Stewart als schillernde Ikone des Bristish Rock wird seinen Respekt gegenüber Enoch Powell so schnell nicht verleugnen - zumal auch Powell eher eine konservative Leuchte als ein politischer Dunkelmann war. Die Kritiker verzweifeln am „ Master Race Rock“ der fast komplett jüdischen New York stämmigen Proto-Punker THE DICTATORS oder an der Zweiteilung der RAMONES in einen jüdischen und einen Deutsch-Amerikanischen Sektor, zwischen jugendlicher Vergangenheitsbewältigung, militärisch orientierter Kompensation und amerikanischem Patriotismus seitens Dee Dee und Johnny, und der jüdischen Abstammung von Joey und Thommy Ramone. Als Richard Leviathan (Levy) sich Mitte der 90er Jahre mit seinem Neofolk Projekt STRENGTH THROUGH JOY (später OSTARA) betätigte, ließ sich auch der Neofolk nicht mehr so einfach über einen dumpfnationalen Wiederbetätigungs-Kamm scheren.

Man muss damit aufhören, das ganze Geschehen um Deutsche Namens-Provokationen, Insignien-Spiel und Weltkriegs-Memorabilia zur kritischen Ehrenrettung des Genres durchweg dem Nihilismus zuschreiben zu wollen. Lynn Rovner, die Sängerin von DESTROY ALL MONSTERS, bescheinigt den amerikanischen Ur-Gesteinen in Punk und Rocknroll eine dem seelischen Notstand geschuldete viel näher kommende Erklärung, welche sich auch auf die subkulturelle Mentalität speziell in Deutschland in fast schon verallgemeinernder Weise übertragen lässt, weil den Krieg eigentlich nur England und deren Jugend verloren hatte, woraus sich ganz andere psychologische Grundlagen ergaben.
„...they,re very sensitive and terrfied people. Everyone of them I knew - they were just generally terrified !“

Wie viel psychologischer Selbstschutz-Reflex spielt in die Härtegrade von NS Ikonographie Gebrauch und Sammelleidenschaften, wenn wir die jüdischen Abstammungen oder einfach nur die verdrängte Sensibilität vieler Künstler all dem Zugrunde legen? Und was sagt es von den internationalen Sammlermärkten abstrahlend über die westliche Kulturglaubwürdigkeit aus, wenn original Autographen des Deutschen Widerstandes oder Memorabilia des Antifaschismus nur schleppenden bis gar keinen Absatz, geschweige denn Interessenten finden, während der NS-Memorabilien-Handel seit den 70er Jahren kontinuierlich Rekorde bricht? Kaum jemand interessiert sich für die interessanten Zeitdokumente weder des zivilen noch des militärischen Widerstandes. Ist es am Ende nicht doch nur die schwarze Magie der perfekten Corporate Identity, die einer Weltanschauung anhängend den magnetischen Anziehungsmoment generiert? Vielleicht spiegelt sich in der „unmoralischen“ Handhabe vieler Rockmusiker mit NS-Insignien doch nur die moralische Unglaubwürdigkeit und Scheinheiligkeit eines Establishments wieder, welches seine subtileren Schandtaten unentwegt unterm Teppich der Schattenverdrängung festzutreten gewohnt ist. Lassen wir nun die EK und NS Auffälligkeiten im geschichtlichen Rock-und Pop Verlauf in ungeordneter Folge nun einmal locker Revue passieren.

ELECTRIC EELS: Proto-Punk Band aus Cleveland Ohio ( 1972-1975) mit terroristischem Kunst Anspruch und extremer Swastika Handhabe zur Provokation von Gewalt und Verstörung bei den seltenen Live Auftritten.

JOHNNY THUNDERS: Proto-Punk Gitarrist, New York. Die einzigen ihm journalistisch anhaftenden Auffälligkeiten dürften zu NEW YORK DOLLS Zeiten das Tragen einer Hakenkreuzarmbinde 1973 und ein Reichsadler T-Shirt mit offener Swastika gewesen sein. Keine politische Motivation oder weltanschaulich grundierte Provokations-Absicht.

IGGY POP & THE STOOGES: Gitarrist RON ASHETON war leidenschaftlicher Sammler von NS-Memorabilia, pflegte in historisch detailgetreuer SA Uniform aufzutreten und auswendig gelernte Hitlerreden inbrünstig vorzutragen. Iggy Pop, von jüdischer Herkunft, ging das Nazi Thema in seiner späten Karriere ein wenig anders an. Die Ballade „Nazi Girlfriend“ bezieht sich auf seine Liaison mit der deutschstämmigen Velvet Underground Sängerin und Warhol Muse NICO ( Christa Päffgen).

DAVID BOWIE: Bis Ende der 70er Jahre fleißiger Sammler originaler NS-Abzeichen und historischer Relikte mit NS-Bezug vor esoterisch, okkultem Interessens-Hintergund. Kein öffentlicher NS-Abzeichen Gebrauch. Eher durch Gestik, Farbwahl, Ästhetik Stil und Text auffallend. Besonders in seiner Thin White Duke Phase angenehm sexistisch und schillernd faschistoid. Ein dem Flash and Circle Logo der Union of British Fascists angelehntes Blitz-Symbol nutze Bowie schon während der Aladdin Sane Phase, 1973.

BRIAN FERRY: Eher zu gehobener NS-Kunst tendierend. Faschistoide Architektur und Riefenstahl Affinität von geschmackvollem Dandyismus getragen. Ein Konzert in der Münchner Olympiahalle in den 70er Jahren soll Ferry mit der speziellen Gruß-Geste eröffnet haben. Kein Insignien Spiel, eher mit ästhetischen Anleihen im Cover Artwork spielend. Feiner Kerl.

GEORGE HARRISSON: Seine Londoner Villa soll ein Hitler Ölgemälde in Lebensgröße geschmückt haben. Möglicherweise betrachtete auch Harrisson Hitler hier eher im Sinne eines indischen Kalki. Keine weiteren Auffälligkeiten.

BLUE OYSTER CULT: Deutsche „ME 262“ und Sichelkreuz Gebrauch in schwarz weiss rot. Okkultismus und Esoterik affin. Deutliche Abgrenzung zu verkifften Westcoast Szene. Keine weiteren Auffälligkeiten.

THE SWEET: Gelegentlicher Eiserne Kreuze Gebrauch im Sinne rockender Easy Rider Fröhlichkeit.

SURROGAT: Auf der 2000 erschienenen „HELL IN HELL“ Single gebraucht die Gruppe das stilisierte EK, in Rock-Kliche verarbeitender deutscher Intellektualität, frei von Verdachtsmomenten. In diese Auflistung auch nur als Zaungäste mit „gutem“ Leumund gehörend.

KISS: Typographische Anleihen an SS-Runen. Jüdischer Background.
Schockwirkung auf Zirkus Niveau.

RICHARD HELL / TELEVISION, HEARTBREAKERS, VOIDODS: Desinteressiert an seiner halbjüdischen Herkunft soll auch Hell einstmals Sammler von NS-Memorabilia gewesen sein.

BLONDIE: Gründer und Gitarrist Chris Stein, jüdischer Abstammung. NS Memorabilia, Militaria, Waffen und Okkulta Sammler. Literarische Affinitäten zu Aleister Crowley und Austin Osman Spare. Feiner Kerl und als Debby Harry Partner sowieso beneidenswert.

SLAYER: Zum Teil jüdischer Background, typographische Spielerei und textliche Geschmacklosigkeiten mit möglicherweise unterirdischem Anliegen. Ich kann mit denen nichts anfangen.

PETTY SMITH GROUP /Gitarrist: LENNY KAYE, laut Vivian Goldman trotz oder wegen seiner jüdischen Abstammung Sammler von NS-Artefakten.

MALCOLM MC LAREN: NEW YORK DOLLS und SEX PISTOLS MANAGER jüdischer Abstammung, adoptierte die Hakenkreuz-Armbinde mit ebenso provokanter wie kommerzieller Absicht zur musikalischen Brennpunkt Verlagerung von New York City nach London.

DEE DEE RAMONE: Als Sohn eines amerikanischen GIs und einer deutschen Mutter sind die NS-Bezüge in manchen seiner Texte eher der autobiographische Verarbeitung seiner Kindheit im Nachkriegsdeutschland zu zuschreiben. Eine „enthusiastische“ Sammelleidenschaft für NS-Memorabilia soll bestanden haben.

JOHNNY RAMONE: Ebenfalls der nicht jüdisch-stämmigen Hälfte der Ramones zugehörig soll Johnny einem signiertes Hitler Portrait seinen Ehrenplatz in Kaminnähe eingeräumt haben, großer Waffen-Fan gewesen sein und kein Freund der Antifa.

SEX PISTOLS: HK T-Shirt mit „DESTROY“ Schriftzug zur radikalen Herausstellung der neuen Stunde Null. Störung der Ordnung und Zerstörung „in order to create“. Finale Rocknroll-Swindel Selbst-Zerstörung in gespielter Martin Bormann Begleitung und distanzierter Abwesenheit von Johnny Rotten. Johnny nunmehr Lydon erregte wegen Tragens eines MAGA T-Shirts jüngst das Unverständnis der Rock-Spießer.

SID VICIOUS : Hakenkreuz T-Shirt in schwarz weiss rot. Punk Provokation zur Scheidung der Hippi Geister und Selbstzerstörungs- Insignie zum Rocknroll Kollissionskurs.

CIRCLE OF SIG-TIU: SIG-und TYR-Runen Nutzung und Interesse an heidnischer und christlicher Religösität zur Nebenher-Provokation der deutschen Punk Gemeinden. Warum noch ein Establishment verunsichern wollen, wenn neue Gegnerschaften sich aus dem eigenen Genre heraus ergeben?

THROBBING CHRISTLE: Der Uniform Gebrauch dieser revoltierenden Ausnahmeformation wird vom Autoren Duo Dahn/Mausfeld nicht als kokettieren mit dem Faschismus, sondern als „direkteste Konfrontation“ gedeutet. (Jesses Maria, diese Designer mit ihren Affinitäten zur Begradigung des Industrial-Images) Das blitzende TG Logo ist dem von Mosley,s British Union of Fashists nicht unähnlich. Todesfabrik, Störgeräuche, Industrial, Faschismus, Naziselbstmord, Pornographie. Ein gelegentlich Blick auf das: NUCLEAR WAR NOW! „ T-Shirt von Orridge lässt mich bisweilen romantische Zuflucht finden vor den gutmeinenden Neuerungen der heutigen Engagements-Zudringlichkeiten. Schwerer zu handhaben für den mit hohem Kunstanspruch gesegneten Freund der Industrial-Arts dürften die für mich nachvollziehbaren ethnische Vorbehalte TG,s gegen Teile ihres frühen nachbarlichen Umfeldes gewesen sein.


PATTI SMITH: Fotosession-Posing mit Deutschem Kriegsverdienstkreuz 2ter Klasse ohne Schwerter, eher versehentlich, ohne weltanschaulichen Hintergrund.
Textschreiberische Tätigkeit für BÖC,sSecret Treaties“ LP.

LOU REED: Rasiertes EK auf Kurzhaarfrisur in seiner Jugendzeit und „I believe in the iron cross“ Textzeile auf „I believe in Love „ ohne weltanschaulichen Bedeutungshintergrund, bei jüdischer Abstammung.

THE GERMS / DARBY CRASH: Eisernes Kreuz am Halse zur symbolischen Untermalung seiner konsequenten Selbstzerstörung.

THE CULT: Eiserne Kreuze und SS-ähnlicher Totenkopf-Gebrauch in geschmackvoll ästhetischer Easy Rider Gefühlsanbindung.

MOTORHEAD / LEMMY KILMISTER: HK und Eiserne Kreuze Gebrauch schon vor Mitte der 70er Jahre. Exzessives Sammeln von NS-Memorabilia ohne weltanschauliche Anbindung. 0Alles eher auf Geschichtsinteresse und einer Faszination für deutsche Wehrtechnik basierend.

SKIDS: Typographische Anleihen an SS-Runen im Bandnamen-Design. Statt plakativer EK Nutzung feinere Ingebrauchnahme seltenerer NS-Abzeichen durch Stuart Jobson. NS-Gebrauchsgrafik und modischer Dresscode im Stil der 30er Jahre aus historisch, ästhetischer und künstlerischer Motivation heraus,mit willkommener Inkaufnahme von Missverständnissen. Antinazistisch, nonfaschistisches Selbstverständnis. Interessant die Affinität zu maskuliner NS-Ästhetik im Künstlerischen, bei gleichzeitiger Ablehnung maskulinen Machotums in der Lebenswirklichkeit. Jobson erschien mir in angenehmer Weise wie die Reinkarnation eines Lawrence von Ararbien. Das Europäische ist auf „The Absolute Game“ noch gegenwärtiger als auf „Days in Europa“. „A Women in Winter“ eine hymnische Verarbeitung der deutschen Ostvertreibung. Titel wie „Blood and Soil“ (Blut & Boden) in Verbindung zum Albumtitel „JOY“,- bzw „Strength Through Joy“ließen die Kontroversen um die weltanschauliche Verortung Jobson,s nicht abreißen,- bleiben aber in der Tiefe ihrer Anliegens-Verortung künstlerischer Ausdruck unplakativ starker Geschichtsverarbeitung und tief empfundener Menschlichkeit.

THE STRANGLERS / „People would say what a bunch of horrible homosexual nazi thugs we were :-) „ Diese Aussage J.J.Burnel,s in einem 2016 geführten Interview lässt den Kontroversitäts-Background der Stranglers dezent erahnen. Die wehrhaften Gewalttätigkeiten der Stranglers wurden aber immer von deren musikalischer Größe und hohen Intelligenz so gut ausgeglichen, dass auch die fasci-nierenden Schwarzhemden-Flirts Burnels und die Reminiszenzen an den göttlichen Yukio Mishima die grundsätzliche Freisgeistigkeit der Gruppe nie ernsthaft in Frage stellten. Seltsamer Weise ist der offizielle Video Clip von „LA FOLIE“ nicht mehr verfügbar, in welchem Musik und Text visuell untermalt von geschmackvoll männlichem Chic der 30er 40er Jahre zum Tragen kommt.

PURPLE HELMETS: Stranglers Side-Projekt. Im Artwork mit deutschen Stahlhelmen des WK II. spielend. Psychedelische Hintergründigkeit zwischen Reminiszenzen an Beat Ära und Motorbiking

ANGELIC UPSTARTS: Anfänglich noch provokanter Gebrauch von HJ- Armbinden und faschistischem Style, mit Stiefeln, weißen Hemden und Krawatte vor leninistisch-marxistischem Arbeiterklasse Hintergrund. Heute betonter denn je antinazistisch, internationalsozialistisch.

KULA SHAKER/Crispian Mills: Indisch geprägte Swastika Phantasien ohne politische Anbindung. Unplakativ dezentes antifaschistisches Selbstverständnis.

SIOUXIE AND THE BANSHEES: Anfängliche Affinität zu deutschen Uniformen. Hakenkreuz-Armbinde und textlichen Provokationen. Früher Wechsel zu Zitaten antifaschistischer Kunst von John Heartfield (Helmut Herzfeld) und späterer Hinwendung zu Davidstern-Gebrauch.

BILL NELSON,S RED NOISE : Faschistoide Uniformierung zur ästhetisch kühlen Unterstreichung dystopisch, Orwellscher Text-Inspirationen.

LAIBACH: Ja,ja - meinetwegen dann eben nur „Neue Slowenische Kunst“ und „militärische Über-Affirmation“.

DEATH IN JUNE: SS-Verwandte Totenkopf-Symbolik, Runen, Waffen-SS-Camouflage, in fester Treue zur eigenen Schöpfung in künstlerischer Eigenständigkeit und Abendländischer Originalität.

DER BLUTHARSCH: Eiserne Kreuze, Deutsche Schlagwort-Nutzung und einstmals wohl auch in Besitz von NS-Memorabilia. Ästhetisch maskuline Überbetonung ohne tieferen Hintergrund. Interessante Psilocybin Transformation des Eisernen Kreuzes nach Übergang der militärischen Phase ins Psychedelische.

TURBO NEGRO: Spielerisches Nazi und Homosexuellen-Image mit EK Deko, Glamour Stahlhelm des WKII., SS-Offiziersmütze, Denim Jeans Gebrauch und weltweiter „TURBO-JUGEND“ Anhängerschaft für die der Spaß aber leider schon wieder aufhört, wenn der ex Sänger sich mal mit privateren Sichtweisen zu Wort meldet.

MARYLIN MANSON: Ästhetische NS-Anleihen und das Sammeln von NS Relikten aus eher pathologisch obskurer Leidenschaft heraus und das Faible für okkulte NS Finsternis ins satanistische Selbstverständnis bettend. Hier will einer jene Rock-Finsternis konsequent vorexerzieren, welche die Rocknroll-old School auf der Ebene der Vordergründigkeit möglicherweise nur vortäuschen wollte. Obgleich mittlerweile das Nebeneinander von Gut und Böse stärker thematisierend, ist mir Brian Warner persönlich noch zu sehr im Eindeutigkeitsbereich LaVey,scher Energieanbindung verortet und möglicherweise einfach nur eine talentierte Kotzbrocken Persönlichkeit.

BOYD RICE / NON: Ernsthafter Runen und Insignien-Gebrauch auf Basis originell misanthrophisch philosophischer Hintergründigkeit und intelligenten sozialdarwinistischen Spitzfindigkeiten.

GLENN DANZIG: Nur geringfügiger EISERNE KREUZ Einsatz bei ernsthaftem Interesse an Geschichte und Okkultismus mit NS Bezug.

GUNS,N ROSES: Bis auf SS-Adler mit überklebtem HK über dem Backstageausweis im „Paradise City„-Video keine weiteren Auffälligkeiten.

BLOOD AXIS: Kein jugendlicher Eiserne Kreuze Zauber, sondern Kruckenkreuz-Gebrauch mit anspruchsvoll philosophisch, heidnischer Hintergründigkeit und hoher Intellektualität.

ROLLING STONES: Frühzeitlicher Mutterkreuz-Gebrauch und Auftritt Keith Richards mit offener Wehrmachts Uniform Jacke. Hochzeitsbesuch Richards bei Mick und Bianca Jagger 1971 in voller SS Montur. Brian Jones in SS Uniform zu Foto Session mit Anita Pallenberg. Nur noch selten zu sehen ist eine farbige Ölgemälde Wiedergabe, auf welcher die Rolling Stones (abgesehen von Mick Jagger in Strapsen) sich in formschöner SS-Uniform mit ebenso verboten jungen wie nackten Mädchen präsentieren bzw. vom ausführenden Künstler in dieser Weise dargestellt wurden.

IAN CURTIS/ JOY DIVISION: Ästhetischer Hang zum Ansammeln von NS Memorabilia, kein offenes Insignien Spiel, NS Grafik Gebrauch bei gleichzeitiger inhaltlicher Distanzierung zum Nationalsozialismus. Kritische Fans und musikjournalistische Exorzisten tragen schwer an der Tatsache, dass Ian Curtis Wähler der Konservativen war. FINAL SOLUTION nannte sich die Konzertagentur, die neben Joy Division vielen Pionieren des Industrial zu ersten Auftritten verhalf.

THE WHO / ROGER DALTREY: „You just need a hitler figure, internationally, for kids

KEITH MOON: Afrika-Korps-Uniform zum nächtlichen Party-Gebrauch mit Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern. Philosophischer Hintergrund? Viva Rocknroll Fascism!

JIMMY PAGE: SS Teil-Uniformierung, mit exzessivem Insignien-Spiel des LED ZEPPELIN Gitarristen, basierend auf einem Faible für die okkulte Seite des NS.

METALLICA (JAMES HETFIELD): EK Design auf verschiedenen Gitarren Headfields im herkömmlichen Rocknroll Verständnis.

STUKA PILOTS: Laut Punk-Archäologen eine Berliner Punkband der Jahre 1977/78 mit Auffälligkeiten durch NS-Provokationen.

IRON CROSS: Stilprägende Hardcore Band aus Washington DC, Anfang der 80er Jahre. Stilisierter EK Gebrauch.

THE BEATLES/JOHN LENNON: Zeichnerische Selbstportait-Betätigung Lennons als Hitler „Heil Lennon“ betitelt. Deutscher Gruß bei frühen Auftritten in Hamburg. Neben Ghandi und Jesus auch Hitler-Papp-Figuren-Wunsch für Stg. Peppers Album Art Work. Jesus und Ghandi ausgeschieden. Hitler hinter Band versteckt, unsichtbar, anwesend, im Raum stehend. Für diejenigen, welche „IMAGINE“ als Lennons Evangelium betrachten, eine nur schwer nachzuvollziehende Tatsache, dass ihr Botschafter des Friedens auch finstere Gegengewichte mit im Repertoire hatte.

LEONARD COHEN: Salonfaschistoide Gefühlswallungen in ästhetischer Anbindung zu Dandyeskem Poetentum, zur Mitte seiner 50er Jahre. Über so ziemlich alles erhaben. Leider keine weiteren Auffälligkeiten.

ROY ORBISON: Halskette mit Eisernem Kreuzchen in zarter Rocknroll Anfühlung.

VON THRONSTAHL: Zwangsneurotisches Tragen eines EK ab dem Alter von 13 Jahren als posttraumatisches Verhaltensmuster durch frühkindliche Konfrontation mit der kosmischen Urknall-Theorie und der sich anschließende Rückerinnerung an die in nachgefühlte Expansion des Universums. Globale Bewältigung von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Ewigkeit. Amen! Letzter EK Einsatz: Filmball München, Bayrischer Hof 2014.

OHL, OBERSTE HEERESLEITUNG: Keine Insignien-Spielerei,sondern agressive Geschichtsbewältigung. Soldatische, militärische und politische Schwerpunktsthematiken. Sich sowohl gegen Links- als auch Rechtsextrem positionierend und eher im Selbstverständnis des militärischen Widerstands verortet.

RAMMSTEIN: In stilistischer Anlehnung an das Laibach,sche Kreuz und in freier Artverwandschaft zu Haltung und Stilistik der strengen Jugoslawen etablieren die ostdeutschen Befreier eine über jegliche rote Sternhaftigkeit im Punk- und Rock-Zirkus erhabene Balkenkreuz Variante. Hier bricht sich die prähistorische Rocknroll Provokation, um das bereinigte Deutsche auf eine höhere Seins-Stufe zu spielen.

Was Napoleon für die Französische Revolution war, wurden Rammstein für die Rock-Revolte. Hier endet der Aufstand und rechtmäßige Herrschaft beginnt. Das Eiserne Kreuz ist Bundeswehr.




Wie verstörend muss das alles jenen muten, die Punk, Underground und Abgründiges nicht aus eigener Erfahrung, sondern nur aus der verwursteten Übersetzung von Kulturarbeitern auf Frühstücksfernsehen-Niveau dargeboten bekommen. Und Frühstücksfernsehen endet für mich nicht zum Mittagsmagazin auf ARD oder ZDF, sondern nach der Menstruations-Kunst Doku auf Arte im Nachtprogramm. Großes Befremden. Soviel Eks, soviel SS, soviel Riefenstahl-Film und Albert Speer-Architektur und so viele verstörte Musikanten jüdischer Herkunft. Wohin mit dem Gefühl einer wohligen Nostalgie-Anbindung in die Sphärenbereiche eines besseren Rocknroll Gewissens, angesichts all der Abgründe, die sich hier auftun und den empfundenen Abartigkeiten auf der Richterskala des feineren Geschmacks, der sich nach den Wohlfühlregionen weltanschaulicher Eindeutigkeit sehnt. Wohin aber haben sich die Grenzen der Abartigkeit mittlerweile verschoben, wenn alles, was einmal Underground war und gewolltes Herausstellungsmerkmal gelebter Andersartigkeit, heute Mainstream ist und aus der rasanten Fließgeschwindigkeit seiner mitreißenden Stromschnellen heraus noch Appelle der Akzeptanz an die Uferpromenaden derer verschießt, die sich auf ihre älteren Tage entschieden haben, lieber wieder am Ufer verweilend stehen zu bleiben in ihrer als Rückständigkeit missverstandenen Regungslosigkeit? Von den abschmelzenden Gletschern der alten Ordnung angeschoben, müssen zuerst einmal die von sendungsbewussten Irren und schrägen Heiligen gerittenen Moränen der Zeitgeistigkeit sich tobend zu Tal stürzen - bis sich aus dem monströsen Schmodder neuer menschlicher Mischwesenhaftigkeiten irgendwann wieder echte Individuen herausschälen, die dann keiner Ganzkörpertätowierung mehr bedürfen, um über ihre Haut hinaus zu sich Selbst finden zu können. Wer hätte Damals geahnt, dass die kleine subkulturelle Freakshow, die wir veranstalteten, im in Kraft treten vor der bleichen Kontrastwand der Normalität und dem Paradigmenwechsel der Umwälzungs-Prozesse, die wir selber verkündeten, einmal den neuen gesellschaftlichen Normalitäts-Maßstab eines menschelnden Affenzirkus bilden würde? Man muss aus sich Selbst heraus soviel Kontrastmittel generieren, um sich wieder abheben zu können vor soviel bunter, mit Majoritätsanspruch daher kommender Scheiße in Flachbildschirm Farbqualität. Vielleicht müssen wir irgendwann auch darüber reden, dass es in Deutschland immer mehr junge Menschen gibt, die nie davon geträumt haben, Feuerwehrmensch, Kunstmaler, Sänger oder Comiczeichner zu werden, aber mit 16 schon eine Art Heißhunger danach empfinden, einmal BWL, also Betriebswirtschaftslehre, zu studieren – ernsthaft, aus höchster nüchterner Überzeugung heraus, ohne von einer Leidenschaft befeuert worden zu sein. Wie vernünftig. Aufs Katasteramt wollen, Rockmusik lieben und Leserbriefe an die Rolling Stone Redaktion schreiben, um Schreibfehler in Plattenkritiken zur verbalen Anzeige zu bringen. Das ist es, was die Gegenwart rockt.


Näher an der Wirklichkeit aber ist das verkappte Katasterbeamtentum im ausführenden Rocknroll-Betrieb selbst. Vielleicht müssen die Exorzisten, Schriftgelehrten und geistigen Erbverwalter der reinen Rocklehre zusammen mit den Sozialpädagogen und den antifaschistischen Reinigungskräften der ehrenamtlichen Zunft einfach lernen damit zu leben, dass Rock und Pop und Subkultur über allen weltverbessernden missionarischen Eifer hinaus in den finsteren Basisbereichen des schöpferischen Wirkens nicht nur ein Spiegel der Zeit und der gegebenen Verhältnisse sein darf, sondern auch und gerade in spiegelverkehrter Weise die verdrängten psychologischen Untergrundregionen der Gesellschaft mit aufzuwühlen und zu verarbeiten bestellt ist - und das geht nicht, indem moralische Instanzen dafür werben, die Ausscheidungsprozesse vor die Verdauung zu setzen und diese wiederum vor die Berührung durch die menschlichen Sinnesorgane, den Forschungsdrang, das Abenteuer und auch den Mut sich zu verirren. Das ganze wertvolle Menschheitsgewürm tut doch unentwegt nichts Anderes, als den geistigen Humus der Welt und damit auch all die von Menschen hinter sich aufgeworfene weltgeschichtliche Altlast in permanenter Kleinarbeit aufzulockern und zu verarbeiten in seiner schweren Verdaulichkeit. Diese Drecksarbeit zu leisten kann so verkehrt nicht sein. Und die Soundtracks, welche sie sich in Begleitung der Drecksarbeit erschafft, müssen das Recht haben Anstoß zu erregen.

VIVA ROCKNROLL RESERVISMUS
Die Spannbreite der darzustellenden Wirklichkeit ist eine Andere geworden. Die missionarische Jüngerschaft der alten Tabubrecher markiert jetzt selber die neuesten Tabuzonen, pflanzt Baumschulen „höherer“ Gewissenhaftigkeit und diktiert neue Richtlinien zur Begradigung der Welt. 1000 nachwachsende Schwermetall Gitarren und Schlagzeuge werden mit ungeheurer Wattstärke dagegen anblasen, dass sozialpädagogische Grauschleier in internationalsozialistischer Wiedertäufer-Manier die westliche Hemnisphäre von allem Übel zu reinigen suchen. „Warum soll das schlecht sein?“, fragt mich ein störendes Nebengeräusch. „Ist das Gute nicht verpflichtet, dem Bösen Einhalt zu gebieten oder ihm zu widerstehen?“ Aber wer ist hier gut, wer ist hier verdorben? Um einen erfolgreichen Exorzismus betreiben zu können, muss der Exorzist vor niemandem so integer und glaubwürdig sein, wie vor den zu bannenden Mächten. Es ist die ausstrahlende Unglaubwürdigkeit des Guten, die auf dem Prüfstand steht. --- Längst haben sich die ehemaligen Rekruten der Kiss-Army mit freakiger Raffinesse in die Bereiche der Normalität und der neuesten Spießigkeit geputscht, und alles, was einmal Rocknroll Aussenseiter Attribut gesellschaftlicher Verworfenheit war, in den Grundfesten des Establishments verankert. Hinter jedem tätowierten Steißgeweih und jedem an einer Wohnzimmerwand abhängenden Kuhgehörn aus dem Wallfahrtsort Wacken, verkommt der Rocknroll zu einem Anachronismus auf Volksbühnen Niveau. Nur echte Militanz, aufrechte Körperhaltung und eine mit der äußeren Körperspannung korrespondierende unkünstliche innere Entspanntheit kann noch Schlimmeres verhindern. Und wenn es im Zusammenhang mit harter Rockmusik ein modernes stehendes Heer echter Rock-Reservisten gibt, die auch wirklich nach einer Armee aussehen und nicht nach einem Haufen alternder Jeansjacken-Zombies, dann als Konzert-Gefolgschaft von Rammstein und ohne sich als Armee benennen zu müssen. Eine freundliche, aufrechte, saubere Rocknroll Infantrie auf Fronturlaub vom Berufs-Alltag. Eine stereotyp wirkende Armee von disziplinierten Berufstätigen in vorbildlicher Kurzhaarfrisur und Landser-Gesichtszügen mit charakterlichen Aufladungen, die auf einen Individualismus schließen lassen, den die Verfechter freiheitlich mutender Auflösungsprinzipien uns Jahrzehntelang auch nur vortäuschen konnten.



Das, was an Substanz übrig geblieben ist im Untergang des Rock an sich Selbst -um in einer deutschen Marschmusik modernster technokratischer Prägung wieder aufzuerstehen - ist nicht Neonazismus, nicht Reichsbürger, nicht Sozialschmarotzer- Soundtrack linker oder rechter Prägung, sondern massenkompatibler Bevölkerungs-Rock für alle Erwerbsschichten, dessen natürliche Aura sich trotz höchster Verkaufszahlen eben nicht aus dem künstlichen Dünger einer Helene Fischer und Florian Silbereisen-Strebsamkeit nährt, sondern seine Kräfte aus einer durch und durch authentischen subkulturellen Herkunft generiert, die sich davor bewahrt, im Gäste-Karussell medialer Talkshow Runden seine öffentlich-rechtliche Glaubwürdigkeitsverbrennung betreiben zu müssen. Und weil Bundeswehr mittlerweile mehr Rocknroll ist, als es der linksgrüne Antifaschismus je war, freue ich mich zu Weihnachten darüber, dass die BILD Zeitung die lang vergessene Feldpost wieder zu Ehren kommen lässt und ein Bewusstsein dafür weckt, dass deutsche Soldaten in Afghanistan auch all die zivilisatorische Bequemlichkeit, die uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dort verteidigen. Es ist nicht Rocknroll und es bedeutet keinen menschlichen Vorsprung, die Toten im Mittelmeer in den Focus der öffentlich Wahrnehmung zu bringen, und dabei kein Anteil nehmendes Interesse auch dafür aufzubringen, wieviel Bundeswehrsoldaten bislang im Auslandseinsatz ums Leben gekommenen sind, oder schwer verwundet und traumatisiert zurück in eine Heimat kommen, welche ihnen bisweilen den Eindruck erwecken muss, mit dem Schwinden des Heimatbewusstseins auch die Verbindung zu ihren in der Ferne stationierten Soldaten zu verlieren. Auch eine Art missglückter Geschichtsbewältigung, den militärischen Außenposten auch thematisch zum Außenseiter verblassen zu lassen. Kein brennendes Thema für die gehobene Morgenzeitung und das fröhliche Frühstücksfernsehen. Da möchte die morgendliche Aufmerksamkeit und das tiefere Mitgefühl anspruchsvoller Links-Intellektueller - wenn zum Frühstück mit Nachrichten von Bundeswehr-Opfern in Afghanistan behelligt - von lauwarmen Luftströmen geschichtlicher Schuldfühligkeit und kühleren Winden gegenwärtiger Unzuständigkeit not-beamtet, lieber das Weite suchen.



Nicht am Eiserne Kreuze Befall leidet die Rockmusik, und kein Balkenkreuz-Gebrauch gefährdet die innere Sicherheit des Landes. Es ist die fragwürdige Natur pharisäerhafter Enzyklopädisten und Soziologen, die Mangels eigener Irrationalität, in der ihnen von der Schöpfung verliehenen Begabung zu sezierendem Spezialistentum mit dem Rocknroll Leichnam auch noch eine exorzistisch mutende Domestizierung der zombiehaften Natur des Rocknroll betreiben wollen - was natürlich vergeblich ist in der Untoten-Beschaffenheit eines Genres, zu dem außer Blood, Sweat and Tears auch historische Schmutzpartikel als Anhaftungen echten Lebens gehören wie vergossenes Öl und verpisster Diesel in eine Autowerkstatt mit Dragoner-Stallgeruch.

Musikpresse muss nicht zwingend Lügenpresse bedeuten, kann jedoch im toten Winkel seiner schreiberischen Tätigkeit durchaus zur partiellen Selbstbetrugspresse mutieren. War es im Musikexpress/Sounds, der Spex oder doch in einer Ausgabe des Rolling Stone, aus welchem ich vor ein paar Jahren einmal glaubte, einen subtilen musikjournalistischen Hilferuf vernommen zu haben? Im Rahmen einer Kolumne oder versteckt in einer Plattenkritik äußerte ein Schreiber sein dezentes Befremden darüber, dass ihm der Abdruck einer ihm relevant erscheinenden Musik-Besprechung verwehrt wurde, weil das Genre, die Gruppe oder der musikalische Einzelunternehmer trotz Verbotslosigkeit dem Selbstverständnis der Redaktion zuwider lief. Da schreibt jemand um Hilfe, dachte ich nur, und vermutete eine musikalische Neofolk Hintergründigkeit. Die Erinnerung daran ergab sich mir beim Lesen eines aktuellen Rolling Stone Artikels zum Thema CANCEL CULTURE. Der Begriff CANCEL CULTURE scheint in seiner saloppen Weise etwas weniger mottenpulvrig als die der Verhinderungskultur anhängenden Vollstreckungskräfte des Antifaschistischen Widerstands selbst, hat sich aber seit den 90ern in seiner anfänglich noch subkulturellen Verhinderungshandhabe eine gewisse Traditionsfestigkeit erarbeitet, die sich jetzt auch in Richtung Mainstream beweisen möchte. Das mit drohendem Buttersäure-Einsatz und Erwägungen körperlicher Gewalt betriebene Erzwingen von Veranstaltungs-Absagen hat seither deutlich zur Verbesserung der Welt beigetragen. Wir waren nicht die Ersten, und die um Haaresbreite göttlich ungehorsame Lisa Eckhart wird nicht die Letzte gewesen sein, für welche eine Gesinnungs-Miliz seine Promotionarbeit leistet. Der dunkle Schoßbereich, aus welchem solcherlei Cancel Culture jedoch steigt, muss gar nicht mal in der vererbten Stalinität oder einer feindlichen Übernahme von Gestapo Methoden gesucht werden. Was die alte Gebärmutter der kulturellen Bevormundung zu immer neuerem Auswurf krüppliger Aufständischkeit anregt, sind doch auch die kleineren, zwischen Nichtbeachtung und gezielter Weglassung spielenden Feinheiten kultureller Zensur und freiwilliger Selbstkontrolle. Oder etwa nicht?

„WIEVIEL REBELLENTUM IST AKZEPTABEL?“ Dies fragte Chefradkteur Robert Müller damals in der fett gedruckten Überschrift seines Editorials in der März Ausgabe des METAL HAMMER, 1999. Um „braunschattierte Gestalten„ ging es, “deren Existenz als Beleg für die Gefährlichkeit von Bands wie Rammstein „herangezogen“ würden -und natürlich um meinen Rauswurf bei SONY und WEISSGLUT. Es sei „unbestreitbar“, dass Menschen wie ich mehr sind „als Rebellen“, welche aber „in dem Moment, wo sie dem aus den Konventionen Ausbrechenden eine bestimmte ideologische Orientierung aufdrängen wollen, dessen Streben nach Befreiung von festgelegten Denkmustern mißachten!“ Und damals wie heute befinde ich, das ich jene „ideologische Orientierung“ mehr im Sinne eines Brecheisens zur Anwendung gebracht habe -und zwar in meinem persönlichen „Streben nach Befreiung von festgelegten Denkmustern“, nur eben aus Richtung einer „ideologischen Orientierung“, deren massiver Luftdruck und geistige Bevormundung im Rahmen der alternativen Musikkultur für mich nicht mehr akzeptabel und auch nicht mehr hinnehmbar war in seiner dogmatischen linksradikalen Mustergültigkeit. 20 Jahre später muss ich, im Rolling Stone schmökernd, schmunzeln, wenn Billy Corgan im Zwiegespräch mit einem Musikanten verlauten lässt, dass:
„ Rock,n,Roll weiterhin den Wunsch und die Notwendigkeit verinnerlichen muss ,gefährlich zu sein…!“
„Rock,n,Roll,... weiterhin,... gefährlich“ ?
Was meint er mit „gefährlich“? Die Hüftschäden-Gefahr für Mick Jagger während einer Bühnenshow, die Verbrennungsgefahr für Till Lindemann durch einen Feuereffekt, das Sterben von Jugendlichen an einer Alkoholvergiftung in einem Schützengraben vor Wacken, die Zerquetschungsgefahr am vorderen Bühnenrand eines Massenspektakels, oder der Erstickungstod im Trockeneisnebel eines Heavy Metal Konzertes ? Scheint denn die eigentliche Gefahr nicht besonders dort in Verzug zu sein, wo ohne einen Verbotsverstoß, ohne Gesetzesbruch, Musik trotzdem gelöscht, Auftritte verhindert, Karrieren und Existenzen zerstört werden, Sozialpädagogen die Alarmglocken läuten oder die Antifa in Rudeln nach Ausbrechern jagt und zwar nicht in den finsteren Regionen politisch extremer Eindeutigkeit, sondern überall dort, wo die Lebenswirklichkeit sich der alten Schwarzweißmalerei verwehrend ihre Grautöne zu wirken beginnt? Dort, wo diese Grautöne sich ohne Rücksicht auf die reine Farbenlehre der Kulturexorzisten selbst zu mischen beginnen und im Begriff sind, eine gesellschaftliche Relevanz zu bekommen, dort spielt die Gefahr.


Der besagte „Ausbruch aus den Konventionen“ selbst ist es, der sich immer wieder neu erfindet und Rock,n,Roll ist nur eines der Brecheisen, derer man sich dabei bedienen kann. Jenes ewig währende „Streben nach Befreiung von festgelegten Denkmustern“ - das ist es doch. Die Reifen, die durch den Dreck der Zeiten fahrend, dem Befehl der Welt nachkommen sich nach vorne zu bewegen, tragen immerfort Anhaftungen alter Schlammschlachten mit sich ins neue Terrain der zu durchfahrenden Gegenwart und können nicht anders als rotationsbedingt Schmutzpartikel geschichtlicher Mitbringsel in die Aufmerksamkeits-Gefilde jener Observatoren zu schleudern, die dem trügerischen Gefühl anheim fallen, dass die historischen Schmutzablagerungen auf den Bildschirmen der Welt ihnen unentwegt unter die eigene Netzhaut gingen. Gefährlich ist es geboren zu werden, sich fort zu bewegen, den Alltag zu meistern, je mehr Pferdestärken sich über die Jugend hinaus einbringen ins Spiel der Kräfte, welches da unentwegt zu laufen hat, ungeachtet der Tatsache, dass die Pferde, die mit uns durchgehen, auch uns wieder hinter sich zurücklassen müssen vor den weiteren Drehmomenten der Welten und Universen.

„WO IST DIESER MENSCH DENN NUN WIRKLICH POSITIONIERT, WAS WILL DER MANN UNS EIGENTLICH SAGEN ?“ Könnte ein imaginärer Deppenchor aus kritischen Interessenten nun zu fragen anheben. Und meine Antwort würde lauten: „ Ich will Euch nichts böses. Was Euch zu tiefst irritieren muss, bis ihr Euch Selber zu höheren Mischungsverhältnissen innerer Angelegenheiten verholfen habt, ist nicht mehr und nicht weniger als das Recht, das ich mir nehme, alle politischen Grundrichtungen in mir Selbst zu beheimaten, zu verantworten und innerlich so für mich zu regulieren, das sowohl Kant,s kategorischer Imperativ als auch Matthäus 7,12 mir in die tiefere Handhabe meiner Spannungsverhältnisse einstrahlen möge. Amen!“

Die Krönung



Morgens, halb zehn in Deutschland, muss schmutziger löslicher Kaffee mir nicht schmecken, sondern einfach nur unverschämt munter machen! Mein krankhaft ritueller Flanier-Marsch an der Münchner Feldherrenhalle vorbei indes, ist bei gutem Wetter zwischen 10 bis 14 Uhr immer noch von jener gewissen Kaffee-Genuss-Sucht höherer Preisklassen befeuert, dessen göttlicher Konsum ich mir vor meinem Gewissen in schwelgerischer Weise gerne als eine politische Demonstration meines guten Geschmackes deklariere. Zuhause am Schreibtisch jedoch muss es lösliche Plörre sein, Jacobs Krönung, Nescafe Gold und anderer Dreck. Es ist nicht der Kaffee an sich und auch nicht der Koffein, sondern seine Giftstoffe, die mich Zuhause beflügeln!




...fragt ein verdienter VT-Veteran aus der Verbandsgemeinde Rhein-Selz ! Und die Antwort ist: Ja, es sieht aus wie Brackwasser , ist aber löslicher Billigkaffe und macht wacht.